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Ausgangssperre in Bayern: Ist Mitterteich bald überall?

Ausgangssperre wegen Coronavirus  

Ist Mitterteich bald überall?

20.03.2020, 09:35 Uhr | Ute Wessels, dpa

Coronavirus: So lebt Mitterteich in Bayern mit der Ausgangssperre

In Mitterteich in Bayern gilt wegen des Coronavirus eine Ausgangssperre. Die könnte bald auch für ganz Deutschland gelten. Ein Ortsbesuch. (Quelle: Reuters)

Mitterteich in Bayern: So lebt die Kleinstadt in der Oberpfalz mit der Ausgangssperre. (Quelle: Reuters)


Im bayerischen Mitterteich hat sich das Coronavirus rasant verbreitet, niemand weiß genau, warum. Seit Mittwoch gilt eine Ausgangssperre, wie vielleicht bald in ganz Deutschland. Ein Ortsbesuch.

Auf diese Berühmtheit hätte Mitterteich gern verzichtet: In dem Städtchen in der Oberpfalz, unweit der tschechischen Grenze, gilt die bundesweit erste Ausgangssperre wegen der Coronakrise. Als am Donnerstag die Frühlingssonne aufgeht, wird der Ausnahmezustand in den Straßen rund um die katholische Pfarrkirche St. Jakob aus dem Jahr 1890 praktisch erkennbar.

Polizisten kontrollieren die Hauptzufahrtsstraßen. Anders als manche Passanten tragen sie noch keinen Atemschutz. Wer nicht in der 6.500-Einwohner-Stadt wohnt oder etwas anliefert, muss draußen bleiben. Berufstätige dürfen zur Arbeit, andere zum Einkaufen. Schulen und Kindergärten haben aber schon seit Tagen zu. Auch das Rathaus ist inzwischen geschlossen. Wie das Leben mit Ausgangssperre in Mitterteich aussieht, sehen Sie auch oben in unserem Video oder hier.

Kretschmann: "Es hängt von der Bevölkerung ab"

Und Mitterteich könnte bald überall in Deutschland sein. Wie der SWR am Donnerstag berichtete, wollen Kanzlerin Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder am Sonntag über Ausgangssperren beraten. Der Sender beruft sich auf den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne). "Es hängt von der Bevölkerung ab, ob wir schärfere Maßnahmen ergreifen müssen", sagte Kretschmann dem SWR. Mehrere Regierungschefs hatten schon zuvor mit Ausgangssperren gedroht. Hintergrund ist, dass viele Bundesbürger den Aufrufen zur Selbstisolation nicht nachkommen.


Ist Mitterteich ein Vorgeschmack auf das, was uns allen bevorsteht? Ortsfremde blicken an diesem Vormittag mit Stirnrunzeln auf all die Fußgänger, die unterwegs sind. Unter Ausgangssperre stellt man sich dann doch was anderes vor. Nach Ansicht der Polizei funktioniert sie aber. Nur vereinzelt hätten Menschen bisher belehrt werden müssen. Letztlich sei auch viel Eigenverantwortung gefragt.

Brachte ein Starkbierfest das Virus nach Mitterteich?

Bis Mittwoch waren im umliegenden Landkreis Tirschenreuth 47 Corona-Infizierte registriert, 25 davon in Mitterteich. 15 Patienten sind im Krankenhaus. Fünf mussten beatmet werden. Warum konnte sich das Virus Sars-CoV-2 ausgerechnet hier so gut ausbreiten?

Als Gerücht geistert eine Annahme durch die Straßen, die dann auch Einzug in den bayerischen Landtag hält. Ein Starkbierfest sei vermutlich verantwortlich, sagt Ministerpräsident Markus Söder (CSU) – und erinnert in seiner Regierungserklärung an die Debatte zur Absage des Starkbierfests am Münchner Nockherberg vor wenigen Wochen. Damals hagelte es Kritik. Aus jetziger Sicht ist das kaum noch vorstellbar.

Krisenstab versucht, Infektionsketten nachzuvollziehen

Bürgermeister Roland Grillmeier ist von der Starkbierfesttheorie nicht überzeugt: Er kenne die Hälfte der Patienten, und seines Wissens habe keiner davon das Fest besucht. Ein Krisenstab versucht nun, die Infektionsketten nachzuvollziehen.

Die Parkplätze am Marktplatz in Mitterteich sind fast leer. Aus einem Fenster im ersten Stock eines Wohnhauses beobachtet ein Mädchen ein Kamerateam. In der Metzgerei gegenüber der Kirche ist ein Kommen und Gehen. Es kämen aber viel weniger Kunden als sonst um diese Zeit, sagt Eva-Maria Grillmeier, Ehefrau des Inhabers. Eine ältere Dame bestellt Hackfleisch und Würste. Sie kauft auch für zwei Bekannte ein.

Stammtisch? Beerdigung? Kirchgang?

Ob wirklich das bierselige Fest mit engen Sitzbänken und feucht-fröhlicher Stimmung verantwortlich ist, kann noch niemand sicher sagen. Am Mittag ist Mitterteich dann nicht mehr allein mit der Ausgangssperre. Auch in zwei nahegelegenen Kommunen im Landkreis Wunsiedel dürfen die Menschen nur noch mit triftigen Gründen das Haus verlassen. "Die Fallzahlen sind dort auffällig schnell und stark gestiegen", sagt eine Sprecherin des Landratsamts.


1.450 Einwohner sind in Hohenberg an der Eger und im Ortsteil Neuhaus von der Ausgangssperre betroffen. "Der Großteil der Infizierten im Landkreis Wunsiedel lebt bei uns", sagt der Hohenberger Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD). Wie in Mitterteich rätseln sie über die Ansteckungswege. Stammtisch? Beerdigung? Kirchgang?

"Dann bleibt am Ende nur die bayernweite Ausgangssperre"

Hört man Ministerpräsident Markus Söder (CSU)  im Landtag zu, wird klar, dass weitere Ausgangssperren schon bald notwendig sein könnten. "Wenn sich viele Menschen nicht freiwillig beschränken, dann bleibt am Ende nur die bayernweite Ausgangssperre als einziges Instrumentarium, um darauf zu reagieren. Das muss jedem klar sein."

In Mitterteich legen sich die Leute wie anderswo in Deutschland nun Vorräte an, berichtet Metzgerei-Verkäuferin Grillmeier. Einige Kunden lassen sich das Fleisch einschweißen zum Einfrieren. An der Theke halten die Menschen Abstand voneinander. Die Warteschlange reicht bis zur Tür hinaus.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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