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92 Corona-Infektionen: Fleischbetrieb stoppt Produktion

Von dpa, aj

Aktualisiert am 18.05.2020Lesedauer: 2 Min.
Eine Mitarbeiterin vom Gesundheitsamt hÀlt einen AbstrichstÀbchen: Zum Wochenstart tagt das Corona-Kabinett der Bundesregierung.
Eine Mitarbeiterin vom Gesundheitsamt hÀlt einen AbstrichstÀbchen in der Hand: Zum Wochenstart tagt das Corona-Kabinett der Bundesregierung. (Quelle: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild)
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Wegen der Coronavirus-AusbrĂŒche in Schlachtbetrieben wird ĂŒber Parteigrenzen hinweg der Ruf nach Konsequenzen laut. Ein neuer Fall in Niedersachsen dĂŒrfte nun fĂŒr Nachdruck sorgen.

Wegen zahlreicher Coronavirus-Infektionen in der Belegschaft setzt ein fleischverarbeitender Betrieb in Dissen in Niedersachsen die Produktion aus. Tests hatten ergeben, dass 92 Mitarbeiter des Betriebs infiziert sind, wie der Landkreis OsnabrĂŒck am Sonntagabend mitteilte. Die betroffenen Mitarbeiter sowie deren Kontaktpersonen wĂŒrden in QuarantĂ€ne geschickt, hieß es. Mit dem Land Niedersachsen werde nun das weitere Vorgehen beraten – dabei stehe die Frage im Zentrum, "ob das Unternehmen einen systemrelevanten Bereich der Lebensmittelindustrie darstellt."

62 der positiv Getesteten wohnen den Angaben zufolge im Landkreis OsnabrĂŒck, teils in SammelunterkĂŒnften. "Unter ihnen sind zahlreiche KrĂ€fte, die von Subunternehmen beschĂ€ftigt werden." Die Ermittlung der Kontaktpersonen war den Angaben zufolge noch nicht abgeschlossen.

Man habe außerdem die Kreise GĂŒtersloh, Steinfurt, Wesel und Vechta informiert, "in denen die weiteren 30 positiv Getesteten wohnen", teilte der Landkreis OsnabrĂŒck mit.

Vermehrt VorfÀlle in der Fleischindustrie

Die rheinland-pfĂ€lzische CDU-Vorsitzende, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, forderte am Sonntag wie der nordrhein-westfĂ€lische Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), Bußgelder bei ArbeitszeitverstĂ¶ĂŸen in Schlachthöfen deutlich anzuheben. "Der Bußgeldrahmen sollte von 15.000 auf 30.000 Euro erhöht werden", forderte Klöckner. Die SPD-Fraktion im Bundestag will strengere Regeln auch in anderen Branchen. Am Montag soll sich das Corona-Kabinett mit VorschlĂ€gen von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) fĂŒr einen besseren Arbeitsschutz in Schlachthöfen befassen.

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"Die Fleischindustrie steht jetzt im Mittelpunkt. Es geht aber um ein GeschĂ€ftsmodell, das es auch in anderen Bereichen gibt", sagte SPD-Fraktionsvize Katja Mast der Deutschen Presse-Agentur. "Wir werden auch die Lebensbedingungen der SaisonarbeitskrĂ€fte nochmals genau anschauen mĂŒssen, genauso wie die Pflegebranche."

Heil hatte hĂ€rtere Auflagen fĂŒr die Fleischindustrie gefordert. Dem schloss sich Mast an. In der Branche werde Verantwortung durch undurchsichtige Vertragskonstrukte auf Subunternehmer geschoben. "Deshalb werden wir durch Gesetze und Kontrollen das GeschĂ€ftsmodell der Fleischindustrie fairer machen", kĂŒndigte sie an. Mast forderte auch eine dauerhafte Förderung fĂŒr ein Projekt des Deutschen Gewerkschaftsbundes, das fĂŒr gerechte Löhne und faire Arbeitsbedingungen auslĂ€ndischer ArbeitskrĂ€fte in Deutschland arbeitet. "Das hilft nicht nur den rumĂ€nischen Fleischern, sondern auch der polnischen Pflegekraft oder der bulgarischen Kellnerin", sagte sie.

GrĂŒnen-Chef fordert grundlegende Reform

Die GrĂŒnen forderten eine grundlegend Reform der Fleischproduktion in Deutschland. In einem sieben Punkte umfassenden Plan, der den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Sonntag) vorliegt, verlangte GrĂŒnen-Chef Robert Habeck unter anderem einen Mindestpreis fĂŒr Tierprodukte, ein Verbot von WerkvertrĂ€gen ĂŒber Subunternehmen, bessere Haltungsbedingungen fĂŒr Tiere, eine "korrekte Entlohnung" der Mitarbeiter und eine Ausweitung der staatlichen Kontrollen in den Betrieben.

Die Ausbruch der Lungenkrankheit Covid-19 in mehreren Schlachthöfen werfe ein Schlaglicht auf die dramatischen Probleme der Agrarindustrie, schreibt Habeck. "Sie funktioniert nach dem Prinzip: Massenproduktion von Fleisch zu Dumpingpreisen dank Dumpingbedingungen."

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In mehreren deutschen Schlachthöfen war die Krankheit Covid-19 zuletzt ausgebrochen, etwa in den nordrhein-westfÀlischen StÀdten Coesfeld und Oer-Erkenschwick. Die Fleischindustrie steht wegen prekÀrer Arbeits- und Unterkunftsbedingungen bereits seit vielen Jahren in der Kritik.

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