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Keine Befehle ÔÇô Trumps Truppenabzug m├╝ndet im Chaos

dpa, Michael Fischer

Aktualisiert am 26.10.2020Lesedauer: 3 Min.
US-Truppen bei einer ├ťbung: Trumps Truppenabzug kommt nicht in Gang.
US-Truppen bei einer ├ťbung: Trumps Truppenabzug kommt nicht in Gang. (Quelle: BildFunkMV/imago-images-bilder)
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Viele werteten es als Wahlkampfman├Âver, als Donald Trump den Abzug von US-Soldaten aus Deutschland ank├╝ndigte. Eigentlich sollte die Operation schnell beginnen. Doch bislang passierte nichts.

Der geplante Abzug von etwa einem Drittel der US-Soldaten aus Deutschland hat auch mehr als vier Monate nach der Ank├╝ndigung durch US-Pr├Ąsident Donald Trump noch nicht begonnen. Die Kommandozentrale f├╝r die US-Streitkr├Ąfte in Europa (Eucom) in Stuttgart teilte der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit, dass die Vorbereitung noch Zeit brauche. "Die Planung erfolgt auf den h├Âchsten Ebenen und ber├╝cksichtigt zahlreiche ├ťberlegungen. Dies wird einige Zeit dauern", hei├čt es in der schriftlichen Antwort. Die Soldaten w├╝rden ├╝ber die Planungen auf dem Laufenden gehalten. "Zu diesem Zeitpunkt haben wir aber keine weiteren Einzelheiten zu bieten und k├Ânnen auch nicht ├╝ber Zeitpl├Ąne spekulieren."


70 Jahre Nato

1991: Nato-Generalsekret├Ąr Manfred W├Ârner (Deutschland/CDU) spricht w├Ąhrend einer Pressekonferenz in Bonn. Die Themen sind der Zusammenbruch der Sowjetunion, wodurch auch der 1955 als Gegenb├╝ndnis zur Nato gegr├╝ndete Warschauer Pakt aufgel├Âst wird.
1994: Bei der Durchsetzung einer UN-Flugverbotszone ├╝ber Bosnien schie├čt die Nato vier serbische Milit├Ąrmaschinen ab. Es ist die erste Kampfhandlung in der Geschichte des Milit├Ąrb├╝ndnisses.
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Auch der Koordinator der Bundesregierung f├╝r die transatlantischen Beziehungen, Peter Beyer (CDU), best├Ątigte, dass der Abzug noch nicht begonnen hat. "Die US-Army in Deutschland hat nach meiner Kenntnis bisher noch keine konkreten Befehle bez├╝glich der detaillierten Umsetzung der Truppenreduzierung erhalten", sagte er der dpa.

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Aus wenigen Wochen werden Monate

Urspr├╝nglich war erwartet worden, dass zumindest die ersten Soldaten noch vor der US-Pr├Ąsidentschaftswahl am 3. November abgezogen werden. Trump hatte den Abzug eines gro├čen Teils der rund 36.000 US-Soldaten in Deutschland am 15. Juni angek├╝ndigt und ihn mit den aus seiner Sicht zu geringen Verteidigungsausgaben Deutschlands begr├╝ndet.

Sechs Wochen sp├Ąter stellte Trumps Verteidigungsminister Mark Esper die Details des Truppenabzugs vor und machte dabei klar, dass die Pl├Ąne "so schnell wie m├Âglich" umgesetzt werden sollen. Die ersten Soldaten k├Ânnten "innerhalb von Wochen" das Land verlassen. Daraus sind nun schon Monate geworden.

Ein Drittel der US-Soldaten soll abgezogen werden

Insgesamt sollen etwa 12.000 der 36.000 in Deutschland stationierten Soldaten abgezogen werden, also ein Drittel. Gut die H├Ąlfte soll in die USA zur├╝ckgeholt werden, 5.600 in andere Nato-L├Ąnder verlegt werden. Drei Standorte in Baden-W├╝rttemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz trifft es besonders hart:

  • STUTTGART: Die beiden Kommandozentralen f├╝r die US-Truppen in Europa und Afrika sollen aus der baden-w├╝rttembergischen Hauptstadt nach Mons in Belgien verlegt werden.
  • VILSECK: 4.500 Soldaten sollen von dem bayerischen Standort am riesigen Truppen├╝bungsplatz Grafenw├Âhr in der Oberpfalz nach Hause in die USA geholt werden.
  • SPANGDAHLEM: Ein Geschwader mit etwa 20 F16-Kampfjets soll samt Besatzung, Mechanikern und Unterst├╝tzungskr├Ąften von dem Luftwaffenst├╝tzpunkt in der rheinland-pf├Ąlzischen Eifel nach Italien verlegt werden.

Bislang keine Anweisungen

Auch in Berlin hatte man fest damit gerechnet, dass die ersten Schritte des Truppenabzugs vor der Wahl erfolgen. Allerdings wurde die Bundesregierung von Anfang an von den US-Verb├╝ndeten kaum in die Planungen einbezogen. Auf eine parlamentarische Anfrage des Linken-Abgeordneten Alexander Neu, ob sie Kenntnis von bereits erfolgten oder in den n├Ąchsten Monaten geplanten Truppenverlegungen habe, antwortete das Verteidigungsministerium in der vergangenen Woche nur mit dem knappen Satz: "Der Bundesregierung liegen keine entsprechende Erkenntnisse vor."

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Aber selbst wenn es schon einen groben oder konkreten Zeitplan f├╝r die ersten Abzugsschritte geben sollte, k├Ânnte er je nach Wahlausgang auch wieder ├╝ber den Haufen geworfen werden. Darauf hofft man nun in der Bundesregierung f├╝r den Fall, dass Trump die Wahl verliert. "Da sehe ich bei einem Pr├Ąsidenten Biden definitiv die Chance, dass diese Sache revidiert wird", sagt der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionschef Johann Wadephul.

Ein "schwerwiegender Fehler"

Er verweist auf den erheblichen Widerstand, den es im US-Senat gegen die Abzugspl├Ąne gibt ÔÇô und das nicht nur bei Bidens Demokraten. So hat der republikanische Senator Mitt Romney die Pl├Ąne Trumps einen "schwerwiegenden Fehler" genannt. "Es ist ein Schlag ins Gesicht eines Freundes und Verb├╝ndeten."

US-Milit├Ąrs sehen die Pl├Ąne ohnehin skeptisch. Der fr├╝here Befehlshaber der US-Truppen in Europa, Ben Hodges, nannte sie einen "kolossalen Fehler". Die Entscheidung sei rein politisch motiviert und folge keiner Strategie.

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Transatlantik-Koordinator Beyer glaubt trotzdem nicht daran, dass die Pl├Ąne bei einer Niederlage Trumps wieder ganz zur├╝ckgeschraubt werden: "Ich bin davon ├╝berzeugt, dass das Thema uns auch im Falle eines Wahlsieges von Joe Biden erhalten bleiben wird", sagt er. "Ganz stoppen w├╝rde auch Biden die Truppenreduzierung nicht."

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