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Corona-Hotspot Hildburghausen: 400 Demonstranten ziehen singend durch die Stadt

Empörung in Hildburghausen  

Hunderte Demonstranten singen im größten Corona-Hotspot

26.11.2020, 09:16 Uhr
Hildburghausen: Hunderte marschieren durch Corona-Hotspot

"Oh, wie ist das schön", singen rund 400 Menschen bei einem Marsch durch Deutschlands größten Corona-Hotspot. Die skurrile Aktion in Hildburghausen sorgt für Unverständnis. (Quelle: t-online)

"Oh, wie ist das schön": Dieser skurrile Marsch durch Deutschlands größten Corona-Hotspot sorgt für Diskussionen. (Quelle: t-online)


Im Landkreis Hildburghausen mit Deutschlands höchster Infektionszahl gelten seit Mittwoch noch schärfere Regeln. Trotzdem zogen am Abend rund 400 Menschen singend durch die Kreisstadt. Nicht nur der Bürgermeister ist fassungslos. 

In Hildburghausen in Thüringen sind am Mittwoch bei einer nicht angemeldeten Kundgebung rund 400 Menschen singend durch die Stadt gezogen. Die Szenen lösen lokal und bundesweit Empörung und Unverständnis aus: Es ist der Kreis, in dem nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) das Coronavirus so um sich greift wie sonst nirgends: Er war deutschlandweit der erste Kreis, der die Sieben-Tage-Inzidenz von 527 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohnern durchbrochen hatte. Auf der Karte des RKI musste dafür mit Rosa eine neue Farbe eingeführt werden, am Donnerstag meldete das RKI sogar eine Inzidenz von 602.* Seit Mittwoch gilt eine strenge Verordnung, jeden physischen Kontakt, mit Ausnahme der Angehörigen des eigenen Haushalts, auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren.

Im Video oben oder hier sehen Sie Aufnahmen der skurrilen Aktion in Hildburghausen.

Bilder und Videos des Umzugs der "Oh, wie ist das schön" singenden Menschen verbreiteten sich schnell in sozialen Netzwerken. Ordnungsamt und Polizei waren im Einsatz, die Polizei dem MDR zufolge mit 40 Beamten. Sie hielten sich nach Berichten von Augenzeugen im Hintergrund. Die Polizei teilte in der Nacht mit, es sei vereinzelt Pfefferspray eingesetzt worden. Sie habe auch mehr als 30 Anzeigen erstellt.*

Die Menschen hatten sich auf dem Marktplatz der Stadt getroffen und waren dann geschlossen losgezogen, überwiegend ohne Abstand und Masken. Bereits am Dienstag war in Gruppen auf Telegram und auf Facebook offen über eine Demo am Mittwoch geschrieben worden.  

Fassungslosigkeit bei Bürgermeister und Bürgern

Hildburghausens Bürgermeister Tilo Kummer (Die Linke) zeigte sich auf Facebook "fassungslos". Er schrieb: "Was muss denn noch passieren, bis manche den Ernst der Lage begreifen? Ganze Kitas, Schulen, Rettungswachen, Feuerwehren mussten bereits in Quarantäne. Etliche Menschen, vor allem aus betroffenen Pflegeheimen, kämpfen aktuell in unserem Kreis um ihr Leben." Er hoffe, dass das "Handeln der anwesenden Polizisten bald dazu [führt], dass diese 'Spaziergänge' ein Ende haben." In den Kommentaren schrieben Nutzer aus Hildburghausen, sie schämten sich, aus der Stadt zu sein.

Eine Twitter-Nutzerin, offenbar Lehrerin im Landkreis Hildburghausen, äußerte sich erschüttert: "Kann sich jemand vorstellen, wie wütend ich bin? Von solchen 'besorgten Eltern' habe ich morgen vielleicht die Kinder in der Notbetreuung sitzen. Es ist so schlimm für mich gerade. Ich werde hier nix mehr positiv verändern können."

Thüringens Kulturminister und Staatskanzleichef Benjamin-Immanuel Hoff kam gerade aus der Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zu neuen Verschärfungen der Corona-Maßnahmen, als er von der Kundgebung erfuhr. Sein Kommentar auf Twitter: "Dass im Landkreis mit den höchsten Inzidenzwerten bekannte Rechtsextreme als 'besorgte Eltern' getarnt durch Hildburghausen marschieren, ist unerträglich anzusehen."

Unter anderem der frühere NPD-Politiker Tommy Frenck postete offensichtlich begeistert etliche Fotos und Videos. Frenck, der als Gastronom unweit von Hildburghausen "Führerschnitzel" für 8,88 Euro angeboten hatte, schrieb zudem, dass das öffentliche Leben "endlich wieder hochgefahren" werden müsse. 

Schulen und Kitas sind wegen der hohen Inzidenzzahlen in Hildburghausen seit Mittwoch geschlossen. Landrat Thomas Müller (CDU) hat für den starken Anstieg einerseits die Nachbarschaft zu Bayern verantwortlich gemacht, wo vor einigen Wochen schon relativ hohe Corona-Infektionszahlen gemessen wurden. Zudem hätten sich bei zwei genehmigten privaten Veranstaltungen im Landkreis sehr viele Menschen angesteckt. Die Infektionen könne man inzwischen keinen Quellen mehr zuordnen. 

*Der Text wurde mit dem neuen Inzidenzwert von 602 und Informationen der Polizei aktualisiert.

Verwendete Quellen:

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