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Regierung zahlt sechs Euro fĂŒr deutlich billigere FFP2-Masken

  • Lars Wienand
Von Lars Wienand

Aktualisiert am 15.12.2020Lesedauer: 5 Min.
Mit FFP2-Masken gegen SARS-CoV-2: Angesichts der Krise hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Risikopatienten kostenlose Masken versprochen. Der Bund erstattet das Apotheken sehr großzĂŒgig – weit ĂŒber aktuellem Marktpreis.
Mit FFP2-Masken gegen SARS-CoV-2: Angesichts der Krise hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Risikopatienten kostenlose Masken versprochen. Der Bund erstattet das Apotheken sehr großzĂŒgig – weit ĂŒber aktuellem Marktpreis. (Quelle: dpa-bilder)
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Die Apotheken erwarten einen Ansturm auf kostenlose FFP2-Masken fĂŒr Risikogruppen. Der Bund entschĂ€digt sie dafĂŒr großzĂŒgig: Viele werden ein Vielfaches des Einkaufspreises erhalten.

Sabine Harmsen tĂŒtete das GeschĂ€ft am Freitag ein: 300.000 FFP2-Masken sicherte ihre Harmsen Trading GmbH einer Apotheke mit mehreren Niederlassungen zu. Der Apotheker ist damit vorbereitet, wenn ab Dienstag Kunden vor der TĂŒr stehen und das Versprechen von Gesundheitsminister Jens Spahn einlösen wollen: Drei FFP2-Masken gibt es bis Ende Januar kostenlos fĂŒr alte Menschen und andere mit signifikant hohem Covid-19-Risiko. Ein gutes GeschĂ€ft macht der Apotheker auch: Harmsen Trading, von Troisdorf aus seit Jahren im GeschĂ€ft mit Textilien aus China tĂ€tig, hat bei dieser Abnahmemenge weniger als einen Euro pro Maske verlangt, der Bund wird der Apotheke sechs Euro erstatten.

"Sechs Euro sind schon fast Wahnsinn", sagt auch Achim Theiler, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Franz Mensch GmbH. Er steht an der Spitze eines der grĂ¶ĂŸten Hersteller von Produkten zur SchutzausrĂŒstung und Hygiene und kennt den Markt sehr genau. Gerade hat sich sein Unternehmen an einer Ausschreibung mit einem Preis von unter einem Euro pro StĂŒck beteiligt: Österreich sucht 18 Millionen FFP2-Masken. Er sagte t-online am Samstag: "Man bekommt bei Abnahme von grĂ¶ĂŸeren Mengen immer noch FFP2-Masken – die gĂŒnstigste liegt unter 70 Cent."

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"Vorgehen erinnert an Hektik im FrĂŒhjahr"

Theiler war dadurch bekannt geworden, dass er bereits im Februar in einer Mail an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zunĂ€chst vergebens auf drohende VersorgungsengpĂ€sse hingewiesen hatte. An diese Zeit fĂŒhlt er sich wieder erinnert: "Wir wissen nicht, wie sich die Regierung eine Versorgung in so kurzfristiger Zeitspanne vorstellt", so Theiler zu t-online. "Das Vorgehen erinnert stark an die erste Phase der Corona-Krise und die hektische Beschaffung von medizinischer Schutzbekleidung." Da waren die Preise in die Höhe geschnellt.

Doch auch da lag der höchste Preis, zu dem die Franz Mensch GmbH FFP2-Masken abgegeben hat, bei 4,50 Euro. KĂ€ufer: der Bund, der fĂŒr den Betrag Anbieter gesucht hatte. Nun will Spahns Ministerium sich die einzelne FFP2-Maske sogar 6 Euro kosten lassen. Das geht aus dem Referentenentwurf hervor: 27,3 Millionen Menschen sollen sich bis zum 6. Januar in Apotheken je drei Masken abholen können. DafĂŒr zahlt das Bundesamt fĂŒr Soziale Sicherung pauschal 491,4 Millionen Euro an den Notdienst-Fonds des Apothekerverbands, der die Mittel an die Apotheken weiterleitet. Die Masken werden anteilig vergĂŒtet danach, wie viele rezeptpflichtige Arzneipackungen eine Apotheke im 3. Quartal abgegeben hat. Jede Apotheke bekommt also nur begrenzt Masken erstattet.*

Am 9. Dezember hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine AnkĂŒndigung von Ende November wahrgemacht und die Ausgabe verkĂŒndet. Damit setzte er die Apotheken sofort unter Zugzwang: Verteilung ab dem 15. Dezember – aber in den GeschĂ€ften standen umgehend die ersten Menschen und wollten Masken abholen. Am Montag hat die Bundesvereinigung Deutscher ApothekerverbĂ€nde e. V. (ABDA) nun ein Formular herausgegeben. Kunden werden gebeten, es zur Maskenabholung ausgefĂŒllt mitzubringen. (Diese sogenannte "EigenerklĂ€rung Kunde zum Ausdrucken" finden Sie als PDF-Datei hier.)


Die ABDA appelliert, Kunden sollten nicht gleich am Dienstag in Massen in die Apotheken strömen, sondern warten. Unter UmstÀnden wird in Apotheken auch zusÀtzliches Personal benötigt. Im Schnitt werden dort deutschlandweit drei Millionen Kunden am Tag gezÀhlt, nun könnten es deutlich mehr sein.

VerbÀnde: "Apotheken sahnen nicht ab"

Christian Splett, Sprecher der Bundesvereinigung Deutscher ApothekerverbĂ€nde, rechnet auch durch die Regelung mit hohem personellen und organisatorischen Aufwand. Apotheken wĂŒrden sich Personalausweise zeigen lassen oder die EigenerklĂ€rung der Kunden abfragen: "Sie sollen prĂŒfen, ob jemand anspruchsberechtigt ist oder nicht." Deshalb sollten Menschen vorzugsweise in ihre Stammapotheke gehen.

Das Personal wird gute Nerven brauchen, aber die Apotheken werden satt Gewinn machen mit Masken? Das Bundesgesundheitsministerium hat eine Anfrage von t-online nicht beantwortet. ApothekerverbĂ€nde-Sprecher Splett weist aber eine mögliche Kritik an der Erstattung zurĂŒck: "Die Apotheken werden nicht absahnen." Der Erstattungspreis solle alles abdecken von der Herstellung ĂŒber die Logistik bis hin zu Beratung und Mehrwertsteuer.

Beispiele fĂŒr gĂŒnstige Preise bedeuteten auch nicht, dass es dabei bleibe: "Weil auf dem freien Markt beschafft werden muss, können sich Preise, Mengen und Liefertermine jederzeit Ă€ndern."

Global keine Knappheit

Achim Theiler rechnet allerdings nicht mit einer Preisexplosion: "Es gibt kein globales Nachschub-Problem dadurch, dass in Deutschland jetzt diese Mengen zur Verteilung durch die Apotheken nachgefragt werden." Jeder Gewerbekunde werde durch seine Firma bedient, je nach VerfĂŒgbarkeit werde er aber vielleicht nur Teilmengen erhalten. Wenn viele Apotheken jetzt einkaufen mĂŒssten, seien die dafĂŒr notwendigen Masken nicht so kurzfristig verfĂŒgbar.

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Momentan wĂŒrden alle Waren sofort wieder verkauft. Die kurzfristige Nachfrage fĂŒhre auch dazu, dass es Anbieter gebe, die krĂ€ftig aufschlagen. Deshalb verkaufen auch sein Unternehmen ebenso wie die Harmsen Trading nicht an Privatleute, die dann als WeiterverkĂ€ufer auftreten könnten.

Bund plant 2,5 Milliarden ein

Im Sommer sei der Markt fast tot gewesen, sagt Sabine Harmsen: "Die Chinesen haben dauernd angerufen und wollten schicken." Nun wurden am Montagabend in ihrem Unternehmen die letzten noch vorhandenen Masken versandfertig gemacht – auch bei kleineren Mengen zu Preisen weit unter zwei Euro: "Wir schauen dabei darauf, was es uns gekostet hat." Dort wird Anfang Januar wieder eine Lieferung ĂŒber eine Million Exemplare erwartet, "und wir ĂŒberlegen gerade, ob wir noch eine weitere Million ordern". Die Franz Mensch GmbH erwartet Ende Dezember eine Lieferung von fĂŒnf Millionen FFP2-Masken.

Die sollen sich Risikopatienten auch 2021 in der Apotheke holen können. Dann und bis Mitte April ist das Vorgehen aber anders, um Missbrauch zu verhindern: Menschen aus der Risikogruppe erhalten von ihrer Krankenkasse zwei Coupons fĂŒr je sechs Masken, die sie einlösen können – und dann sind jeweils zwei Euro fĂŒr sechs Masken zuzuzahlen.

Die Apotheken bekommen weiterhin sechs Euro pro Maske, aber die Zuzahlung der Kunden wird angerechnet. FĂŒr die Maskenverteilung von Dezember bis April plant der Bund Kosten von 2,5 Milliarden Euro ein. GroßhĂ€ndler Theiler: "Man hĂ€tte das auch in jedem Fall gĂŒnstiger haben können, wenn der Bund da nicht wieder so kurzfristig, sondern mit etwas mehr Vorlauf herangegangen wĂ€re."

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Der nĂ€chste Engpass ist schon in Sicht – Achim Theiler fĂŒrchtet ihn in Kliniken: "Zuletzt haben wir die Regierung auf die extrem angespannte Situation bei Einmalhandschuhen aufmerksam gemacht. Bis auf zwei einzeilige EmpfangsbestĂ€tigungen ist nichts weiter passiert."

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*Wir haben an dieser Stelle ergĂ€nzt, dass die Zahl der vergĂŒteten Masken sich an den ausgegebenen rezeptpflichtigen Medikamenten orientiert.

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