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Hotspot Berchtesgadener Land: Bayerns Corona-Sorgenkind kommt nicht zur Ruhe


Bayerns Pandemie-Sorgenkind kommt nicht zur Ruhe

  • Josephin Hartwig
Von Josephin Hartwig

Aktualisiert am 13.01.2021Lesedauer: 4 Min.
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Berchtesgaden: Die Region bleibt in der Corona-Pandemie ein Hotspot.
Berchtesgaden: Die Region bleibt in der Corona-Pandemie ein Hotspot. (Quelle: S.Adam/imago-images-bilder)
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Im Berchtesgadener Land sind die Corona-Fallzahlen schon wieder enorm hoch – obwohl der Landkreis bereits im Oktober im harten Lockdown war. Zeigt sich in Bayern, dass diese Maßnahme sinnlos ist?

Eigentlich sollte alles ganz anders kommen. Das Berchtesgadener Land reagierte früh auf enorm steigende Corona-Neuinfektionen. In dem Landkreis in Oberbayern war schon einmal, am 19. Oktober, ein harter Lockdown verhängt worden. Zwei Wochen lang wurde das öffentliche Leben weitestgehend heruntergefahren. So wollte Landrat Bernhard Kern die steigenden Fallzahlen in der Corona-Pandemie in den Griff bekommen.


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Was damals galt, gilt heute teilweise erneut: Das Verlassen der Wohnung ist nur noch aus triftigen Gründen erlaubt, beispielsweise für den Gang zur Arbeit, Arztbesuche, Einkäufe und Sport. Schulen sind geschlossen, Veranstaltungen außer Gottesdiensten sind untersagt und auch Restaurants, Bars und Hotels sind weitgehend zu. In Fußgängerzonen der größeren Städte gilt eine Maskenpflicht.

"Lockdown im Oktober war notwendig und wirksam"

Das schien im Oktober den gewünschten Erfolg in der Krise zu bringen, die Zahlen gingen erst einmal herunter. "Der Lockdown im Oktober war notwendig und auch wirksam, da so der exponentielle Anstieg der Fallzahlen gestoppt werden konnte", sagte Landrat Bernhard Kern t-online. Doch Kern räumte im Neujahrsinterview mit der "Neuen Passauer Presse" auch Bedenken zur Vorgehensweise ein. "Als Landrat musste ich die abgestimmte und letztlich von der Staatsregierung und dem Gesundheitsministerium genehmigte Allgemeinverfügung Berchtesgadener Land verkünden", erklärte er. "Vielleicht hätte ich persönlich manches anders gemacht, doch es wurde so beraten und letztlich festgelegt. Als Landrat war ich nur Verkünder der schlechten Botschaft."

Bernhard Kern: Der Landrat hatte auf einer Pressekonferenz am 19. Oktober den Lockdown verkündet.
Bernhard Kern: Der Landrat hatte auf einer Pressekonferenz am 19. Oktober den Lockdown verkündet. (Quelle: Overstreet/imago-images-bilder)

Im Berchtesgadener Land sanken die Zahlen etwa zwei Wochen nach Beginn des Lockdowns. Die Sieben-Tage-Inzidenz Ende Oktober hatte bei 324 gelegen, sich dann mehr als halbiert. Das Landratsamt wertete das als großen Erfolg, auch wenn die Zahlen dennoch weiter sehr hoch waren: "Ohne die Maßnahmen wären wir längst bei einer Inzidenz von 500", sagte Sprecher Stefan Neiber damals.

Inzidenz schon wieder über 330

Jetzt, Mitte Januar, sind die Fallzahlen wieder so schlimm wie im Oktober: Der Inzidenz-Wert liegt bei 325,7, 328 Menschen sind in häuslicher Quarantäne, 53 Covid-Patienten werden stationär behandelt, davon fünf Patienten intensivmedizinisch betreut (Stand: 12. Januar). Das sei insbesondere durch Kontakte bei privaten Zusammenkünften und zum Teil auch bei der Arbeitsstätte beziehungsweise im beruflichen Umfeld begründet, heißt es auf der Internetseite des Landratsamts. Ebenso gebe es in mehreren Betrieben und Einrichtungen eine Häufung von positiven Covid-19-Fällen. "Wichtig ist weiterhin die Akzeptanz in der Bevölkerung für die bestehenden Corona-Maßnahmen", sagt Landrat Kern. Der Freistaat Bayern habe aktuell weitere Regeln erlassen, die auf eine Minimierung der Kontakte abzielen. "Wenn diese Vorgaben konsequent umgesetzt werden, kann das Infektionsgeschehen auch merklich gebremst werden."

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Epidemiologe Markus Scholz von der Universität Leipzig vermutet, dass die nun wieder steigenden Zahlen auf Kontakte an Weihnachten und an Silvester zurückzuführen sind. "Ohne eine genaue Analyse lässt sich das aber schwer einschätzen", erklärt er t-online. Auch Grenzverkehr und damit eingebrachte Infektionen könnten dafür verantwortlich sein.

Impfdosen fehlen

Seit dem 27. Dezember 2020 wird im Berchtesgadener Land geimpft. Doch Impfdosen sind derzeit Mangelware, wie der Ärztliche Leiter des Impfzentrums Berchtesgadener Land in Ainring, Joachim Leßke, der "Passauer Neuen Presse" (PNP) erklärte. Landrat Bernhard Kern hatte erklärt, es sei vorgesehen, Risikogruppen anzuschreiben, wenn genügend Impfstoff vorhanden sei. Das könne allerdings erst Ende Januar der Fall sein. Im Landkreis Berchtesgadener Land sind zunächst die impf-freiwilligen Bewohner und Mitarbeiter von Alten- und Pflegeeinrichtungen für die Impfung vorgesehen, hatte das Landratsamt auf seiner Internetseite mitgeteilt.

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"Man darf nicht vergessen, dass die gesamte Infrastruktur um die Impfkampagne unter sehr großem Zeitdruck und innerhalb weniger Wochen organisiert wurde", erklärte Leßke der "PNP". Das größte Problem sei derzeit die mangelnde Verfügbarkeit des Impfstoffs.

Dem Landkreis seien bislang 750 Impfdosen zugeteilt worden. "Wir erhalten sehr kurzfristig die Informationen, wieviel weitere Dosen angeliefert werden. Wir erwarten aktuell eine weitere Anlieferung von 350 Dosen", sagte Leßke. Deshalb sei eine Prognose bis Ende Januar oder Anfang Februar nur schwer möglich.

Auch Nachbarkommunen leiden unter hohen Corona-Zahlen

In 24 bayerischen Landkreisen und kreisfreien Städten sind die Bürgerinnen und Bürger wegen hoher Infektionszahlen in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Nach den Zahlen des Robert Koch-Instituts verzeichneten am 12. Januar die Städte Coburg (289,7) und Passau (280,3) die höchsten Inzidenzwerte bei Neuinfektionen mit dem Coronavirus pro 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen.

"Die aktuellen Zahlen zeigen ein breites Ausbruchsgeschehen über den gesamten Landkreis Berchtesgadener Land. Daraus wird deutlich, wie wichtig der Einsatz jedes Einzelnen während dieser Pandemie ist", appelliert Landrat Bernhard Kern an die Bevölkerung. Nur wenn alle Menschen ihre Kontakte auf ein Minimum reduzierten, könne es gelingen, den 7-Tage-Inzidenzwert "rasch und dauerhaft deutlich zu senken."

Nach der seit Montag geltenden Regelung dürfen Menschen sich nur noch 15 Kilometer weit von ihrem Wohnort wegbewegen, wenn der Inzidenzwert mehr als 200 beträgt. Ausgenommen davon sind triftige Gründe wie die Fahrt zur Arbeit oder zum Einkaufen.

17 Kreise und sieben Städte von 15-Kilometer-Regel betroffen

Von der Regelung betroffen sind nach Angaben des RKI auch die Kreise Wunsiedel im Fichtelgebirge, Passau, Deggendorf, Kulmbach, Coburg, Bayreuth, Rottal-Inn, Regen, Roth, Donau-Ries, Tischenreuth, Kronach, Cham, Miesbach, Lichtenfels und Ebersberg. Die Städte Landshut, Ansbach, Fürth, Hof und Rosenheim liegen ebenfalls über der Sieben-Tage-Inzidenz von 200 (Stand: 13. Januar).

Die Corona-Lage in Bayern wird sich also noch nicht sehr bald deutlich entspannen. Deshalb richtet Landrat Kern noch einmal einen Appell an die Bevölkerung: "Ich fordere erneut alle Bürgerinnen und Bürger auf, sich an die gültigen Kontaktbeschränkungen und Regelungen der Bayerischen Staatsregierung zu halten und auch die AHA-L-Regeln zu befolgen", sagt er. Nur so könne das exponentielle Wachstum gestoppt werden und auch die Schulen und Kitas könnten so bald wie möglich wieder öffnen.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Epidemiologe Markus Scholz
  • Landrat Bernhard Kern
  • Passauer Neue Presse: "Warten auf weitere Impfdosen"
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • Passauer Neue Presse: Landrat Kern im Neujahrsinterview
  • Internetseite des Landratsamts Berchtesgadener Land: Aktuelle Informationen zur Corona-Pandemie
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  • Jonas Mueller-Töwe
Von Jonas Mueller-Töwe
BerchtesgadenCoronavirusLockdownOberbayern

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