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"Eine neue Pandemie in der Pandemie"

"Markus Lanz" zum verlängerten Lockdown  

"Eine neue Pandemie in der Pandemie"

Eine TV-Kritik von Nina Jerzy

20.01.2021, 08:23 Uhr
. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: "Das musste aber auch dringend geschehen." (Quelle: Archivbild/imago images)

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: "Das musste aber auch dringend geschehen." (Quelle: Archivbild/imago images)

Die neue Corona-Variante sorgt für eine "Pandemie in der Pandemie", warnt Karl Lauterbach. Er begrüßt den verlängerten Lockdown. Eine Virologin kontert: Wie wäre es mal mit einem wirklich ehrgeizigen Ziel?

Sechs Prozent höhere Ansteckungsgefahr pro Tag klingt nicht dramatisch? SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach machte die Gefahr durch das mutierte Coronavirus bei "Markus Lanz" anschaulich. Ein mit dem bisherigen Covid-19-Erreger infizierter Schüler oder Lehrer könnte an einer Schule nach einem Monat etwa 30 Kinder anstecken, rechnete Lauterbach am Dienstagabend vor. Bei der britischen Variante B117 müsse hingegen mit 240 neuen Fällen gerechnet werden – und die seien zudem sehr viel infektiöser. "Der Unterschied in der Übertragbarkeit ist so gravierend, dass man fast von einem neuen Virus sprechen kann", warnte Lauterbach, "eine neue Pandemie in der Pandemie".

Hilft Corona-Impfung gegen Mutationen?

Zwar hätte sich der Epidemiologe von Bund und Ländern am Dienstag schärfere Regeln gewünscht, etwa verpflichtend nur FFP2-Masken im öffentlichen Nahverkehr und in Geschäften. Die Beschlüsse gingen aber in die richtige Richtung, sagte er: "Vom Gesamtbild her ist das schon ein wichtiger, großer Wurf. Das musste aber auch dringend geschehen."

Der SPD-Politiker empfahl, bei den Impfungen erst mal möglichst viele alte Menschen mit der ersten Dosis zu versorgen, auch, wenn die Spanne zur zweiten Immunisierung auf zwölf Wochen ausgedehnt wird. "Je länger wir die Pandemie laufen lassen für Ungeimpfte, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir ganz unterschiedliche Virenstämme haben", warnte er. Das könne irgendwann dazu führen, dass verschiedene Impfstoffe benötigt würden. Bei den Mutationen aus Südafrika und Brasilien deute sich dieses Problem bereits an.


"Die Zahlen müssen runtergeprügelt werden", meinte auch Ralph Brinkhaus (CDU), Chef der Unions-Bundestagsfraktion. "Deswegen musste da heute was geschehen." Das hätte man vielleicht schon früher erreichen können, räumte er ein, widersprach aber Lanz' Vorwürfen: "Wir sind überhaupt nicht komplett gescheitert." Stattdessen betonte er: "Eine Grundstrategie ist da" – nämlich unter anderem eine Inzidenz von 50 anpeilen, damit die Gesundheitsämter wieder Kontakte nachverfolgen können. "Wenn man das alles zusammennimmt, dann haben wir ein gutes Paket für den Sommer", versuchte Brinkhaus Optimismus zu verbreiten.

Virologin: Zero-Covid kann funktionieren

Virologin Jana Schroeder konnte hingegen keine wirklich überzeugende Strategie aus Berlin erkennen. Der immer wieder verlängerte "Kaugummi-Lockdown" bringe niemandem etwas, kritisierte die Chefärztin des Instituts für Krankenhaushygiene und Mikrobiologie der Stiftung Mathias-Spital. Statt sich bei der Ministerpräsidentenkonferenz von Termin zu Termin zu hangeln, könne die Bevölkerung mit einem klaren Ziel viel besser mitgenommen werden. Statt einer eher abstrakten Inzidenz von 50 brachte die Medizinerin eine Zielmarke von null neuen Ansteckungen ins Spiel.

Gegen die sogenannte Zero-Covid-Strategie gebe es immer die Einwände: Das funktioniert nur auf einer Insel oder einer Diktatur, schilderte Schroeder, widersprach jedoch: "Ich glaube, dass das gehen würde." Ein solch ehrgeiziges Ziel erfüllt für sie – abgesehen von der tatsächlichen Umsetzung – bereits den Selbstzweck, dass alle Maßnahmen auf einen Punkt hin ausgerichtet werden können. "Es macht infektiologisch einen Sinn, eine Vision zu haben", forderte Schroeder die Politik zu mehr Mut auf.

Verwendete Quellen:
  • "Markus Lanz" vom 19.1.2021 

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