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Corona in Deutschland: So läuft der Impfstart bei den Hausärzten

"Es wird verlässlich sein"  

So läuft der Impfstart bei den Hausärzten

06.04.2021, 07:46 Uhr | Von Sascha Meyer, dpa

Corona in Deutschland: So läuft der Impfstart bei den Hausärzten. Corona-Impfung beim Hausarzt: Bei generell bis zu 87.000 impfenden Praxen zeige sich das riesige Potenzial, Größenordnungen von mehreren Millionen Dosen pro Woche zu erreichen, heißt es bei der KBV. (Quelle: dpa/Christoph Schmidt)

Corona-Impfung beim Hausarzt: Bei generell bis zu 87.000 impfenden Praxen zeige sich das riesige Potenzial, Größenordnungen von mehreren Millionen Dosen pro Woche zu erreichen, heißt es bei der KBV. (Quelle: Christoph Schmidt/dpa)

Wer sich impfen lassen möchte, geht normalerweise zu seiner Ärztin oder seinem Arzt. So soll es nun auch in der Pandemie laufen. Doch wie genau funktioniert das, wenn Impfstoffe zunächst noch knapp sind?

Die Corona-Impfungen sollen jetzt auf breiter Front in die Fläche kommen – und die Hoffnungen auf einen Durchbruch für mehr Tempo sind groß. Nach viel Ärger über knappe Impfdosen, wackelige Lieferpläne und komplizierte Terminbuchungen rund um die Impfzentren der Länder geht nun das bundesweite Netz der Praxen an den Start. Und damit ein eingespieltes Nachschubsystem über den Großhandel und die Apotheken. In der Woche nach Ostern wollen 35.000 Hausärzte loslegen. Doch es ist ein Auftakt mit zuerst noch etwas angezogener Handbremse.

"Am kommenden Mittwoch beginnt – endlich muss man sagen – das Impfen in den Praxen", sagt der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen. "Zu den 430 Impfzentren, die wir bisher haben, kommen 35.000 weitere dazu." Es soll ein offizieller Startschuss für die zweite Phase der "Impfkampagne" sein, auch wenn mancherorts schon vorher erste Praxen mit im Spiel sind. Zu einem spontanen Ansturm gleich nach den Feiertagen soll es aber auch nicht kommen. Denn in der ersten Woche erhalten alle Praxen zusammen erst einmal 940.000 Impfdosen. Das macht rein rechnerisch nur gut 26 Dosen pro Praxis.

"Das wird noch kein großer Schritt sein, aber ein wichtiger", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Denn mit dem bundesweiten Einstieg der Praxen würden jetzt die Abläufe eingestellt, um die Impfzahlen dann in wenigen Wochen deutlich steigern zu können.

Apothekerverband: "Es wird verlässlich sein"

Die Bestellung: Immer dienstags bis 12 Uhr können die Praxen bei den Apotheken Impfdosen für die Woche darauf ordern. Anlieferung ist dann Montagnachmittag, wie die KBV erläutert – wegen Ostermontag nun am Dienstag, spätestens Mittwochmittag. Wegen des knappen Impfstoffes ist die Bestellmenge zunächst auf 18 bis 50 Dosen pro Woche begrenzt. Zu Beginn sei auch damit zu rechnen, dass es weniger ist als bestellt wurde. Die Praxen sollen aber bis Donnerstag Bescheid erhalten, was in der Folgewoche kommt, um Impftermine möglicherweise noch verlegen zu können. Dieses Logistiksystem sei "ein strenges Regime", sagte die Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, Gabriele Regina Overwiening: "Es wird verlässlich sein."

Die Auslieferung: Die Impfdosen bundesweit verteilen sollen 110 Großhandelsniederlassungen, die die 19.000 Apotheken ohnehin mehrmals am Tag beliefern. Das Präparat von Biontech/Pfizer werde "ultratiefgekühlt" bei minus 75 Grad angeliefert, erläuterte Marcus Freitag, Vize-Vorsitzender des Bundesverbands des pharmazeutischen Großhandels. Aufgetaut und unverpackt gehe der Impfstoff dann gekühlt bei 2 bis 8 Grad an die Apotheken. Da folge die "Endkonfektionierung" für die Praxen. Mitgeliefert werde immer auch Zubehör wie Spritzen, Kanülen und Kochsalzlösung zum Verdünnen. Für die Verteilung gibt es einen Schlüssel unter anderem je nach Bevölkerungsanteil der Länder.

Eine Wahl zwischen den Impfstoffen haben Patienten nicht

Die Termine: Eine zentrale Einladung gibt es nicht, erläutert das Bundesgesundheitsministerium. Wie sie Impftermine vergeben, können die Hausarztpraxen selbst regeln – zum Beispiel per Telefon oder mit Online-Buchungen. "Sie kennen ihre Patientinnen und Patienten am besten und werden diese gezielt ansprechen und mit ihnen einen Impftermin vereinbaren oder zu nicht mobilen Menschen nach Hause kommen", sagt KBV-Vize Stephan Hofmeister mit Blick auf den Start. Dies dient auch dazu, dass Corona-Risikogruppen zuerst an die Reihe kommen. Denn die generelle Priorisierung gilt auch in den Praxen, wie das Ministerium betont. Ärzte könnten jedoch vor Ort flexibler entscheiden, wer wann geimpft wird, auch um effizienter vorzugehen.

Biontech-Impfstoff: Biontech soll zuerst an die Praxen geliefert werden (Symbolbild). (Quelle: imago images/MiS)Biontech-Impfstoff: Biontech soll zuerst an die Praxen geliefert werden (Symbolbild). (Quelle: MiS/imago images)

Die Impfstoffe: In den ersten beiden Aprilwochen soll in den Praxen nur der Impfstoff von Biontech/Pfizer eingesetzt werden, wie Spahn erläuterte – denn der sei jetzt in ausreichender Menge verfügbar. Ab der Woche vom 19. April sollen dann Biontech und Astrazeneca an die Praxen gehen, danach die Impfstoffe von Biontech, Astrazeneca und Johnson & Johnson. Sich beim Arzt auszusuchen, welches Präparat man bekommen will, sei wegen des knappen Impfstoffes auch in den Praxen vorerst nicht möglich, erläutert das Gesundheitsministerium.

Gassen: "Wir müssen impfen, impfen, impfen"

Die Kosten: Pro Corona-Impfung inklusive Aufklärung und Beratung bekommen die Ärzte 20 Euro Vergütung. Die Praxen können das über die Kassenärztlichen Vereinigungen abrechnen – egal, ob für gesetzlich oder privat Versicherte. Die Kosten übernimmt der Bund und hat dafür vorerst bis zu 1,5 Milliarden Euro einkalkuliert: parallel zu steigenden Impfstofflieferungen voraussichtlich 100 Millionen Euro im April, dann 650 Millionen Euro im Mai und 730 Millionen Euro im Juni, wie aus einer Vorlage des Finanzministeriums hervorgeht.

Aufkleber im Impfpass: Die Ärzte müssen die Impfungen Dokumentieren und an das Robert Koch-Institut melden. (Quelle: imago images/xim.gs)Aufkleber im Impfpass: Die Ärzte müssen die Impfungen Dokumentieren und an das Robert Koch-Institut melden. (Quelle: xim.gs/imago images)

Die Dokumentation: Wie die regionalen Impfzentren sollen auch die Praxen Daten melden, mit denen das bundeseigene Robert Koch-Institut (RKI) das Impfgeschehen verfolgen kann. Täglich übermittelt werden muss aber nur ein "eingeschränkter Datensatz", wie die KBV erklärt: jeweils die Zahl der Erst- und Zweitimpfungen, aufgegliedert nach Impfstoffen, sowie die Zahl der geimpften über 60-Jährigen. Weitere Daten etwa zur Chargennummer sollen mit Quartalsabrechnungen erfasst werden können. Die Geimpften bekommen einen Aufkleber oder Vermerk in den Impfpass, die Ärzte notieren es wie üblich in den Patientenakten.

Die Aussichten: In den ersten Aprilwochen sind jeweils rund eine Million Dosen für Praxen vorgesehen. In der Woche vom 26. April soll es dann aber auf mehr als drei Millionen hochgehen. Daneben bekommen die Impfzentren der Länder 2,25 Millionen Dosen pro Woche. Auch das Netz kann noch wachsen, nicht nur unter den 50.000 Hausarztpraxen. Bei generell bis zu 87.000 impfenden Praxen zeige sich das riesige Potenzial, Größenordnungen von mehreren Millionen Dosen pro Woche zu erreichen, heißt es bei der KBV.

Später sollen Fachärzte, Privatärzte und Betriebsärzte dazukommen. "Wir müssen impfen, impfen, impfen", sagt Kassenärzte-Chef Gassen. "Jeder Tag zählt, damit die Gesellschaft wieder in ihr normales Leben zurückkehren kann."

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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