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Der Niedergang der CDU: Armin Laschet ist nur das Symptom


Armin Laschet ist nur das Symptom

Eine Kolumne von Christoph Schwennicke

Aktualisiert am 05.10.2021Lesedauer: 4 Min.
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Armin Laschet: Ein Ritter von der traurigen Gestalt – aber längst nicht der einzige Schuldige.
Armin Laschet: Ein Ritter von der traurigen Gestalt – aber längst nicht der einzige Schuldige. (Quelle: IPON/imago-images-bilder)
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Das Wahldesaster der CDU liegt nicht an Armin Laschet. Der Kandidat ist die Folge, nicht die Ursache eines Problems, das sich in über 20 Jahren aufgebaut hat.

Bis vor ein paar Tagen hätte man den Granden der CDU noch empfehlen können, doch einmal Rat bei Franz Müntefering einzuholen. Rat dazu, wie man einen stoppt, der am Ende eines Wahlkampfes aus zuvor aussichtsloser Lage noch ordentlich aufholt und dann doch verliert.

Der damalige SPD-Parteichef hatte 2005 dieses Problem mit seinem Kanzler. Gerhard Schröder hatte noch in der denkwürdigen Elefantenrunde Angela Merkel dafür verlacht, weil sie eine Große Koalition mit der SPD anstrebte: "Glauben Sie im Ernst, dass Sie mit meinen Sozialdemokraten ..."


Christoph Schwennicke ist Geschäftsführer der Verwertungsgesellschaft Corint Media. Er arbeitet seit mehr als 25 Jahren als politischer Journalist, unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung" und den "Spiegel". Zuletzt war er Chefredakteur und Verleger des Politmagazins "Cicero".

Großes Kino für einen Abend, aber in den darauffolgenden Tagen zunehmend peinlich. Müntefering hat die Sache dann bereinigt und Schröder abgeräumt. Es kam zur großen Koalition unter Merkel mit einem Vizekanzler Müntefering. Irgendwie drollig, dass Schröder an diesem Wochenende kundtat, er finde es von Seiten Armin Laschets "merkwürdig", auf die Idee zu kommen, "dass eine Koalition geführt werden könnte von dem deutlichen Verlierer der Wahl". Laschets Union trennte von der SPD ungefähr so viel wie Schröders SPD seinerzeit von Merkels Union. Das (jeweilige) Sein bestimmt das Bewusstsein, da hatte der alte Marx schon recht.

Inzwischen braucht die CDU aber keinen mehr, der ihnen sagt, wie das geht: einen Wahlverlierer loszuwerden. Es nimmt alles seinen Lauf, geht alles seinen Gang. Von Tag zu Tag entweicht etwas mehr Luft aus Armin Laschet, und man hat das sichere Gefühl, dass er auf einem Plattfuß die Jamaika-Koalition nicht mehr erreichen wird. "Der Traum ist aus", haben "Ton Steine Scherben" mal gesungen.

Die ganze Union, die CSU noch erbarmungsloser, führt dem eigenen Kanzlerkandidaten vor Augen: Du hast es vergeigt. Wir werden absehbar in der Opposition landen, weil du den Wahlspruch der Pfadfinder, jeden Tag eine gute Tat zu tun, ins Gegenteil verkehrt hat.

Ein Ritter von der traurigen Gestalt

Das ist zwar nicht falsch. Laschet hat einen im Grunde recht sicheren, jedenfalls gut möglichen Sieg versemmelt. Die Vorbehalte gegen ihn, dass er möglicherweise nicht über das nötige Format verfüge, erwiesen sich an zu vielen Stationen des Wahlkampfes als begründet. Er lieferte zuverlässig und fast täglich Belege dafür, dass er das ist, was viele befürchteten: ein netter Kerl. Aber auch ein Ritter von der traurigen Gestalt. Auf eine Art verströmten diesen Eindruck sogar seine Wahlplakate, von denen er uns heute noch an den Straßenrändern unsicher anlächelt, oder: versucht anzulächeln.

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Laschet hat als Kandidat schlimm gepatzt und seine Chance vertan. Aber die Wahlniederlage der Union alleine auf die schwache Performance ihres Frontmannes zurückzuführen, greift viel zu kurz. Tatsächlich hatten die Christdemokraten und -sozialen Armin Laschet auf einem Fahrrad ins Rennen geschickt, dessen Rahmen schon lange einen Riss hatte. Solche Risse sieht man kaum in einem Fahrradrahmen. Haarfein sind sie, mit bloßem Auge kaum erkennbar, und obwohl so ein Rad makellos aussehen mag, kann man es wegwerfen. Es hat jede Stabilität verloren. Abfahrten damit sind lebensgefährlich.

Im Wind des Zeitgeistes

Der Niedergang der CDU begann schon, als Gerhard Schröder Helmut Kohl 1998 als Bundeskanzler ablöste. Kohl hatte in der CDU einen muffigen Strickjackenkonservatismus hinterlassen, den keiner mehr riechen konnte. Angela Merkel (Interims-Parteichef Wolfgang Schäuble lassen wir beiseite) hat sich auch in den sieben Jahren der Opposition zu Zeiten von Rot-Grün nicht die Mühe gemacht, der Partei eine neue Programmatik, ein neues Verständnis von sich selbst zu geben. Sie nahm die CDU weiter als Karrieresurfbrett Richtung Kanzleramt, surfte immer hart am Wind des Zeitgeistes.

Wenn sie sich dabei mal verfuhr und einen eigenen Weg eingeschlagen hatte wie beim neoliberalen Parteitag in Leipzig 2003, dann korrigierte sie das schnell wieder und machte die CDU flauschig-allgemeinkompatibel. Ebenso bei der Atomkraft und der Frage der Einwanderung und der Wehrpflicht. In all diesen Fragen war ihr völlig einerlei, was für einen Standpunkt sie vorher vertreten hatte (der sich eher mit dem Selbstverständnis der Partei verband). Jede noch so radikale Wende war ihr recht, um weiter im Wind des Zeitgeistes zu segeln.

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Sie ist der David Bowie der CDU. Der hatte auch nie wirklich einen eigenen Stil, sondern kopierte und perfektionierte zugegebenermaßen den Stil der jeweiligen Zeit. Und wie das Marketing-Genie Bowie war auch Merkel höchst erfolgreich mit dieser Methode.

Für sich.

Nicht Fisch, nicht Fleisch

Vom Ende Helmut Kohls bis zum Ende der Ära Merkel: Die CDU hat sich nicht in den vergangenen drei Monaten des Wahlkampfes verloren. Sondern in den vergangenen fast 25 Jahren. Also war es auch folgerichtig, dass die Partei ohne Bild von sich selbst in einem quälend langen Prozess Armin Laschet erst zum Parteichef und dann zum Kanzlerkandidaten wählte.

Dieser Mann passte perfekt zu einer CDU ohne Form und Kontur. Laschet ist nicht Fisch, nicht Fleisch, nicht hart, nicht weich, nicht Wisch, nicht Wasch. Ein Mann ohne Eigenschaften. Nicht die Ursache, sondern die Folge des tieferliegenden Problems der CDU.

Deshalb ist es zwar ungeheuer praktisch für alle Helden von heute, diese Wahlniederlage Armin Laschet anzulasten. Aber sie haben sie selbst mit herbeigeführt. Denn die Helden im Hier und Heute waren die Feiglinge von damals. Allen voran Wolfgang Schäuble und Volker Bouffier, die als Granden am ehesten die Kraft und Macht gehabt hätten, den Verfall einer Partei ohne Eigenschaften in den Händen Angela Merkels zu beenden.

Drei Männer muss man von diesem Vorwurf ausnehmen: Friedrich Merz, Jens Spahn und Carsten Linnemann. Sie haben, in unterschiedlicher Eleganz freilich, immer wieder versucht, auf eigenes Risiko den Wesenskern der CDU vor Merkel zu schützen. Aber von den vielen Helden von heute sind ihnen dabei zu wenige gefolgt. Die meisten blieben in Deckung und knirschten dort nur mit den Zähnen.

Es geht für die CDU daher jetzt nicht bloß darum, wer als nächster Parteichef, als nächste Parteichefin gewählt wird. Oder wer in der wahrscheinlichen Opposition den einzigen sichtbaren Posten des Fraktionsvorsitzenden erhält. Es geht um die programmatische Erneuerung und Wiederbelebung einer Partei, die es seit fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr gibt.

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