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Steinmeier in Weihnachtsansprache: "Wir sind ein Land!"

Von dpa
Aktualisiert am 24.12.2021Lesedauer: 3 Min.
Bundespr├Ąsident Frank-Walter Steinmeier rief in seiner Weihnachtsansprache zum Zusammenhalt auf.
Bundespr├Ąsident Frank-Walter Steinmeier rief in seiner Weihnachtsansprache zum Zusammenhalt auf. (Quelle: Michael Sohn/AP Pool/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Zum zweiten Mal feiert Deutschland Weihnachten im Schatten der Corona-Pandemie. Angesichts der Belastungen der Gesellschaft durch die anhaltende Virus-Krise rief Bundespr├Ąsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Weihnachtsansprache zum Zusammenhalt auf.

Traditionell stark besuchte Gottesdienste an Heiligabend finden diesmal teilweise unter 2G-Bedingungen statt - also mit Zugang nur f├╝r Geimpfte und Genesene. Es gibt aber beispielsweise auch Angebote unter freiem Himmel ohne Gesundheitsnachweis.

In Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern traten heute sch├Ąrfere Corona-Regeln in Kraft. Private Zusammenk├╝nfte sind dort somit bereits an Weihnachten auch f├╝r Geimpfte und Genesene beschr├Ąnkt, und zwar auf maximal zehn Personen.

Omikron in allen Bundesl├Ąndern

Bund und L├Ąnder hatten sich am Dienstag darauf verst├Ąndigt, diese Vorgabe sp├Ątestens zum 28. Dezember einzuf├╝hren - die meisten Bundesl├Ąnder wollen dies nach Weihnachten umsetzen.

Die Corona-Zahlen in Deutschland waren zwar zuletzt gesunken. Experten bef├╝rchten wegen der ansteckenderen Omikron-Variante aber eine baldige Trendumkehr. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) rechnet mit einer gro├čen Welle zum Jahreswechsel.

Omikron wurde mittlerweile in allen Bundesl├Ąndern nachgewiesen, wie das Robert Koch-Institut (RKI) in seinem Wochenbericht schreibt. Auch wenn der ├╝berwiegende Anteil der Infektionen nach wie vor von der Delta-Variante verursacht wird, ist die Zahl der nachgewiesenen Omikron-F├Ąlle in den letzten Wochen deutlich angestiegen.

Steinmeier appelliert an Miteinander

Steinmeier mahnte vor dem Hintergrund von Auseinandersetzungen ├╝ber die Corona-Politik: "In der Demokratie m├╝ssen wir nicht alle einer Meinung sein. Aber bitte denken wir daran: Wir sind ein Land! Wir m├╝ssen uns auch nach der Pandemie noch in die Augen schauen k├Ânnen. Und wir wollen auch nach der Pandemie noch miteinander leben."

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Nat├╝rlich gebe es Streit, Unsicherheiten und ├ängste. Sie auszusprechen, daran werde niemand gehindert, sagte der Bundespr├Ąsident. "Entscheidend ist, wie wir dar├╝ber sprechen - in der Familie, im Freundeskreis, in der ├ľffentlichkeit. Wir sp├╝ren: Nach zwei Jahren macht sich Frust breit, Gereiztheit, Entfremdung und leider auch offene Aggression."

Steinmeier bedankte sich "aus vollem Herzen" bei der "gro├čen, oft stillen Mehrheit", die seit Monaten umsichtig und verantwortungsvoll handele, und appellierte an die Verantwortung des Einzelnen: "Der Staat kann sich nicht f├╝r uns die Schutzmaske aufsetzen, er kann sich auch nicht f├╝r uns impfen lassen. Nein, es kommt auf uns an, auf jeden Einzelnen!" In Gro├čbritannien rief Premierminister Boris Johnson seine Landsleute in seiner Weihnachtsansprache auf, sich vor Familientreffen auf das Coronavirus zu testen.

Besuchseinschr├Ąnkungen f├╝r Heimbewohner

In Deutschland m├╝ssen fast alle Pflegeheimbewohner nach Einsch├Ątzung des Patientensch├╝tzers Eugen Brysch an den Feiertagen strenge Besuchseinschr├Ąnkungen hinnehmen. "Vor allem spontane Besuche in den Einrichtungen sind wegen der Corona-Krise leider nur in Ausnahmef├Ąllen m├Âglich", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz der Deutschen Presse-Agentur.

Dies liege daran, dass die rund 12.000 Einrichtungen mit etwa 820.000 alten und pflegebed├╝rftigen Bewohnern die Corona-Schnelltests vor Ort selbst organisieren m├╝ssten und daf├╝r die Kapazit├Ąten fehlten. Gerade angesichts der neuen Omikron-Variante sei es aber wichtig, dass die Tests direkt vor dem Besuch und nicht mit einem gr├Â├čeren zeitlichen Abstand durchgef├╝hrt w├╝rden. Deshalb sei die Anmeldung von Angeh├Ârigen meist nur mit 24-st├╝ndiger Ank├╝ndigung im Voraus und in einem kurzen Zeitfenster m├Âglich, was weniger Besuche zur Folge habe.

Frust ├╝ber Impfkampagne

An Weihnachten j├Ąhrt sich auch der Beginn der Corona-Impfungen in Deutschland. Mit der Organisation der Kampagne ist jeder Zweite unzufrieden: In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur zeigten sich 19 Prozent der Befragten "sehr unzufrieden" und weitere 31 Prozent "eher unzufrieden" damit, wie das Impfen in den vergangenen zw├Âlf Monaten gelaufen ist. Dagegen sind nur 36 Prozent "eher zufrieden" und 7 Prozent "sehr zufrieden". Weitere 7 Prozent machten keine Angaben.

Am 26. Dezember 2020 waren ein Jahr nach dem Bekanntwerden der ersten Corona-F├Ąlle die ersten Menschen in Deutschland gegen das Virus immunisiert worden. Offiziell startete die Impfkampagne in der gesamten Europ├Ąischen Union am 27. Dezember. Seitdem sind in Deutschland 61,3 Millionen Menschen mindestens einmal geimpft worden, was 73,7 Prozent der Bev├Âlkerung ausmacht. 70,7 Prozent sind bereits zwei Mal geimpft, 35,0 Prozent sogar drei Mal. An der Impfkampagne hat es immer wieder Kritik gegeben, die unter anderem die Beschaffung von Impfstoff betraf.

Kanzler Olaf Scholz (SPD) will das Impfen ├╝ber die Weihnachtsfeiertage und den Jahreswechsel weiter vorantreiben. Er hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis zum 7. Januar 80 Prozent der Bev├Âlkerung mindestens einmal geimpft sind.

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