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Corona verschÀrft Personalmangel in Kliniken

Von dpa
Aktualisiert am 23.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Pflegerinnen und Pfleger sowie eine Ärztin kĂŒmmern sich auf der Intensivstation um einen Patienten.
Pflegerinnen und Pfleger sowie eine Ärztin kĂŒmmern sich auf der Intensivstation um einen Patienten. (Quelle: Sebastian Gollnow/dpa./dpa)
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MĂŒnchen/DĂŒsseldorf (dpa) - Die Corona-Pandemie verschĂ€rft den Mangel an Pflegepersonal in Deutschland - und KrankenhĂ€user fĂŒrchten deswegen eine schlecht umgesetzte Impfpflicht.

Die Sorge ist, dass Politik und Behörden die ab 15. MĂ€rz geltende Impfpflicht im Gesundheitswesen nicht einheitlich umsetzen. Das sagte Roland Engehausen, der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Bayerischen Krankenhausgesellschaft, der Deutschen Presse-Agentur. Denn das könnte den Wettbewerb der KrankenhĂ€user um das hĂ€nderingend gesuchte Personal noch anheizen.

Wie sehr die Corona-Pandemie den Personalmangel in der Pflege verschĂ€rft hat, legen Daten des Jobportals Stepstone nahe. Dort war die Zahl der Stellenanzeigen fĂŒr Pflegeberufe im Dezember 2021 um 85 Prozent höher als vor Beginn der Pandemie im Januar 2020. Das teilte Stepstone auf Anfrage mit. Zum Vergleich: Die Jobausschreibungen insgesamt haben auf dem Portal im selben Zeitraum um 40 Prozent zugelegt. Absolute Zahlen nannte das DĂŒsseldorfer Unternehmen nicht.

"Pandemie Personalsituation noch verschÀrft"

In einer Stellungnahme des Deutschen Berufsverbands fĂŒr Pflegeberufe (DBfK) heißt es: "Die Pandemie hat die Personalsituation und die spezifischen Belastungen noch verschĂ€rft." Auch die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) erklĂ€rte jĂŒngst, dass der Personalmangel sich in der Pandemie vergrĂ¶ĂŸert habe.

"Was nicht passieren darf, ist eine unterschiedliche Umsetzung von Einrichtung zu Einrichtung und von Gesundheitsamt zu Gesundheitsamt", sagte Engehausen. "Wenn in einer Region ein nicht geimpfter BeschĂ€ftigter ohne klar nachvollziehbare GrĂŒnde weiter arbeiten darf und in einer anderen nicht, wĂ€re das nicht gut."

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Ebenso besorgt sind die Kliniken, dass die Berliner Koalition vom Mut zur EinfĂŒhrung einer allgemeinen Impfpflicht verlassen wird: "Unsere BefĂŒrchtung ist, dass die allgemeine Impfpflicht zerredet wird, die einrichtungsbezogene Impfpflicht unklar geregelt wird, und wir wieder den Fehler machen, im Herbst nicht auf eine neue Virus-Variante vorbereitet zu sein, die nach den Erfahrungen der letzten beiden Jahre so sicher kommen dĂŒrfte wie das Amen in der Kirche", sagt Engehausen.

Impfpflicht wĂ€re fĂŒr Impfunwillige Anreiz zum Branchenwechsel

Denn sollte es bei der Impfpflicht ausschließlich im Gesundheitswesen bleiben, wĂ€re das fĂŒr Impfunwillige ein natĂŒrlicher Anreiz zum Branchenwechsel. Weltweit beflĂŒgelt die Pandemie die Bereitschaft unzufriedener Arbeitnehmer, sich neue Herausforderungen zu suchen. Im englischen Sprachraum gibt es dafĂŒr bereits den Begriff der "great resignation". Nicht Resignation ist gemeint, sondern KĂŒndigung von Seiten der Arbeitnehmer.

Portale wie Stepstone beobachten das auch - und besonders in den Pflegeberufen. Im Dezember und Januar gaben in einer aktuellen Untersuchung 42 Prozent der BeschÀftigten in der Pflege an, dass sie auf der Suche nach einem neuen Job seien. Insgesamt befragt wurden laut Stepstone 12.600 Menschen.

Das gilt aber auch ganz allgemein: Im Januar lag die Anzahl der Jobsuchen auf Stepstone.de demnach um mehr als die HÀlfte höher als im Tagesdurchschnitt des vergangenen Jahres.

"Wir erleben am Arbeitsmarkt gerade eine Zeitenwende", sagt Stepstone-Chef Sebastian Dettmers. "Die Herausforderung heißt ab sofort nicht mehr Arbeitslosigkeit, sondern Arbeiterlosigkeit." Gerade im Pflegebereich sei das schon RealitĂ€t.

Nach den Daten der Bundesagentur fĂŒr Arbeit sind die dort gemeldeten offenen Stellen in den Pflegeberufen seit Beginn der Pandemie von Dezember 2019 bis Dezember 2021 zwar leicht zurĂŒckgegangen - von 39.166 auf 38.232. Doch das wertet die BA selbst nicht als Indiz fĂŒr gesunkenen Bedarf. "Ein RĂŒckgang der gemeldeten Arbeitsstellen in der BA-Statistik bedeutet in dem Fall nicht, dass weniger ArbeitskrĂ€fte im Pflegebereich gesucht werden", erlĂ€utert eine Sprecherin. Die Fachleute der BA gehen davon aus, dass ihnen nicht alle offenen Stellen gemeldet werden.

FragwĂŒrdige Jobanzeigen ungeimpfter Pfleger

Unterdessen gibt es in einigen Tageszeitungen auffallend viele und sehr Ă€hnliche Jobanzeigen angeblich ungeimpfter PflegekrĂ€fte. Sie legen den Verdacht nahe, dass es sich zumindest teilweise um Falsch-Anzeigen beziehungsweise abgesprochene Aktionen von Gegnern der Corona-Impfung handeln könnte. Am Wochenende berichteten der "FrĂ€nkische Tag" (Bamberg) und der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) ĂŒber auffallend viele solcher Jobanzeigen.

In der Zeitung in Bamberg seien es mehr als 50 Anzeigen am Samstag gewesen. "Diese HÀufung von sich Àhnelnden Inseraten ist ungewöhnlich. Das wirkte auf den ersten Blick fast wie abgesprochen", sagte Gerhard Staudt, Teamleiter des Auftragsmanagements der Mediengruppe Oberfranken.

Ein RBB-Jornalist entdeckte "mehr als 100 vermeintliche Stellengesuche in einem Bautzener Anzeigenblatt" und versuchte bei einigen unter den angegebenen Telefonnummern jemand zu erreichen. Der Journalist Andreas Rausch schreibt, dass manche Nummern unvollstÀndig oder wie die "0160-1234567890" nicht vergeben seien, oder es gehe niemand ans Telefon. Bei allen 18 Stichproben habe er mit niemanden sprechen können.

Sehr wahrscheinlich authentisch sind Stellengesuche auf Ebay Kleinanzeigen, da die Betreffenden ihre Gesuche dort mit Kontaktdaten und hÀufig auch mit Foto aufgeben. Am Freitag waren dort gut 500 Annoncen von Krankenpflegerinnen und -pflegern aus ganz Deutschland zu finden, 35 mit dem zusÀtzlichen Suchbegriff "ungeimpft".

"Die aktuelle Debatte zeigt, wie dĂŒnn die Personaldecke in der Pflege ist, sagt Christel Bienstein, die PrĂ€sident des Pflegeberuf-Verbands. "Die Politik sollte daraus den Schluss ziehen, dass die VersĂ€umnisse zu ernsthaften VersorgungsengpĂ€ssen fĂŒhren." So fordert der DBfK bedarfsgerechte Analyse des Personalbedarfs und Maßnahmen zur Sofortgewinnung zusĂ€tzlicher PflegekrĂ€fte ebenso wie zu deren langfristiger Bindung.

Und bei der Bayerischen Krankenhausgesellschaft wirbt GeschĂ€ftsfĂŒhrer Engehausen: "Nahezu kein anderer Beruf hat solche Zukunftsperspektiven und so kontinuierlich steigende GehĂ€lter."

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