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BND rekrutierte gezielt NS-Verbrecher


"Hat sich keiner reingeschlichen"
Studie: BND rekrutierte gezielt NS-Verbrecher

Von t-online, mm

Aktualisiert am 10.10.2022Lesedauer: 2 Min.
Hauptsitz des Bundesnachrichtendiensts in Berlin: Bei den Verantwortlichen habe es offenbar keinerlei Unrechtsbewusstsein gegeben.Vergrößern des BildesHauptsitz des Bundesnachrichtendiensts in Berlin: Bei den Verantwortlichen habe es offenbar keinerlei Unrechtsbewusstsein gegeben. (Quelle: Christoph Hardt/imago-images-bilder)
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10 bis 20 Prozent späterer BND-Mitarbeiter sollen aktiver Teil der NS-Sicherheitsbehörden gewesen sein. Eine neue Studie belastet auch Ex-Kanzler Adenauer.

Helmut Schreiber gehörte dem Führungsstab der SS-Division "Das Reich" an. Er war in der Totenkopfstandarte 9 im Konzentrationslager Buchenwald im Einsatz, genauso wie in Polen und bei der Einsatzgruppe B der Sicherheitspolizei und der SD in der Sowjetunion. Schreiber war mitverantwortlich für eines der größten Kriegsverbrechen im besetzten Frankreich, dem Massaker von Oradour-sur-Glane im Juni 1944 – 642 Menschen wurden damals ermordet. Und von 1957 bis 1980 war Schreiber Mitglied des Bundesnachrichtendients.

Die Anstellung von Helmut Schreiber beim BND war kein Einzelfall. Das geht aus einer Studie des Historikers Gerhard Sälter hervor, über die die "Tagesschau" berichtet. Zur Untersuchung der Geschichte des BND zwischen 1945 und 1968 durfte der Forscher erstmals zuvor geheim gehaltene Unterlagen aus dem Behördenarchivs einsehen. Das Ergebnis: 10 bis 20 Prozent der BND-Mitarbeiter habe sich aktiv und zum Teil auch leitend an Mordaktionen beteiligt.

"Da hat sich keiner reingeschlichen, sondern man hatte eine Leitung, die die einfach gewollt hat", resümiert Sälter dem Bericht zufolge. Ein Unrechtsbewusstsein habe demnach völlig gefehlt: "Da gab es kein Bewusstsein davon, dass es nicht in Ordnung war, Millionen von Juden zu töten oder Massaker in nahezu jedem europäischen Land anzurichten", heißt es weiter. "Das kam einfach gar nicht vor."

Kanzleramt ließ BND-Chef Gehlen gewähren

Gezielt angeworben wurden viele ehemalige SS- und Gestapo-Leute von Reinhard Gehlen, BND-Chef von 1956 bis 1968. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Gehlen die nach im benannte Organisation Gehlen mit dem Einverständnis der US-amerikanischen Besatzungsmacht aufgebaut, später ging aus ihr der BND hervor. Früher selbst Generalstäbler der Wehrmacht, habe Gehlen nach und nach immer mehr ehemalige Mitarbeiter der NS-Sicherheitsbehörden eingestellt.

Sowohl die US-Amerikaner als auch Bundeskanzler Konrad Adenauer ließen ihn gewähren, sagt Sälter. Nachdem der BND im Jahr 1956 zur Bundesbehörde wurde, habe Gehlen entsprechende Vorwürfe kategorisch zurückgewiesen. Es seien nur "ein Prozent, alle entnazifiziert, alle überprüft und alle ok, was vier Lügen sind", wird der Historiker zitiert. Das Kanzleramt habe sich mit dieser Erklärung zufriedengegeben.

Erst im April hatte eine Studie des Historikers Klaus-Dietmar Henke für Aufsehen gesorgt, weil sie die gesetzteswidrige Inlandsspionage des BND nach 1953 dokumentierte. Für die Zukunft wünscht sich Sälter dem "Tagesschau"-Bericht zufolge, dass auch andere Wissenschaftler Zugang zu den brisanten Unterlagen bekämen. Nur so könnten weitere Defizite geheimdienstlicher Tätigkeiten aufgearbeitet werden.

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