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Generalbundesanwalt übernimmt Ermittlungen nach Messerangriff von Mannheim


Tödliche Attacke in Mannheim
Generalbundesanwalt übernimmt Ermittlungen nach Messermord

Von dpa, t-online
Aktualisiert am 03.06.2024Lesedauer: 3 Min.
Der Messermord von Mannheim erschüttert Deutschland.Vergrößern des BildesDer Messermord von Mannheim erschüttert Deutschland. (Quelle: Screenshot Telegram)
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Nach der Messerattacke in Mannheim hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen.

Im Fall der tödlichen Messerattacke in Mannheim hat die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Die oberste deutsche Anklagebehörde in Karlsruhe begründete dies mit der "besonderen Bedeutung des Falls". "Wir gehen von einer religiösen Motivation der Tat aus", sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Zuerst hatte der "Spiegel" darüber berichtet. Die Sprecherin führte aus, man gehe davon aus, dass der Mann islamkritischen Menschen ihr Recht auf freie Meinungsäußerung absprechen wollte.

Ein 25-Jähriger hatte am vergangenen Freitag mehrere Menschen bei einer Veranstaltung der islamkritischen Bewegung Pax Europa (BPE) in der Mannheimer Innenstadt attackiert. Ein Polizist wurde dabei mit Messerstichen lebensgefährlich verletzt und erlag später seinen Verletzungen im Krankenhaus.

Wohnung durchsucht

Fünf weitere Männer, darunter BPE-Vorstandsmitglied Michael Stürzenberger, waren im Zuge der Attacke ebenfalls verletzt worden. Der mutmaßliche Täter, ein afghanischer Staatsbürger, war von einem weiteren Polizisten angeschossen worden. Er soll sich seit 2013 in Deutschland befunden haben und in Hessen wohnen.

Ermittler hatten seine Wohnung in Heppenheim bereits wenige Stunden nach der Tat am Freitagabend durchsucht. Dabei wurden auch elektronische Datenträger sichergestellt. Der 25-Jährige war polizeilich bisher nicht bekannt.

Auf die Frage, ob die Messerattacke womöglich Auswirkungen auf die Sicherheitsvorkehrungen für die Fußball-Europameisterschaft haben werde, antwortete ein Sprecher des Bundesinnenministeriums in Berlin, die Sicherheit habe bei der EM natürlich höchste Priorität. Bund und Länder bereiteten sich deshalb intensiv vor, um diese gewährleisten zu können. "Selbstverständlich ist es immer so, dass lageabhängig Maßnahmen geprüft werden", fügte er hinzu.

Hinweisportal eingerichtet

Die Ermittler bitten um Mithilfe von Zeugen. Bild- oder Videoaufnahmen seien von Interesse, teilten Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt Baden-Württemberg mit. Die Behörden versprechen sich davon mehr Erkenntnisse dazu, wo genau auf dem Marktplatz sich der 25-jährige Täter kurz vor der Attacke am vergangenen Freitag aufgehalten und was er in der Zeit gemacht hat. Videos und Bilder könnten über ein Hinweisportal der Polizei übermittelt werden.

Nach dem Tod eines jungen Polizisten ist die Anteilnahme groß: Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU) ordnete eine Schweigeminute und Trauerflor an. Die Polizisten in Mannheim wollen bei einer Trauerfeier Abschied von ihrem Kollegen nehmen. Unterdessen bemühen sich die Ermittler, mehr über das Motiv des Angreifers herauszufinden, der nach Angaben aus Sicherheitskreisen zuvor weder als Straftäter noch als Extremist aufgefallen war.

Im Bundesinnenministerium wird über Wege nachgedacht, Straftäter nach Afghanistan abzuschieben. "Bundesinnenministerin Nancy Faeser lässt intensiv Möglichkeiten prüfen, wie Abschiebungen von Straftätern und Gefährdern nach Afghanistan wieder erfolgen können", erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Montagabend aus Ministeriumskreisen.

"In diesen Fällen muss das Sicherheitsinteresse Deutschlands klar gegenüber dem Bleibeinteresse des Betroffenen überwiegen", hieß es weiter. "Auch die Wiederermöglichung der Rückführung von Syrern, die schwere Straftaten begehen oder als Gefährder eingestuft sind, wird geprüft." Zugleich wird aber vor Illusionen gewarnt. Denn angesichts der schwierigen Sicherheitslage und der Tatsache, dass keine international anerkannte Regierung in Afghanistan existiere, seien dabei schwierige Fragen zu klären. Weitere Reaktionen auf den Messerangriff lesen Sie hier.

Mögliche Haftstrafe in Deutschland

Am kommenden Freitag – eine Woche nach der Tat – soll um 11.34 Uhr des 29-Jährigen gedacht werden, teilte das Innenministerium mit. Wann die Trauerfeier stattfinden soll, stehe bisher nicht fest, sagte ein Polizeisprecher. Man wolle zunächst der Familie Raum zum Trauern geben. "Wir brauchen noch etwas Zeit." Am Abend fand in Mannheim in Tatortnähe eine Kundgebung statt, bei der auch Blumen niedergelegt wurden. Laut Polizei beteiligten sich 8.000 Menschen.

Ab sofort und bis zum Tag der Beisetzung des Polizisten soll an allen Streifenwagen der Polizei Baden-Württemberg Trauerflor angebracht werden. Auf Polizeibooten der Wasserschutzpolizei sei die Flagge auf Halbstock zu setzen, die Beflaggung an Dienstgebäuden der Polizei und des Innenministeriums seien auf halbmast gesetzt. Auch die Dienstfahrzeuge der Bundespolizei bundesweit fahren als Zeichen der Anteilnahme mit Trauerflor. In Mannheim und Stuttgart wurde auch Trauerbeflaggung angeordnet.

Eine mögliche Haftstrafe müsste der Mannheimer Täter in Deutschland verbüßen. Ob und wann ein ausländischer Straftäter nach Verbüßung der Haftstrafe abgeschoben wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von der Situation in seinem Herkunftsland zum Zeitpunkt der Haftentlassung.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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