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Gender-Verbot von Markus Söder? "Das ist mehr als inkonsequent"


Wo Söder recht hat


Aktualisiert am 06.12.2023Lesedauer: 1 Min.
Interview
Was ist ein Pro & Kontra?

Die subjektive Sicht zweier Autoren auf ein Thema. Niemand muss diese Meinungen übernehmen, aber sie können zum Nachdenken anregen.

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Reaktionen auf Rede: Söder trifft klare Aussagen im bayerischen Landtag. (Quelle: dpa)

Markus Söder hat angekündigt, in bayerischen Schulen und Behörden das Gendern verbieten zu wollen. Aber ist dieser Schritt richtig?

In Bayern soll das Gendern an Schulen und in Behörden künftig verboten werden. Ministerpräsident Markus Söder kündigte am Dienstag an: "Für Bayern kann ich sagen: Mit uns wird es kein verpflichtendes Gendern geben. Im Gegenteil: Wir werden das Gendern in Schule und Verwaltung sogar untersagen". Mehr dazu lesen Sie hier.

Ist dieses Verbot richtig?

Pro
Christoph SchwennickeBereichsleiter Exklusiv

Schaden groß, Nutzen klein

Markus Söder und übrigens auch die neue Groko von Ministerpräsident Boris Rhein in Hessen haben recht, wenn sie sich gegen das Gendern im Amtsdeutsch aussprechen und es dort auch nicht lesen wollen.

Sprache ist wie Musik ein hohes Kulturgut. Sie in ihrem Reichtum bei Menschen zu erleben, die virtuos mit ihr umgehen, ist ein sinnliches Erlebnis. Goethes "Faust" gleicht beim Lesen einer Symphonie des Wortes. Klang, Melodie und Bedeutung der Worte verschmelzen und erzeugen bei Sinn für diese Schönheit Hochgenuss. In jeder dritten Zeile wartet ein Paukenschlag. Marlen Haushofers "Wand", die Gedichte von Jakob van Hoddis, die Bücher von Peter Sloterdijk: Bei ihnen allen wird die deutsche Sprache erotisch.

Das Gendern aber macht aus dieser Fülle des Wohllauts einen seelenlosen, zerhackten Geröllhaufen von Worten. Bringt die Sprache um ihre Kraft. Kastriert sie, verhunzt sie, entstellt sie, macht sie hässlich und kompliziert. Der angestrebte Nutzen des Gutgemeinten steht dabei in keinem Verhältnis zum Schaden.

Das Amt ist nicht der natürliche Ort, an dem sich Sprache zu ihren höchsten Höhen aufschwingt. Aber die Ministerpräsidenten können (und wollen) ihren Einfluss nur in dem Bereich geltend machen, über den sie verfügen.

Selbstverständlich kann und darf jede und jeder in den Fußgängerzonen und Kneipen von München und Wiesbaden weiter gendern, wie sie alle lustig sind. Aber es soll niemand müssen. Auch nicht in den Amtsstuben. Richtig so.

Kontra
Charlotta SiemerRedakteurin Politik, Wirtschaft und Gesellschaft

Das ist mehr als inkonsequent

Ein Gebot fürs Gendern gibt es nicht, und das weiß auch Markus Söder – auch wenn er insbesondere den Grünen regelmäßig vorwirft, ein solches einführen zu wollen. Selbstverständlich liegt es innerhalb seiner Kompetenzen, ein Gender-Verbot einzuführen. Allerdings handelt er damit mehr als inkonsequent.

Im Februar schrieb der bayerische Ministerpräsident beispielsweise bei X (vormals Twitter): "Die Grünen wollen ein Fleischverbot, ein Böllerverbot und Sprachverbote. Wir stehen für leben und leben lassen."

Das angeprangerte Sprachverbot führt Söder jetzt aber selbst ein. "Leben und leben lassen" scheint zumindest in bayerischen Schulen und der Verwaltung nicht mehr das Motto der CSU zu sein. Ansonsten könnten die Menschen dort das Gendern nämlich so handhaben, wie sie wollen.

Dass die AfD zu Söders Ankündigung noch Beifall klatscht und es als "AfD-Wahlprogramm pur" bezeichnet, zeigt umso deutlicher: Ein Gender-Verbot ist Populismus und spielt lediglich den politischen Akteuren in die Karten, die Söder vor einem Monat noch als "Kernfeinde unserer Demokratie" bezeichnet hat. Dass dieses Vorgehen gefährlich ist, sollte spätestens beim Blick auf die steigenden Umfragewerte der AfD deutlich werden.

Söder sollte sich daher lieber um die wirklichen Probleme in Bayern kümmern: Für die Wählerinnen und Wähler sind das nach einer Umfrage im September Migration, Energiepolitik und der Klimawandel.

 
 
 
 
 
 
 

Um Gendersprache und die Frage, ob man seine freie Meinung überhaupt noch öffentlich äußern kann, diskutieren hier t-online-Chefredakteur Florian Harms und Daniel Bax von den neuen deutschen Medienmacher*innen im Podcast:

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