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Markus Söder in Corona-Krise: Plötzlich ist CSU-Chef überall – und das ist kein Zufall

CSU-Chef als Krisenmanager  

"Söder muss aufpassen, dass er den Bogen nicht überspannt"

28.04.2020, 10:24 Uhr | Marco Hadem und Christoph Trost, dpa

Corona-Krise: Söder spricht über Einschränkungen

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat verraten, wie er sich die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in der Corona-Krise derzeit vorstellt. (Quelle: Reuters)

Regional differenziert: So äußerte sich Markus Söder zuletzt über Verkaufsverbote und Einschränkungen des öffentlichen Lebens. (Quelle: Reuters)


Er ist der präsenteste Politiker der Corona-Krise: Markus Söder gibt unzählige Interviews und hat dabei immer eine klare Botschaft parat. Manche Stimmen sehen sein Auftreten jedoch kritisch.

Je länger die Pressekonferenz von CSU-Parteichef Markus Söder dauerte, desto mehr kämpfte er mit seiner Stimme. Manche Sätze zur Corona-Krise kommen nur noch abgehackt, holprig und kratzig über seine Lippen. Es kostete den bayerischen Ministerpräsidenten am Montag hörbar Kraft, auf alle Fragen zu antworten.

Am Nachmittag sagte er sogar ein Radiointerview ab. Seine Sprecher in Partei und Staatskanzlei sahen sich sofort mit vielen Anfragen konfrontiert. Doch Söder ist nicht krank: Der 53-Jährige leidet lediglich an einer Birkenpollenallergie.

Wenn Söder fehlt, fällt das auf. Der CSU-Chef scheint in diesen Corona-Wochen in den Medien fast allgegenwärtig: in Zeitungen, Radio, Fernsehen, Internetportalen, Podcasts, sozialen Netzwerken und selbst People-Magazinen. Söders mediale Strategie setzt nicht nur auf klare Botschaften, sondern auch auf Masse. Praktisch täglich, auch mehrmals hintereinander auf verschiedenen Kanälen erreichen die Menschen in Deutschland Söders Aussagen: Lockerungen kann es nur langsam und schrittweise geben; auch wenn es schwerfällt, ist die Krise ein Charaktertest; die Folgen der Krise werden Deutschland noch lange beschäftigten.

Übertreibt es Söder mit der Allgegenwart?

Keine Frage, Söder gehört bundesweit derzeit zu den gefragtesten Politikern, täglich prasseln zig Anfragen auf seine Sprecher in Parteizentrale und Staatskanzlei ein. Und mediale Präsenz war schon immer ein wesentlicher Baustein in Söders Strategie. Doch längst mehren sich hinter den Kulissen auch in seinem Umfeld kritische Stimmen, die in der "Omnipräsenz" ein Zu-viel-des-Guten sehen: "Man kann den Eindruck gewinnen, dass ohne Söder in der Corona-Krise kaum was los wäre", heißt es etwa. Oder: "Er muss aufpassen, dass er am Ende nicht den Bogen überspannt."

Denn die Interviews sind ja nur das i-Tüpfelchen. Lange Pressekonferenzen nach Kabinettssitzungen oder Konferenzen von Bund und Ländern, Koalitionsdebatten in Berlin bis tief in die Nacht, Osteransprache, Regierungserklärungen im Landtag und so weiter: Während sich ganz Deutschland in der Corona-Krise möglichst viel zu Hause aufhalten soll, kennt Söders Krisenmanagement keine Pausen.

Söder besetzt mehrere wichtige Spitzenposten

Das liegt natürlich auch an seinem spezifischen politischen Gewicht. Als CSU-Chef bestimmt er in Berlin den Kurs der großen Koalition mit, als Ministerpräsident ist er verantwortlich für das Krisenmanagement in dem von der Krise besonders betroffenen Bayern, und als Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz muss er mit Kanzlerin Angela Merkel das Miteinander von Bund und Ländern koordinieren – das nächste Mal am Donnerstag.

Markus Söder (CSU, v.l.n.r.), Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken (beide SPD): Söder gelingt es am besten, sich als Parteivorsitzender Gehör zu verschaffen. (Quelle: dpa/Markus Schreiber/AP POOL)Markus Söder (CSU, v.l.n.r.), Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken (beide SPD): Söder gelingt es am besten, sich als Parteivorsitzender Gehör zu verschaffen. (Quelle: Markus Schreiber/AP POOL/dpa)

Söder selbst bezeichnet diese Zeit gern als eine noch nie da gewesene Herausforderung. Seit Wochen arbeitet er täglich von früh morgens bis Mitternacht. Der Osterurlaub wurde ebenso gestrichen wie geplante dienstliche Auslandsreisen.

Sogar die Kanzlerin hat der CSU-Chef abgehängt

Bislang scheint sich Söders Strategie für ihn persönlich mehr als auszuzahlen: Bundesweit genießt er höchste Zustimmungswerte. In einer Insa-Umfrage für den "Focus" ließ er zuletzt sogar Merkel hinter sich. Glaubt man den Meinungsforschern, darf die CSU in Bayern sogar wieder von Werten knapp unterhalb der 50-Prozent-Marke träumen.

Doch Söders Zustimmungswerte haben auch Schattenseiten. Sein Koalitionspartner in Bayern, die Freien Wähler, sieht seine Felle davonschwimmen, zuletzt hing der Haussegen oft schief. Noch eine Baustelle für Söder, solang die Stimme hält.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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