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Plagiate in Giffeys Masterarbeit: "An Dreistigkeit nicht zu überbieten"


"An Dreistigkeit nicht zu überbieten"

  • Annika Leister
Von Annika Leister

Aktualisiert am 21.08.2021Lesedauer: 3 Min.
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Ex-Ministerin Franziska Giffey: Sie sagt, sie habe ihre Arbeit "nach bestem Wissen und Gewissen" verfasst. Nicht nur die AfD bezweifelt das.
Ex-Ministerin Franziska Giffey: Sie sagt, sie habe ihre Arbeit "nach bestem Wissen und Gewissen" verfasst. Nicht nur die AfD bezweifelt das. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa-bilder)
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Franziska Giffey hat auch in ihrer Masterarbeit massiv plagiiert. Ihre Fachhochschule will die Arbeit nicht erneut prüfen. Experten und Politiker fordern Konsequenzen für ihre Spitzenkandidatur in Berlin.

Mehr als 60 Plagiate haben Forscher der Freien Universität Berlin rund um Professor Anatol Stefanowitsch in der Masterarbeit der Berliner SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey gefunden. Auch Plagiatsgutachter Martin Heidingsfelder, Gründer von Vroniplag, wertet die von t-online vorab veröffentlichten Auszüge als "eindeutig". "Das sind klare Plagiate, das sind wörtliche Übernahmen auf unheimlich vielen Seiten, die nicht gekennzeichnet sind", sagte er t-online. Giffey habe ganze Passagen "eiskalt" abgeschrieben. "Das ist an Dreistigkeit nicht zu überbieten."


Diese Plagiate fanden Forscher in Giffeys Masterarbeit

Mehr als 60 Stellen haben Berliner Forscher in der Masterarbeit von Franziska Giffey gefunden, die sie als Plagiate einschätzen. t-online dokumentiert Auszüge aus der Plagiatprüfung. Blaue, grüne und rosa Markierungen zeigen Stellen an, die fast oder ganz wörtlich übernommen wurden, ohne entsprechend gekennzeichnet zu sein. Unterschiedliche Farben dienen lediglich zur besseren Zuordnung gestückelter Passagen.
Mehr als 60 Stellen haben Berliner Forscher in der Masterarbeit von Franziska Giffey gefunden, die sie als Plagiate einschätzen. t-online dokumentiert Auszüge aus der Plagiatprüfung. Blaue, grüne und rosa Markierungen zeigen Stellen an, die fast oder ganz wörtlich übernommen wurden, ohne entsprechend gekennzeichnet zu sein. Unterschiedliche Farben dienen lediglich zur besseren Zuordnung gestückelter Passagen.
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Wären die Plagiate bereits bei der Abgabe der Masterarbeit an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege – heute Hochschule für Wirtschaft und Recht – aufgefallen, hätte Giffey den Masterabschluss nicht erhalten, ist sich Heidingsfelder sicher. "Wer so massiv und so offensichtlich abschreibt, der hat nicht verdient, einen Studienabschluss zu bekommen – geschweige denn Regierende Bürgermeisterin von Berlin zu werden."

Ausdrücklich lobt Heidingsfelder die Arbeit von Stefanowitschs Team und den übersichtlichen Textvergleich, den es erarbeitet hat. Die von t-online vorab gezeigten Auszüge aus der Dokumentation seien sauber aufgearbeitet und zeigten anschaulich, wie gravierend die Verstöße seien. "Solche Professoren braucht das Land!"

Insgesamt müsse sich die Wissenschaft mit Blick auf zahlreiche Plagiatsfälle "ehrlich machen", fordert Heidingsfelder. Nicht jeder, der studiere, habe einen Abschluss verdient. Das gelte es anzuerkennen – und daraus gelte es, endlich Konsequenzen zu ziehen.

Auch in der Berliner Landespolitik mehren sich die kritischen Stimmen, oft aber noch hinter vorgehaltener Hand. Die SPD ist derzeit gleichauf mit den Grünen stärkste Kraft in Umfragen bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus im September. Die SPD ist für fast alle Parteien im Parlament möglicher Koalitionspartner.

Fachhochschule: Erneute Prüfung ausgeschlossen

Monika Herrmann, weit über ihren Bezirk hinaus bekannte Grünen-Bürgermeisterin des Berliner Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, macht ihrer Wut trotzdem Luft: "Wie eine Gouvernante maßregelt sie (Giffey, Anm. der Redaktion) gerne Menschen und Lebensentwürfe – nur bei sich selbst und der eigenen Partei gelten immer wieder andere Maßstäbe", twitterte Herrmann.

Auch Eva Marie Plonske, Sprecherin für Wissenschaft und Forschung in der Grünen-Fraktion, twitterte: "Krass." Prüfung und Transparenz seien in Giffeys Fall nun angezeigt. "Es darf nicht wieder zu so einer Hängepartie wie bei der Dissertation kommen." Berlin habe als Wissenschaftsstadt einen Ruf zu verlieren – und die Politik, so Plonske weiter, auch.

Die Freie Universität hatte Giffey für ihre Dissertation bereits im Oktober 2019 eine Rüge erteilt, ihr den Doktortitel aber erst nach langem Hin und Her im Juni dieses Jahres wegen "Täuschung über die Eigenständigkeit ihrer wissenschaftlichen Leistung" aberkannt.

An der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) soll Giffeys Masterarbeit nicht erneut geprüft werden. Die Fachhochschule teilte am Freitag auf Nachfrage mit: "Eine solche Überprüfung ist nach einer Frist von fünf Jahren ab dem Datum des Zeugnisses ausgeschlossen."

AfD fordert Ende von Giffeys Spitzenkandidatur

Professor Stefanowitsch und Plagiatsprüfer Heidingsfelder kommen unterdessen zu dem gleichen Ergebnis: Angesichts der flächendeckenden Verstöße gegen wissenschaftliche Zitierregeln sei es so gut wie unmöglich, dass der Verfasserin nicht bewusst war, was sie tat.

Für Martin Trefzer, wissenschaftspolitischer Sprecher der Berliner AfD-Fraktion, ist eine Prüfung der Arbeit durch die Fachhochschule deswegen gar nicht mehr nötig. Die Beweise seien erdrückend, es sei deutlich ein Muster erkennbar. "Das sind gezielte Plagiate, das ist überdeutlich. Aus meiner Sicht ist Franziska Giffey als Wiederholungstäterin überführt." Besonders "dreist" findet Trefzer, dass Giffey nun erneut behaupte, sie habe nicht mit Vorsatz gehandelt.

"Sie hat vorsätzlich getrickst und getäuscht", sagt Trefzer und fordert Giffey auf, sich als Spitzenkandidatin aus dem Berliner Wahlkampf zurückzuziehen. Als Regierende Bürgermeisterin sei sie "charakterlich ungeeignet", keinesfalls dürfe sie sich nun ins Amt der Regierenden Bürgermeisterin "schwindeln".

Giffey ließ t-online über ihre Anwälte auf Nachfrage mitteilen, sie habe die Arbeit "nach bestem Wissen und Gewissen" verfasst. Eventuelle Fehler bei der Zitatform seien "auf Flüchtigkeit" zurückzuführen.

Warum die zahlreichen Plagiate, die Stefanowitsch in Giffeys Arbeit feststellte, nicht bereits bei Abgabe der Arbeit auffielen, kann Giffeys ehemalige Fachhochschule nicht beantworten. "Es entzieht sich unserer Kenntnis, warum mögliche Verstöße nicht aufgefallen sein könnten", teilte sie t-online mit. Studierende stünden grundsätzlich nicht unter Generalverdacht, die von Stefanowitsch "offenbar genutzten modernen technischen Methoden" hätten vor über 15 Jahren nicht zur Verfügung gestanden.

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherchen
  • Bericht von Stefanowitsch und Kollegen: herzenssache-wissenschaft.de
  • Gespräche mit Martin Heidingsfelder, Martin Trefzer
  • Antwort der HWR Berlin auf t-online-Anfrage
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