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Tagesanbruch: Asyl-Missbrauch, Löws Team macht sich bereit, 30 Jahre Krieg

MEINUNGTagesanbruch  

Was heute Morgen wichtig ist

von Florian Harms

23.05.2018, 06:04 Uhr

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

hier ist der kommentierte Überblick über die Themen des Tages:

WAS WAR?

Was war da los in der Bremer Außenstelle des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge? Bestürzend, wie lange Hinweise auf Hunderte anscheinend fehlerhafte Asylbescheide unbeachtet blieben. Schlamperei, Unvermögen, Überlastung – oder doch Absicht? Die Anzeichen für kriminelle Manipulationen mehren sich.

Auch die Zentrale des Bundesamtes in Nürnberg gerät immer stärker ins Zwielicht. Warum griff sie nicht viel früher in Bremen ein? Gegen die Präsidentin des Amtes ermittelt nun offenbar die Staatsanwaltschaft. Eines Amtes übrigens, das schon vor der Flüchtlingskrise von der Politik vernachlässigt und andauernd mit neuen Aufgaben überfordert wurde.

Innenminister Seehofer verspricht jetzt schnelle und vollständige Aufklärung. Die ist bitter nötig. Wer das Vertrauen der Bürger in die Zuverlässigkeit staatlicher Institutionen enttäuscht, untergräbt einen Stützpfeiler unserer Gesellschaft.

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WAS STEHT AN?

Dreissigjaehriger Krieg - Prager Fenstersturz - kolorierter Stich nach Merian (Quelle: ullstein bild)1618: "Der Prager Fenstersturz" (Quelle: ullstein bild)


Stellen Sie sich vor, Sie leben in Mecklenburg, Thüringen, der Pfalz oder Württemberg und ein Krieg bricht aus. 30 Jahre später sind mehr als die Hälfte aller Menschen tot, in einigen Regionen sogar mehr als zwei Drittel: erschlagen, zu Tode gefoltert, verhungert, dahingerafft von Seuchen. Und als die Mächtigen endlich Frieden schließen, wird dieser in vielen Landstrichen gar nicht gefeiert. Weil niemand mehr da ist, der ihn feiern könnte.

So geschehen im Dreißigjährigen Krieg. Millionen Menschen fielen dem Gemetzel zwischen 1618 und 1648 zum Opfer. Begonnen hat diese Katastrophe exakt heute vor 400 Jahren in Böhmen, als protestantische Adelige in Prag zwei Statthalter des katholischen Königs wutentbrannt aus dem Fenster warfen.

Im Gespräch mit meinem Kollegen Marc von Lüpke erklärt der Historiker Peter H. Wilson von der University of Oxford, wie diese Rebellion ein europäisches Inferno entfachen konnte, das keine der beteiligten Parteien so gewollt hatte. Womit der Ablauf dieses Krieges übrigens zugleich als Lehrstück für unsere Gegenwart taugt. Das Interview lesen Sie heute Mittag auf unserer Seite.

Und wenn Sie mehr dazu lesen wollen: In diesen Tagen liegen viele dicke Wälzer über den Dreißigjährigen Krieg in den Buchhandlungen. Aber am meisten beeindruckt mich immer noch Günter Grass' fast 40 Jahre alter Roman "Das Treffen in Telgte". 

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 (Quelle: Reuters/Bobby Yip) (Quelle: Bobby Yip/Reuters)


Bundeskanzlerin Merkel reist heute nach China, das wissen Sie schon. Seit Jahrzehnten baut die Führung in Peking systematisch ihre Macht aus: nicht durch Waffen, sondern durch Geld, Straßen, Häfen und Eisenbahntrassen. Zusammen ergeben sie die neue Seidenstraße. Im Kleinen, Projekt für Projekt, profitieren Wirtschaft und Politik vom chinesischen Geldregen – in Afrika ebenso wie in Duisburg. Deshalb machen alle gerne mit. Doch im Großen, alle Projekte zusammengenommen, wächst so der Einfluss der rücksichtslosen Ein-Parteien-Diktatur, die sich um demokratische Mitbestimmung und Menschenrechte wenig schert. Mein Kollege Jonas Schaible wird diesen Widerspruch heute in einem Report beleuchten.

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 (Quelle: Hotel Weinegg) (Quelle: Hotel Weinegg)


Ein bisschen hibbelig bin ich jetzt schon, und den Turnierkalender habe ich auch schon an den Kühlschrank geklebt. Aber. Es. Dauert. Ja. Noch. Mehr. Als. Drei. Viel (viel!). Zu. Lange. Wochen! Bis endlich der Ball rollt in Russland und wir uns wieder guten Gewissens dem Fußballfieber hingeben dürfen. Laue Sommerabende vor dem Fernseher oder der Großleinwand, mit Freunden fachsimpeln und jubeln: herrlich.

Doch vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt, deshalb müssen die deutschen Nationalkicker ab heute im Trainingslager in Südtirol noch mal richtig ranklotzen. Wer spielt sich dabei in den Vordergrund? Unser WM-Reporter Luis Reiß ist dabei und berichtet ab jetzt täglich über die Mission Titelverteidigung. In seinem Auftaktartikel stellt er Ihnen heute Vormittag das Quartier der Nationalelf vor. Sieht schon mal gut aus, finde ich.

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 (Quelle: imago) (Quelle: imago) 

Erinnern Sie sich noch? Vor drei Monaten haben wir nahezu täglich über das Ringen der SPD berichtet: Große Koalition mit der Union ja oder nein? Die Pragmatiker setzten sich im Mitgliedervotum durch – und die Parteispitze versprach: Von nun an wird das Profil geschärft! Von nun geht es aufwärts!

Seither ging es: abwärts. In den Umfragen wird die Partei nach unten durchgereicht, einer exklusiven Umfrage im Auftrag von t-online.de zufolge hat die große Mehrheit der Deutschen inzwischen gar den Glauben daran verloren, dass die SPD sich wieder berappelt.

Wenn das so weitergeht, wird die SPD zur Telefonzelle der Politik: Steht noch hier und da rum, braucht aber keiner mehr. Was tun die Genossen, um aus der Krise herauszukommen? Mein Kollege Johannes Bebermeier kennt die Antwort.

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WAS LESEN?

In Italien formiert sich eine neue Regierung, das ist erst einmal eine gute Nachricht. Die schlechte folgt auf dem Fuße: Das Bündnis aus der radikalen Fünf-Sterne-Partei und der noch radikaleren Lega schickt sich an, dem Land einen stramm antieuropäischen Kurs zu verordnen. Wenn die Italiener das so wollen, dann ist das ihr gutes Recht – dabei soll es aber nicht bleiben: Die neuen Herren wollen ihre Wählerklientel mit vielen Milliarden beglücken, die sie gar nicht haben – und gefährden so die Eurozone. "Sie gebärden sich wie ein Bankräuber, der droht, den umgeschnallten Sprengstoffgürtel zu zünden", schreibt unsere Wirtschaftsexpertin Ursula Weidenfeld. Ihre Kolumne ist wie üblich kurz – aber jeder Satz sitzt. 

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 (Quelle: Jan Hübner/imago) (Quelle: Jan Hübner/imago)


Ich gestehe: Ich empfand einen Anflug von Schadenfreude, als die Bayern im DFB-Pokalfinale von den beherzten Frankfurtern gedemütigt wurden. Die Meisterschaft reicht doch völlig! Reicht sie eben nicht. Nicht für diesen Club, der in jeder Saison drei Titel anpeilt. Woran also liegt es, dass die Bayern ihre Ziele so krass verfehlt haben? Wir haben einen Sportpsychologen gefragt, und er hat eine überraschende Erklärung parat: Die Münchner Spieler leiden offenbar an akutem Boreout. 

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Heuschnupfenzeit ist Servicezeit. Haben sich die Kollegen vom "Guardian" gedacht und Tipps zusammengestellt, wie man mit der Malaise am besten umgeht. Manches davon ist für Heuschnupfenprofis ein alter Hut, anderes hat sogar mich als Veteranen überrascht. Vaseline um die Nasenlöcher? Fängt Pollen ab, schreiben die Kollegen. Das abendliche Auswaschen der Pollen aus den Haaren gehört in die Standard-Trickkiste, aber auch häufiges Händewaschen soll einen Beitrag leisten. Apropos Wäsche: die gehört zum Trocknen in den Keller, nicht auf die Leine in den Garten oder auf den Balkon. Weil die Schleimhäute in Bronchien und Nase ohnehin in ständiger Bereitschaft sind, sollte man die Produktion nicht zusätzlich anregen. Also auf Süßkram verzichten – schade, Schokolade. Positiv sollen sich dagegen Brokkoli, Spargel, Zwiebeln, Knoblauch, Kirschen, Ananas und Kiwi auswirken. Wohl bekomm's! Artikel lesen (engl.) 

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WAS FASZINIERT MICH?

Wenn man im Auto sitzt, mitten in der Kurve der Motor ausgeht und partout nicht wieder anspringt, dann ist das nervig. Wenn man in einem kleinen, einmotorigen Flugzeug sitzt, mitten in der Kurve der Motor ausgeht und partout nicht wieder anspringt, dann ist das ... mehr als nervig. Sobald die Flugzeugnase nach unten dreht, braucht es enorme Nervenstärke. Heute können wir einem Piloten in diesen kritischen Momenten über die Schulter schauen.

 

Ich wünsche Ihnen einen nervenstarken Tag.

Ihr Florian Harms
Chefredakteur t-online.de
E-Mail: harms.chefredaktion@t-online.de

Mit Material von dpa.

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