Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ├╝bernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Eine unangenehme Wahrheit

  • Florian Harms
Von Florian Harms

Aktualisiert am 08.01.2022Lesedauer: 3 Min.
Robert Habeck und Annalena Baerbock setzen voll auf nachhaltige Energien.
Robert Habeck und Annalena Baerbock setzen voll auf nachhaltige Energien. (Quelle: imago-images-bilder)
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Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

unser Wochenend-Podcast ist aus der Winterpause zur├╝ck. Heute spreche ich mit meinen Kollegen Theresa Crysmann und Sebastian Sp├Ąth ├╝ber ein Thema, das Deutschland grundlegend ver├Ąndern wird. H├Âren Sie bitte hinein:

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In aufgeregten Zeiten neigen ja leider viele Menschen zu pauschalem Denken: Sie unterscheiden nur noch zwischen Richtig und Falsch, Gut und B├Âse, Schwarz und Wei├č. Die Corona-Regeln sind aus dieser vereinfachten Sicht entweder v├Âllig ├╝bertrieben oder viel zu lasch. Politiker sind entweder Helden oder Deppen. Und Andersdenkende sind Flitzpiepen, denen man am besten gar nicht erst zuh├Ârt.

So ist es auch bei der gr├Â├čten Herausforderung, der wir uns gegenw├Ąrtig gegen├╝bersehen: der Erhitzung unseres Planeten. Nach der Fl├╝chtlingskrise und der Pandemie d├╝rfte das Ringen um den Kurs gegen die Klimakrise zur dritten gesellschaftlichen Bruchstelle werden, die Familien und Freundschaften entzweit, politische Gr├Ąben aufrei├čt, die Stimmung vergiftet.

Denn auch diese Debatte driftet immer st├Ąrker in den Schwarz-Wei├č-Modus ab: Auf der einen Seite stehen Klimaaktivisten, die sich im Besitz der wissenschaftlichen Wahrheit w├Ąhnen und alle anderen Menschen erziehen wollen. Auf der anderen Seite haben sich Ignoranten eingebunkert, die Warnungen vor den Folgen der Erderw├Ąrmung f├╝r Bl├Âdsinn und Greta Thunberg f├╝r eine freche G├Âre halten. Zwischen diesen beiden Fronten bleibt immer weniger Raum f├╝r Vern├╝nftige, die den Austausch von Argumenten und das differenzierte Abw├Ągen von F├╝r und Wider nicht f├╝r eine Schw├Ąche, sondern f├╝r eine St├Ąrke halten. Diese Polarisierung umfasst nur Teile der Bev├Âlkerung, nat├╝rlich, aber sie pr├Ągt zunehmend die Diskussion ├╝ber den Klima- und Umweltschutz.

So ist es auch bei der Schl├╝sselfrage dieser Tage, die vom energiepolitischen Grundsatzpapier der EU-Kommission aufgeworfen worden ist: Wie kann Deutschland, wie k├Ânnen die EU-Staaten ihre ambitionierten Klimaziele erreichen? Eine Drosselung der CO2-Emissionen bis 2030 um 55 beziehungsweise 65 Prozent gegen├╝ber dem Stand von 1990 ÔÇô und dann Klimaneutralit├Ąt bis 2045: Kann das allein mit Windr├Ądern, Solaranlagen und Biomasse gelingen oder braucht es daf├╝r auch Erdgas und Atomkraft?

Lauscht man gr├╝nen Regierungsvertretern, kann man den Eindruck bekommen, sie w├╝rden am liebsten alle anderen Europ├Ąer auf ihren Kurs zwingen: AKWs sind demnach b├Âse und m├╝ssen schleunigst ├╝berall verboten werden. Erdgas ist auch doof, aber weil wir in Deutschland leider noch nicht gen├╝gend Windr├Ąder und Solaranlagen aufgebaut haben, ist es dann doch irgendwie akzeptabel, dass wir Putins Gas verfeuern, obwohl bei dessen F├Ârderung und Transport ebenfalls gravierende Emissionen entstehen. Ziemlich heuchlerisch, diese Position.

Bis Europa (hoffentlich) Klimaneutralit├Ąt erreicht, braucht es ├ťbergangstechnologien, das steht au├čer Frage. Ebenso klar m├╝sste eigentlich jedem Politiker sein: Fortschritt in Europa gelingt nicht, indem man von allen anderen Staaten verlangt, nach der deutschen Pfeife zu tanzen. EU-Politik basiert seit jeher auf Kompromissen. So ist die Union zum m├Ąchtigsten und wohlhabendsten Staatenbund der Welt aufgestiegen. Wenn L├Ąnder wie Frankreich, Finnland, Tschechien, Belgien, Schweden und die Niederlande sowie k├╝nftig auch Polen und Italien auf Kernkraft setzen, mag das aus der Sicht deutscher AKW-Gegner verwerflich sein. Vern├╝nftige und vor allem pragmatische Regierungspolitik kann sich daran aber nicht orientieren. Um die hochgesteckten Klimaziele ├╝berhaupt noch erreichen zu k├Ânnen, braucht es in Europa verschiedene Technologien, die parallel optimiert werden. Auch Atomenergie geh├Ârt zumindest vor├╝bergehend dazu.

Solche unangenehmen Einsichten geh├Âren zur Klimadebatte, selbst wenn viele Leute das f├╝r hirnrissig halten. Dar├╝ber muss man reden ÔÇô ohne Schranken im Kopf und Schaum vorm Mund. Wie man durch differenzierte Diskussion zu konstruktiven Ergebnissen gelangt, hat ├╝brigens der B├╝rgerrat Klima bewiesen. Zwei Monate lang haben 160 Menschen aus verschiedenen deutschen Orten und Milieus ├╝ber die Frage debattiert: "Wie gestalten wir Klimapolitik: Gut f├╝r uns, gut f├╝r unsere Umwelt und gut f├╝r unser Land?". Die Ergebnisse sind bemerkenswert (hier der ├ťberblick).

So, genug Worte, nun sind Sie dran: Damit Sie beim Lesen, Nachdenken und ├╝berhaupt an diesem Wochenende gut unterhalten werden, empfehle ich Ihnen einen Song des Musikgenies, das heute 75 Jahre alt geworden w├Ąre. Leider tr├Ąllert es inzwischen ein paar Etagen weiter oben. Aber die Musik, die es uns hienieden zur├╝ckgelassen hat, ist ebenfalls himmlisch.

Mit diesen Kl├Ąngen w├╝nsche ich Ihnen ein wunderbares Winterwochenende.

Herzliche Gr├╝├če
Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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