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Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ├╝bernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Ein echter Profi

  • Florian Harms
Von Florian Harms

Aktualisiert am 06.05.2022Lesedauer: 6 Min.
Glanz und Mittelma├č sind manchmal ganz nah beieinander.
Glanz und Mittelma├č sind manchmal ganz nah beieinander. (Quelle: imago-images-bilder)
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Bonjour, Monsieur le Pr├ęsident!

Uns ist zu Ohren gekommen, dass Sie zu unseren Lesern z├Ąhlen und sich den Tagesanbruch jeden Morgen ├╝bersetzen lassen. Das trifft sich gut, dann k├Ânnen wir Ihnen n├Ąmlich auf diesem Weg unsere nachtr├Ąglichen Gl├╝ckw├╝nsche zu Ihrer Wiederwahl ├╝bermitteln. Ehrlich gesagt, haben wir nach Ihrem Sieg vor knapp zwei Wochen einen Erleichterungsseufzer ausgesto├čen. Nicht auszudenken, wenn diese Rechtsextremistin in den ├ëlys├ęe eingezogen w├Ąre! Dann w├Ąre unser sch├Ânes Europa, dem wir Deutschen unseren Wohlstand verdanken, echt im Eimer gewesen.

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Sie haben die Wahl gl├╝cklicherweise gerade noch gewuppt. Sie haben das Schlimmste verhindert, obwohl Sie mit Ihrer Politik viele Ihrer Landsleute vergrault haben. Im Vergleich zu Frau Le Pen seien Sie das kleinere ├ťbel, haben die Zeitungen geschrieben. Na ja, besser ein vergiftetes Lob als gar kein Lob. Sie werden nun bestimmt in sich gehen und ihr Programm, ihre Kommunikation und die Kosten f├╝r Ihr Make-up ├╝berdenken, schlie├člich haben Sie es vermutlich bald mit einer linken Mehrheit im Parlament zu tun. Das wird ja in K├╝rze auch noch gew├Ąhlt.

Aber machen Sie bitte nicht den Fehler, k├╝nftig im Schlabberpulli herumzulaufen oder Ihre Eleganz, Ihren Charme, Ihre Gro├čspurigkeit durch dr├Âge Mittelm├Ą├čigkeit zu ersetzen. Das ├╝berlassen Sie mal lieber uns auf dieser Seite des Rheins. Das k├Ânnen wir n├Ąmlich gut, mittelm├Ą├čig aussehen und mittelm├Ą├čig regieren. Angesichts all der Krisen in unserem sch├Ânen Europa (Sie wissen schon: Krieg, Corona, Klima) braucht es wenigstens einen Chef, der was hermacht und nicht wie ein Duckm├Ąuser daherkommt. So ein Putin respektiert ja nur zur Schau gestellte St├Ąrke. Also einen wie Sie, Monsieur le Pr├ęsident. Sie telefonieren doch regelm├Ą├čig mit dem Typen im Kreml. Wir haben den Eindruck: Sie sind der einzige Chef in Westeuropa, den der Wladimir nicht f├╝r ein Weichei h├Ąlt.

Also bleiben Sie bitte selbstbewusst und pflegen Sie weiterhin Ihren Glanz. Bringen Sie uns gern ein wenig davon mit, wenn Sie am Montag nach Berlin kommen. Formal ist es ja der Antrittsbesuch zum Beginn Ihrer zweiten Amtszeit. Aber nat├╝rlich ist es auch eine gute Gelegenheit, unseren Chefs mal zu erkl├Ąren, wie man Weltpolitik macht, ohne dabei in Fettn├Ąpfchen zu treten. Das k├Ânnen unsere Chefs n├Ąmlich ziemlich gut (also das mit den Fettn├Ąpfchen). Sie werden die Debatte ├╝ber beleidigte Leberw├╝rste, die sich unser Kanzler und unser Bundespr├Ąsident mit dem ukrainischen Botschafter geliefert haben, vermutlich nur am Rande mitbekommen haben, darum m├Âchten wir Ihnen versichern: Auch wir haben uns daf├╝r gesch├Ąmt. Aber nun hat unser Oberchef die Sache aus dem Weg ger├Ąumt, heureusement! Nach wochenlangem Hin und Her ist es dem Schlossherrn in Bellevue tats├Ąchlich gelungen, einfach mal mit dem Chef in Kiew zu telefonieren und sich mit diesem zu vertragen.

Stark, oder? Auch wir Deutschen sind jetzt wieder dicke Freunde der Ukrainer, das wurde echt Zeit. Schlie├člich brauchen die jede Unterst├╝tzung gegen den Bombenleger im Kreml. Wir ahnen nat├╝rlich: Sie h├Ątten diesen unw├╝rdigen Zank mit einem unbotm├Ą├čigen Botschafter nie so weit eskalieren lassen, Monsieur le Pr├ęsident. Im Chefsein sind Sie eben Profi. Da k├Ânnen unsere mittelm├Ą├čigen Chefs noch viel von Ihnen lernen.

Europa muss selbstbewusster werden, haben Sie mal gesagt. "Macron: Europa muss Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen", haben die Medien damals getitelt. Im Mai zwanzig-achtzehn war das, da haben Sie den Karlspreis im sch├Ânen Aachen bekommen. Da wussten wir noch nix von Corona und nix vom Krieg, aber Sie wussten schon Bescheid, dass wir unsere freie, stabile und sichere EU nur dann erhalten k├Ânnen, wenn wir sie entschlossener verteidigen. Auch gegen die Putins dieser Welt. Nat├╝rlich hatten Sie schon damals recht.

Wenn Sie gestatten, Monsieur le Pr├ęsident, dann w├╝rden wir dar├╝ber gern mal mit Ihnen reden. Also so richtig von Angesicht zu Angesicht, nicht nur wie hier mit einem Morgenbrief in einem viel gelesenen Newsletter. Wir kommen gern mal in Ihrem schicken Palast vorbei, meine Kollegen und ich, und ich versichere Ihnen: Das Interview w├╝rde auch von den deutschen Chefs beachtet. Die lesen den Tagesanbruch n├Ąmlich auch. W├Ąre doch sch├Ân, wenn wir auf diesem Weg dabei helfen k├Ânnten, unser sch├Ânes Europa etwas krisenfester zu machen.

In diesem Sinne: Au revoir und toi, toi, toi f├╝r die Parlamentswahl im Juni, Monsieur le Pr├ęsident. Ach so, und nat├╝rlich auch allen anderen Leserinnen und Lesern dieser Zeilen ein optimistisches Gl├╝ckauf! Sie werden es mir sicher nachsehen, dass ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen wollte, diese Zeilen einem gro├čen Staatsmann zu widmen. Leute seines Formats braucht es n├Ąmlich mehr.


Einmal Klartext

Peter Tschentscher regiert als Scholz-Nachfolger das stolze Hamburg.
Peter Tschentscher regiert als Scholz-Nachfolger das stolze Hamburg. (Quelle: imago-images-bilder)

Das scheine nicht nur ich so zu sehen. "Er spricht!", kommentierte die "S├╝ddeutsche Zeitung" s├╝ffisant, nachdem Olaf Scholz am 1. Mai in D├╝sseldorf eine ungewohnt emotionale Rede gehalten hatte. Er m├Âge das doch auch mal in Kiew tun, f├╝gte das Blatt hinzu. Bis dahin wird es aber wohl noch ein paar Tage dauern. Erst einmal braucht er ja etwas, das er den Ukrainern mitbringen kann, sprich: mehr Waffen, mehr Geld.

Heute ergreift der Kanzler an anderer Stelle das Wort: Er spricht im Gro├čen Festsaal des Hamburger Rathauses anl├Ąsslich des 100-j├Ąhrigen Jubil├Ąums des feinen ├ťbersee-Clubs. Wir d├╝rfen annehmen, dass dieser Termin selbst bei einer n├╝chternen Natur wie Olaf Scholz Emotionen freisetzt: zur├╝ck an alter Wirkungsst├Ątte, mit hanseatischer Herzlichkeit empfangen von seinem Nachfolger als Erster B├╝rgermeister, Peter Tschentscher.

Eine gewisse Pikanterie wohnt der Veranstaltung allerdings inne: Gegr├╝ndet wurde der ├ťbersee-Club anno 1922 vom Bankier Max M. Warburg ÔÇô also einem Mitglied jener Dynastie, deren Geldhaus heute in Cum-Ex-Gesch├Ąfte verstrickt ist. Bei deren Aufarbeitung fallen immer wieder die Namen Scholz und Tschentscher. W├Ąhrend der Kanzler am Nachmittag zu einer Wahlkampfveranstaltung in Kiel entschwindet, muss sich Tschentscher in der Sache ab 14 Uhr dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Hamburgischen B├╝rgerschaft stellen. Da kann noch was kommen.


Serbien wackelt

Bei den europ├Ąischen Sanktionen gegen Russland gilt Aleksandar Vu─Źi─ç als Schl├╝sselfigur: Vorgestern war Serbiens allgewaltiger Staatschef in Berlin, gestern traf Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) den Putin-Versteher in Belgrad. Zwar f├╝hrt Serbien seit 2014 Beitrittsverhandlungen mit der EU, bisher wollte es sich den EU-Sanktionen gegen Russland aber nicht anschlie├čen. Allm├Ąhlich schwindet im Westen die Geduld mit dem Wackelkandidaten. Heute will sich Vu─Źi─ç mit einer Botschaft an die Bev├Âlkerung wenden. Es spricht einiges daf├╝r, dass er sich in der Sanktionsfrage auf die richtige Seite bewegt. Die EU ist einfach zu verlockend.

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Tagesanbruch - Was heute wichtig ist
Was heute wichtig ist

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Zur├╝ck aus dem All

Matthias Maurer kommt nach Hause: Nach rund einem halben Jahr auf der Internationalen Raumstation ist der deutsche Astronaut auf dem Weg zur├╝ck zur Erde. Heute Morgen deutscher Zeit soll die Kapsel mit ihm und drei US-Kollegen im Meer vor Florida auftreffen. L├Ąuft alles nach Plan, wird der 52-j├Ąhrige Saarl├Ąnder am sp├Ąten Abend am Flughafen K├Âln/Bonn erwartet. Er wird einiges zu erz├Ąhlen haben.


Was lesen?

Trotz massiver Angriffe kommt die russische Armee in der Ukraine kaum voran. Putin gehen die Soldaten aus, er muss seine Strategie anpassen. Verschiedene Szenarien sind nun denkbar, berichten meine Kollegen Johannes Bebermeier und Patrick Diekmann.


Eigentlich wollte Putin am 9. Mai wohl den Sieg ├╝ber die Ukraine verk├╝nden. Ruft der Kreml wegen des ausbleibenden Erfolgs nun eine Generalmobilmachung aus? Meine Kollegin Marianne Max hat nachgeforscht.


Gro├če Clan-Beerdigung in Berlin: Rund 1.000 Menschen gaben dem erstochenen Mohamed R. das letzte Geleit, dem Bruder des 2018 erschossenen Nidal R. Die Stimmung auf dem Friedhof: gereizt. In der Szene wird dar├╝ber spekuliert, dass hinter beiden Morden derselbe Clan steckt. Unserer Reporterin Antje Hildebrandt war vor Ort.


(Quelle: Russian Space Agency/ap-bilder)

Reiche k├Ânnen sich Urlaub an den exotischsten Orten leisten. 2001 stellte dieser Million├Ąr einen Rekord auf. Mehr erfahren Sie auf unserem Historischen Bild.


Was am├╝siert mich?

Herr Habeck macht jetzt Wirtschaft.

(Quelle: Mario Lars)

Ich w├╝nsche Ihnen einen erfolgreichen Tag. Im Wochenend-Podcast berichtet mein Kollege Lars Wienand morgen von seinen brisanten Recherchen. Der ist nach dem gestrigen Finaleinzug der Eintracht jetzt richtig gut drauf.

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Dieser Wutausbruch tat richtig gut, lieber Bernhard Brink
Bernhard Brink: Der Schlagerstar wetterte bei seinem Auftritt in der Berliner Waldb├╝hne unter anderem gegen Putin und Lauterbach.


Herzliche Gr├╝├če

Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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