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Scheuers Fahrradhelm-Kampagne stĂ¶ĂŸt auf Kritik

Von dpa
Aktualisiert am 22.03.2019Lesedauer: 3 Min.
Die Kampagne "Look like shit. But saves my life": Models posieren mit UnterwÀsche und einem Fahrradhelm.
Die Kampagne "Look like shit. But saves my life": Models posieren mit UnterwÀsche und einem Fahrradhelm. (Quelle: BMVI)
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Gemeinsam mit einer "Germany's Next Topmodel"-Kandidatin will Verkehrsminister Andreas Scheuer dafĂŒr werben, dass mehr Radler einen Helm tragen. Im Netz erntet die PR-Aktion ziemlich viel Spott.

Helme retten Leben – mit Models in UnterwĂ€sche? Eines hat Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) mit einer neuen Kampagne schon mal erreicht: Aufmerksamkeit. Bereits der Titel irritiert manchen: "Looks like shit. But saves my life" – auf deutsch: "Sieht Scheiße aus – aber rettet Leben." Zu sehen sind auf Plakaten und in Videos Fotomodelle, die leicht bekleidet einen Fahrradhelm tragen. Scheuer hat die PR-Maschine angeworfen.

Vor allem junge Menschen sollen motiviert werden, einen Fahrradhelm zu tragen, damit Radfahren sicherer wird, wie das Ministerium mitteilte. Ein Gesicht der Kampagne: "Germany's Next Topmodel"-Kandidatin Alicija.

"Helme retten Leben!"

Dazu stellt das Ministerium via Twitter ein Video ins Netz, der Minister lĂ€sst sich mit lockeren SprĂŒchen zitieren. "Mehr als die HĂ€lfte der jungen Radfahrerinnen und Radfahrer sagen von sich selbst, dass sie nie oder nur selten einen Helm tragen. Und warum nicht? Weil es angeblich nicht cool aussieht." Und weiter: "Der Spruch entspricht vielleicht nicht so ganz dem ĂŒblichen Behördendeutsch. Er bringt die Botschaft aber ziemlich genau auf den Punkt: Helme retten Leben!".

ReprĂ€sentative Beobachtungen des Verkehrs im vergangenen Jahr hĂ€tten ergeben, dass von Radfahrenden zwischen 17 und 30 Jahren lediglich 8 Prozent einen Helm getragen hĂ€tten. Das sei die geringste Quote aller beobachteten Altersgruppen, belegten Zahlen der Bundesanstalt fĂŒr Straßenwesen.

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Eigenes Leben schĂŒtzen

Ein Helm gelte als "unpraktisch, unbequem und unĂ€sthetisch", so das Ministerium – und will das Image Ă€ndern. Ein "Starfotograf" habe die Fotos geschossen – immerhin sind die Models noch bekleidet, bei "Germany's Next Topmodel" hatte es erst kĂŒrzlich ein "Nacktshooting" gegeben.

"Es geht darum, Aufmerksamkeit zu wecken", sagt Scheuer laut der Mitteilung seines Ministeriums. Und der PrĂ€sident des Deutschen Verkehrssicherheitsrats, Walter Eichendorf, erklĂ€rt: "Es gibt nichts Wichtigeres, als die Gesundheit und das eigene Leben zu schĂŒtzen."

"Find ich sehr strittig"

Denn das Thema ist ernst: Im vergangenen Jahr waren auf deutschen Straßen nach zwei Jahren RĂŒckgang wieder mehr Menschen bei UnfĂ€llen ums Leben gekommen – der Anstieg geht vor allem auf eine Zunahme bei getöteten Fahrrad- und Motorradfahrern zurĂŒck.

Im Netz löste Scheuers Kampagne am Freitag jede Menge ironischer Anmerkungen aus – neben VerstĂ€ndnis gab es auch viel Kritik. Ein Nutzer schrieb auf Twitter: "Die FahrradHelm Kampagne, vom Verkehrsministerium, ist richtig. Aber Frauen in Dessous, auf'm Rad? Find ich sehr strittig & hat was von den Kalender'n, in WerkstĂ€tten... (...)."

"Peinliche Helmpropaganda"

Andere forderten das Ministerium auf, sich um mehr Sicherheit auf den Straßen zu kĂŒmmern, "statt peinliche #Helmpropaganda- und #victimblaming-Kampagnen zu starten!", also den Opfern die Schuld fĂŒr UnfĂ€lle zu geben. Auch von "Sexismus" war die Rede. Auf den Fotos zu der Aktion, die auf der Seite runtervomgas.de gezeigt werden, sind leicht bekleidete junge Menschen zu sehen, in erster Linie junge Frauen. Aber auch ein Mann trĂ€gt Helm und prĂ€sentiert seinen nackten Waschbrettbauch. Eine Frau rĂ€kelt sich an einer Sofakante und ein Paar liegt auf einem Bett – mit Helm auf dem Kopf. Kommentar einer Nutzerin auf Twitter: "Ich hab's ja erst fĂŒr Satire gehalten, aber jetzt bin ich ziemlich fassungslos! Was soll das, @BMVI?"

Und Marion Jungbluth, Verkehrsexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband twitterte: "Ich zieh sofort einen Helm an, wenn sich auch @AndiScheuer einen aufzieht und sich damit in der Unterbuxe abbilden lÀsst."

Auch Kritik von der SPD

Auch die SPD kritisierte die neue Kampagne fĂŒr Fahrradhelme scharf. Zwar spreche die Kampagne das richtige Thema an, sagte Fraktionsvize Katja Mast der "Passauer Neuen Presse" vom Samstag. Allerdings sei die Umsetzung mit helmtragenden Models in UnterwĂ€sche "peinlich, altbacken und sexistisch", fuhr sie fort. "Halbnackte Frauen und MĂ€nner sollten nicht mit Steuergeldern auf Plakate gebannt werden."


Auch Josephine Ortleb, frauenpolitische Sprecherin der SPD, sagte der Zeitung, die Bundesregierung benötige dringend eine Gleichstellungskampagne. Es brauche "weder Frauen als Objekte, nackte Haut noch Sexismus, um junge Menschen auf Sicherheit im Radverkehr aufmerksam zu machen".

Die Plakate sollen ab Anfang der kommenden Woche an Straßen und Fahrradwegen in GroßstĂ€dten wie Berlin, Hamburg, MĂŒnchen und Köln hĂ€ngen.

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