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Gelingt der Durchbruch im Fall Maddie?

Von dpa
Aktualisiert am 05.06.2020Lesedauer: 3 Min.
Der VerdĂ€chtige im Fall Maddie verbĂŒĂŸt eine Haftstrafe in Kiel.
Der VerdĂ€chtige im Fall Maddie verbĂŒĂŸt eine Haftstrafe in Kiel. (Quelle: Carsten Rehder/dpa./dpa)
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Braunschweig/Wiesbaden (dpa) - Der aufsehenerregende Zeugenaufruf zur verschwundenen Maddie nÀhrt die Hoffnung, den rund 13 Jahre alten Fall doch noch lösen zu können.

"FĂŒr einen Haftbefehl oder eine Anklage reicht es noch nicht aus", sagte jedoch Hans Christian Wolters von der Staatsanwaltschaft Braunschweig am Freitag. Trotz vieler Hinweise fehlt bisher wohl der entscheidende Beweis. Unterdessen suchen Ermittler in Sachsen-Anhalt nach möglichen Verbindungen zum Fall der fĂŒnfjĂ€hrigen Inga, die dort 2015 verschwand.

Das damals dreijĂ€hrige britische MĂ€dchen Madeleine "Maddie" McCann war am 3. Mai 2007 aus einer Appartementanlage im portugiesischen Ferienort Praia da Luz verschwunden. Die Eltern waren an dem Abend in einem nahe gelegenen Restaurant essen. Das ungeklĂ€rte Schicksal des MĂ€dchens hatte weltweit fĂŒr Schlagzeilen gesorgt. Die Ermittler waren von einer EntfĂŒhrung ausgegangen. Zeitweise standen auch die Eltern selbst unter Verdacht.

Am Mittwochabend gaben Bundeskriminalamt (BKA) und Staatsanwaltschaft Braunschweig ĂŒberraschend bekannt, dass ein 43-jĂ€hriger Deutscher in dem Fall unter Mordverdacht steht, der mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft ist. Was genau der Auslöser fĂŒr die Veröffentlichung und einen erneuten Zeugenaufruf war, blieb unklar. Den Ermittlern wird aber bewusst gewesen sein, welches riesige Echo der erneute Bericht ĂŒber das Schicksal des MĂ€dchens in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" hervorrufen wĂŒrde.

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Schnell war klar, dass es sich bei dem VerdĂ€chtigen um einen Mann handelt, der derzeit in Kiel eine alte Haftstrafe absitzt, die das Amtsgericht NiebĂŒll bereits 2011 gegen ihn verhĂ€ngt hatte. Dabei ging es um Handel mit BetĂ€ubungsmitteln. Parallel ist wegen VergewaltigungsvorwĂŒrfen gegen ihn Untersuchungshaft angeordnet. Denn zuletzt verurteilte ihn das Landgericht Braunschweig am 16. Dezember 2019 wegen schwerer Vergewaltigung unter Einbeziehung frĂŒherer Strafen zu sieben Jahren Haft. Er hatte 2005, rund eineinhalb Jahre vor dem Verschwinden Maddies, in Praia da Luz eine damals 72-jĂ€hrige Amerikanerin vergewaltigt. Das Urteil ist noch nicht rechtskrĂ€ftig, die Revision liegt beim Bundesgerichtshof.

"Wir gehen davon aus, dass das MĂ€dchen tot ist", hatte Wolters am Donnerstag mit Blick auf Maddie bekrĂ€ftigt. Er verband diese Aussage aber damit, dass sich die Ermittler dringend weitere Hinweise erhoffen. Bewiesen ist noch nichts, trotzdem sorgte die Nachricht ĂŒber die neuen Erkenntnisse fĂŒr viel Aufsehen, vor allem in Großbritannien und Portugal.

Immer mehr Details werden ĂŒber den MordverdĂ€chtigen bekannt. Er lebte zwischen 1995 und 2007 regelmĂ€ĂŸig an der Algarve, darunter einige Jahre in einem Haus zwischen Lagos und Praia da Luz. Immer wieder pendelte er zwischen Deutschland und Portugal, wurde in beiden LĂ€ndern mehrmals straffĂ€llig. Laut "Spiegel" weist das Strafregister des Mannes insgesamt 17 EintrĂ€ge auf.

Die Ermittler in Braunschweig sind fĂŒr den Fall zustĂ€ndig, weil der VerdĂ€chtige seinen letzten deutschen Wohnsitz in der Stadt hatte. Ab Dezember 2012 eröffnete er zusammen mit seiner damaligen LebensgefĂ€hrtin einen Kiosk in Braunschweig. Nach der Trennung fĂŒhrte er den Laden allein weiter, bis er nach etwa eineinhalb Jahren den Kiosk und die angrenzende Wohnung aufgrund eines Burnouts aufgab.

"Ich habe ihn als aggressiv erlebt", zitierte die "Bild" am Freitag den Nachmieter. Der nun MordverdĂ€chtige habe bei vielen Leuten Schulden gehabt, sagte der Mann dem Blatt. Schon zuvor hatte eine frĂŒhere Nachbarin aus Portugal den VerdĂ€chtigen als aggressiv beschrieben. "Er war immer ein bisschen wĂŒtend, ist die Straße schnell hoch und runter gefahren (...)", berichtete die Frau dem britischen Sender Sky News.

Derweil sucht die Staatsanwaltschaft Stendal nach möglichen Verbindungen zwischen dem Fall Maddie und dem der vor fĂŒnf Jahren in Sachsen-Anhalt verschwundenen kleinen Inga. Es werde geprĂŒft, ob es Anhaltspunkte fĂŒr ZusammenhĂ€nge gebe und ob sich daraus ein Anfangsverdacht gegen den TatverdĂ€chtigen im Fall Maddie ergebe, teilten die Ermittler in Stendal am Freitag mit. Weitere Details wurden dabei nicht genannt.

Inga aus Schönebeck in Sachsen-Anhalt war fĂŒnf Jahre alt als sie am 2. Mai 2015 aus einem Wald bei Stendal scheinbar spurlos verschwand. Dorthin hatte sie mit ihrer Familie einen Ausflug gemacht. Umfangreiche Suchaktionen und Ermittlungen konnten nicht klĂ€ren, was mit Inga geschah. Die Region liegt rund 100 Kilometer nordöstlich von Braunschweig.

Die "Magdeburger Volksstimme" hatte am Freitag ĂŒber Verbindungen des Beschuldigten im Fall Maddie nach Sachsen-Anhalt berichtet. Er soll ein GrundstĂŒck im Landkreis Börde besessen haben. Dort fanden Beamte den Informationen der Zeitung zufolge im Februar 2016 einen Stick mit Kinderpornografie. Damals hĂ€tten Ermittler auch Spuren mit denen im Fall Inga abgeglichen, berichtete die "Volksstimme". Es hĂ€tten sich keine brauchbaren Hinweise ergeben.

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