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AfD-Politikerin instrumentalisiert totes Kind f├╝r Kampf gegen Masken

  • Lars Wienand
Von Lars Wienand

Aktualisiert am 11.09.2020Lesedauer: 4 Min.
Zwischenfall im Schulbus: Eine 13-J├Ąhrige kollabierte in der Pfalz auf dem Weg aus der Schule und starb im Krankenhaus. Die AfD-Bundestagsabgeordnete Birgit Malsack-Winkemann stellte eine Verbindung zur Maskenpflicht her. (Symbolfoto)
Zwischenfall im Schulbus: Eine 13-J├Ąhrige kollabierte in der Pfalz auf dem Weg aus der Schule und starb im Krankenhaus. Die AfD-Bundestagsabgeordnete Birgit Malsack-Winkemann stellte eine Verbindung zur Maskenpflicht her. (Symbolfoto) (Quelle: Becker&Bredel/imago-images-bilder)
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Ein Kind kollabiert im Schulbus und stirbt. Nur wenige Stunden sp├Ąter fordert eine AfD-Abgeordnete deshalb die Abschaffung der Maskenpflicht. Selbst Parteikollegen sind emp├Ârt.

Nach dem Tod einer 13-J├Ąhrigen gibt es Entsetzen ├╝ber Versuche, den Fall zu instrumentalisieren. Das M├Ądchen war in der Pfalz auf dem Heimweg im Schulbus kollabiert und im Krankenhaus gestorben. Zur Todesursache hatten die Beh├Ârden keine gesicherten Erkenntnisse.

Trotzdem postete die Berliner AfD-Bundestagsabgeordnete Birgit Malsack-Winkelmann auf Facebook ein Foto eines Kindes mit dem Text "Erstes Todesopfer durch Maske?" und forderte: "Schluss mit dem Irrsinn". Mediziner halten es jedoch f├╝r extrem unwahrscheinlich, dass Maskentragen zum Tod f├╝hren kann.

"Diese Menschen haben keinen Anstand"

In der Heimat des M├Ądchens hat der Tod gro├če Betroffenheit ausgel├Âst ÔÇô und kaum jemand kam auf den Gedanken, nach der Rolle einer Maske zu fragen. "Aufkl├Ąrung" werde von Menschen von au├čerhalb gefordert, so Ralf Wittenmeier, Lokalredakteur der "Rheinpfalz" in Germersheim im S├╝den von Rheinland-Pfalz. Das Posting der Berliner AfD-Politikerin war selbst dem rheinland-pf├Ąlzischen Landesvorsitzenden der Partei, Uwe Junge, zuwider. "Zum Fremdsch├Ąmen!", antwortete Junge unter dem Posting. Seine Parteifreundin solle "sich entschuldigen und l├Âschen".

Spekulation ohne Grundlage: Die AfD-Bundestagsabgeordnete Birgit Malsack-Winkemann mit ihrem Posting zum Tod des Kindes.
Spekulation ohne Grundlage: Die AfD-Bundestagsabgeordnete Birgit Malsack-Winkemann mit ihrem Posting zum Tod des Kindes. (Quelle: Screenshot Facebook)
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Lokalredakteur Wittenmeier hat in einem Meinungsbeitrag zusammengefasst, wie er die Reaktionen erlebte: "Maskenverweigerer, Verschw├Ârungsfanatiker und andere Querdenker w├╝rden es nur zu gern sehen, dass das Tragen der Maske ein Grund daf├╝r war, dass eine 13-J├Ąhrige sterben musste. Diese Menschen und diejenigen, die deren Argumente online teilen, haben keinen Anstand."

Die Zeitung hatte den tragischen Fall klein gemeldet, weil er in der Region schnell Gespr├Ąchsthema wurde. 32 andere Sch├╝ler hatten am Montag im Bus gesessen, als die Fahrerin das Fahrzeug im W├Ârther Ortsbezirk B├╝chelberg gegen 13.45 Uhr wegen des Notfalls stoppte. Rund eine Stunde dauerte dort in einem Rettungswagen der Kampf von Medizinern um das Leben des M├Ądchens, ehe das M├Ądchen ins Krankenhaus gebracht wurde.

Drei Teams betreuten Kinder psychosozial

F├╝r Feuerwehr und DRK ging der Einsatz im Ort weiter: Die Kinder wurden nun mit dem Bus in eine nahe gelegene Halle gebracht, Mitarbeiter der Psychosozialen Notfallhilfe sprachen dort das Geschehen an. Insgesamt drei Teams k├╝mmerten sich um Betreuung der Kinder und von Angeh├Ârigen und boten weitere Gespr├Ąche an.

Einsatz f├╝r die Schulkinder: Die Feuerwehr B├╝chelberg versorgte mit dem DRK die Kinder aus einem Bus, in dem ein M├Ądchen kollabiert war.
Einsatz f├╝r die Schulkinder: Die Feuerwehr B├╝chelberg versorgte mit dem DRK die Kinder aus einem Bus, in dem ein M├Ądchen kollabiert war. (Quelle: Freiwillige Feuerwehr B├╝chelberg)

Der Fall war damit ├Âffentlich, und deshalb gab die ├Ârtliche Polizei nach anf├Ąnglichen Bedenken wegen des Pers├Ânlichkeitsschutzes auch knappe Informationen heraus. In den lokalen Medien stand abends, was bekannt ist. Keine Hinweise auf Fremdverschulden, Todesursache unklar.

Zur Ursache wird die Obduktion wohl Antworten ergeben. Sie ist vorgeschrieben, wenn es nach der Leichenschau keine Erkl├Ąrung gibt. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe l├Ąsst sie durchf├╝hren. Karlsruhe ist zun├Ąchst zust├Ąndig, weil der Tod dort in einer Klinik festgestellt wurde. Ergebnisse k├Ânnte es in der n├Ąchsten Woche geben. Am liebsten w├╝rden die Staatsanw├Ąlte wohl keine Fragen dazu h├Âren und Journalisten nicht danach fragen. Eigentlich habe allein die Familie das Recht, die Todesursache zu erfahren, findet "Rheinpfalz"-Journalist Wittenmeier.

Update, 21. Oktober: Nach dem Ergebnis rechtsmedizinischer Untersuchungen gibt es laut Staatsanwaltschaft keine Hinweise auf einen Zusammenhang des Todesfall mit dem Tragen von Masken. Auch weitere Darstellungen ├╝ber einen Zusammenhang von Todesf├Ąllen von Kindern mit Masken haben sich als frei erfunden herausgestellt.

Abgeordnete: "Ich habe doch nur gefragt"

Aber sp├Ątestens seit Dienstagmorgen mit dem Posting der AfD-Abgeordneten Birgit Malsack-Winkemann steht eine Frage im Raum. "Erstes Todesopfer durch Maske?" schrieb sie auf Facebook. "Wann erfolgt die Obduktion?" In den mehr als 2.000 Kommentaren ├╝berwiegen emp├Ârte und verst├Ąndnislose Antworten. In freundlichen Worten zusammengefasst ist der Tenor: Sie schlage empathielos Kapital aus dem Tod eines Kindes.

Zur├╝ckrudern will Malsack-Winkelmann offenbar nicht. Auf Anfrage am Telefon gibt die Juristin t-online "den gut gemeinten Rat, genau hinzusehen". Sie habe "nichts behauptet, sondern nur eine Frage gestellt". Und einen Namen habe sie schlie├člich auch nicht genannt. Sie liefert aber auch keine Hinweise, dass die Maske irgendwas mit dem Tod zu tun hatte.

Lungen├Ąrzte-Verband: Maskentragen ist unbedenklich

Zum konkreten Fall wollen sich Mediziner ohne detaillierte Kenntnis zum Fall und zu einer m├Âglichen Krankheitsgeschichte nicht ├Ąu├čern. Die allgemeine Einsch├Ątzung der Deutschen Gesellschaft f├╝r Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) ist aber eindeutig: "Dass ein Mensch aufgrund des Tragens einer Maske lebensbedrohliche Symptome entwickelt, ist sehr unwahrscheinlichÔÇť, sagte DGP-Pr├Ąsident Michael Pfeifer zu t-online.

Der Lungenspezialist weiter: "Auf Basis des aktuellen Wissensstands ist das Tragen von Masken v├Âllig unbedenklich." Im Juni kam eine im Fachblatt "The Lancet" erschienene Analyse der Studienlage zum Ergebnis, dass der Mund-Nase-Schutz auch eine relevante Schutzwirkung hat. Ein Risiko sehen Experten darin, dass Stoffmasken bei falschem Gebrauch zu einem N├Ąhrboden f├╝r Krankheitserreger werden k├Ânnen.

Querdenken-Mitstreiter spricht von Tribunalen

Doch an der Unbedenklichkeit haben auch manche Menschen Zweifel oder s├Ąhen sie, weil sie Masken grunds├Ątzlich ablehnen. Deshalb zog das Posting der Bundestagsabgeordneten schnell Kreise im Umfeld von "Querdenkern" und "Corona-Rebellen". Malsack-Winkemann war aber nicht die erste mit der Verkn├╝pfung, und es ging auch noch h├Ąsslicher: Ein paar Minuten vor ihr hatte der Moderator einer Mannheimer "Querdenker"-Demo ein Foto des Artikels gepostet. "Wir freuen uns auf die Tribunale", schrieb er und dazu die Abk├╝rzung f├╝r das Motto der verschw├Ârungsideologischen QAnon-Bewegung.

"Tribunale": Der Moderator einer Querdenken-Demo in Mannheim vergleicht Covid-19 mit "harmlosem Schnupfen" und h├Ąlt Maskentagen f├╝r t├Âdlicher ÔÇô belegt am Tod der 13-J├Ąhrigen aus ungekl├Ąrten Gr├╝nden.
"Tribunale": Der Moderator einer Querdenken-Demo in Mannheim vergleicht Covid-19 mit "harmlosem Schnupfen" und h├Ąlt Maskentagen f├╝r t├Âdlicher ÔÇô belegt am Tod der 13-J├Ąhrigen aus ungekl├Ąrten Gr├╝nden. (Quelle: Screenshot Facebook)

Sp├Ąter tauchten dann auch von gr├Â├čeren Accounts aus der Szene der "Corona-Rebellen" Screenshots eines Postings auf, in dem es noch mehr "Informationen" gab. Das Kind sei durch ein Attest eigentlich vom Maskentragen befreit gewesen und trotz Vorerkrankung zum Tragen gezwungen worden. Dazu gibt es bisher keine weitere Quelle.

Stille Post: Von Vorerkrankung und Attest schreibt dieser Nutzer, ein Screenshot davon wird als "Netzfund" vielfach geteilt. Er selbst wei├č ├╝ber den Fall nichts: Jemand habe dazu etwas gepostet, schreibt er auf Nachfrage.
Stille Post: Von Vorerkrankung und Attest schreibt dieser Nutzer, ein Screenshot davon wird als "Netzfund" vielfach geteilt. Er selbst wei├č ├╝ber den Fall nichts: Jemand habe dazu etwas gepostet, schreibt er auf Nachfrage. (Quelle: Screenshot Facebook)

t-online.de macht den Mann ausfindig, der den Text geschrieben hat, und er meldet sich auf eine Anfrage zur├╝ck: Er selbst wisse dazu nichts. "Jemand hatte dazu Konkreteres gepostet, ich wei├č nur nicht mehr, wo."

Aber es passt ins Bild von denen, die gerne von einer "Corona-Diktatur" sprechen.

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