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Zwei "Unw├Ârter des Jahres" gek├╝rt

Von dpa
Aktualisiert am 12.01.2021Lesedauer: 3 Min.
Ein Teilnehmer tr├Ągt auf dem Cannstatter Wasen bei einer Kundgebung der Initiative "Querdenken 711" eine Warnweste mit der Aufschrift "Corona Diktatur stoppen".
Ein Teilnehmer tr├Ągt auf dem Cannstatter Wasen bei einer Kundgebung der Initiative "Querdenken 711" eine Warnweste mit der Aufschrift "Corona Diktatur stoppen". (Quelle: Christoph Schmidt/dpa./dpa)
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Darmstadt (dpa) - Erstmals sind bei dem "Unwort des Jahres" f├╝r 2020 gleich zwei Begriffe gek├╝rt worden. Mit "Corona-Diktatur" und "R├╝ckf├╝hrungspatenschaften" w├Ąhlte die Jury der sprachkritischen Aktion in Darmstadt ein Unw├Ârter-Paar aus zwei verschieden Themenbereichen.

Das vergangene Jahr sei in bisher kaum gekannter Weise von der Pandemie gepr├Ągt worden. Doch auch bei anderen Bereichen gebe es inhumane und unangemessene W├Ârter. "Mit "R├╝ckf├╝hrungspatenschaften" und "Corona-Diktatur" nehmen wir R├╝cksicht darauf, dass Corona das dominierende Thema ist, Sprachkritik aber auch in anderen Bereichen notwendig bleibt", sagte die Sprecherin der Jury, Nina Janich, der Deutschen Presse-Agentur.

Der Begriff der "Corona-Diktatur" tauchte immer wieder bei Demonstrationen von Gegnern der Corona-Einschr├Ąnkungen auf Plakaten auf, aber auch im Bundestag. "Wir haben in diesem Land die Freiheit zu m├╝hselig errungen, als dass wir sie an der Garderobe eines Notstandkabinetts abgeben. Eine Corona-Diktatur auf Widerruf ist keine L├Âsung. Wir m├╝ssen abw├Ągen, auch um den Preis, dass Menschen sterben", hatte der AfD-Fraktionschef Alexander Gauland im Oktober im Bundestag gesagt.

Der insgesamt 21 mal vorgeschlagene Begriff der "Corona-Diktatur" sei seit Beginn des ├Âffentlichen Diskurses in der Pandemie von selbst ernannten "Querdenkern" und rechten Propagandisten gebraucht worden, um regierungspolitische Ma├čnahmen zur Eind├Ąmmung zu diskreditieren, urteilte die Jury. "Zudem verharmlost der Ausdruck tats├Ąchliche Diktaturen und verh├Âhnt die Menschen, die sich dort gegen die Diktatoren wenden und daf├╝r Haft und Folter bis hin zum Tod in Kauf nehmen oder fliehen m├╝ssen", hei├čt es in einer Mitteilung. Dies erscheine umso problematischer - wie es in einer Einsendung hei├če - als dass dieses Schlagwort oft von denen verwendet werde, die "selbst und zum Teil ganz offen auf die Abschaffung der b├╝rgerlichen Freiheiten und der sie repr├Ąsentierenden Verfassung zielen".

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Der gleichberechtigte, insgesamt 41 mal vorgeschlagene Begriff "R├╝ckf├╝hrungspatenschaften" findet sich im Sprachgebrauch eher selten. Er taucht unter anderem in einer Mitteilung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion unter dem Titel "Lasten fair verteilen. Interessen aller EU-Mitgliedstaaten in der Asyl- und Migrationspolitik zusammenbringen" auf. Hiermit sei von der EU-Kommission ein neuer Mechanismus der Migrationspolitik bezeichnet worden, hei├čt es von der Jury der sprachkritischen Aktion.

"Die EU-Staaten, die sich weigern, Fl├╝chtlinge aufzunehmen, sollen ihrer "Solidarit├Ąt" mit den anderen Mitgliedern der EU dadurch gerecht werden, dass sie die Verantwortung f├╝r die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber ├╝bernehmen", hei├čt es in der Mitteilung. Das Wort sei zynisch und besch├Ânigend. Mit "R├╝ckf├╝hrung", so habe es in einer der Einsendungen gehei├čen, werde suggeriert, "dass Abschieben eine gute menschliche Tat" sei.

Die EU-Kommission verteidigte ihr Konzept der "R├╝ckf├╝hrungspatenschaften". Es handele sich um ein neues Politik-Konzept und k├Ânne deshalb tats├Ąchlich zu Verst├Ąndnisfragen f├╝hren, sagte ein Sprecher der Br├╝sseler Beh├Ârde. Grunds├Ątzlich k├Ânnten solche R├╝ckf├╝hrungspatenschaften jedoch ein "handfestes Zeichen der Solidarit├Ąt zwischen Mitgliedsstaaten" sein und zum guten Migrationsmanagement in Europa beitragen. Das Konzept sei Teil von Reformvorschl├Ągen der EU-Kommission f├╝r eine neue Asyl- und Migrationspolitik in Europa.

Die EU-Staaten sind bei diesem Thema seit Jahren tief zerstritten. Einige Staaten wie Italien oder Griechenland fordern, dass andere L├Ąnder ihnen Schutzsuchende abnehmen. Andere wie Ungarn oder Tschechien lehnen es kategorisch ab, sich zur Aufnahme von Migranten zu verpflichten. Das Konzept wird in der Praxis allerdings noch lange nicht angewendet.

Die Corona-Pandemie war bei den Vorschl├Ągen zum "Unwort" das dominierende Thema der 1826 bis zum 31. Dezember eingegangenen Einsendungen. Es gab 625 unterschiedliche Vorschl├Ąge. 75 der W├Ârter entsprachen einem der vier Unwort-Kriterien.

Die sprachkritische Aktion "Unwort des Jahres" m├Âchte mit ihrer allj├Ąhrlichen Aktion auf unangemessenen Sprachgebrauch aufmerksam machen und so sensibilisieren. Dabei werden W├Ârter ger├╝gt, die gegen die Prinzipien der Menschenw├╝rde oder Demokratie versto├čen, die gesellschaftliche Gruppen diskriminieren oder die euphemistische, verschleiernde oder irref├╝hrende Formulierungen sind. Reine Schimpfw├Ârter z├Ąhlen nicht. Vorschl├Ąge m├╝ssen eines der Kriterien erf├╝llen. Die Jury richtet sich nicht nach der Menge der Vorschl├Ąge f├╝r ein einzelnes Wort.

Das "Unwort des Jahres" wird seit 1991 gek├╝rt. 2019 war es "Klimahysterie". Bereits Ende November hatte die Jury der Gesellschaft f├╝r deutsche Sprache "Corona-Pandemie" zum "Wort des Jahres" 2020 gek├╝rt.

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