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New Orleans bittet Evakuierte nach "Ida": Kommt nicht zurĂŒck

Von dpa
Aktualisiert am 30.08.2021Lesedauer: 4 Min.
Schnappschuss vor Welle: Ein Mann macht in New Orleans ein Selfie von sich.
Schnappschuss vor Welle: Ein Mann macht in New Orleans ein Selfie von sich. Hurrikan "Ida" hat das Festland erreicht. (Quelle: Gerald Herbert/AP/dpa./dpa)
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New Orleans (dpa) - Nach dem Hurrikan "Ida" hat die Stadt New Orleans BĂŒrger, die sich vor dem Sturm anderswo in Sicherheit gebracht hatten, aufgefordert, noch nicht zurĂŒckzukommen.

Es gebe in der Stadt keinen Strom und keine Grundversorgung, zudem seien viele Straßen voller TrĂŒmmer, erklĂ€rte die Einsatzzentrale der Stadt am Montag ĂŒber Twitter. In Großbuchstaben hieß es: "Kommen Sie nicht zurĂŒck."

In New Orleans leben mehr als 400.000 Menschen. Die Stadt ist seit Hurrikan "Ida" am Sonntag ohne Strom. Behördenvertreter hoffen, dass zumindest einzelne der acht Hochspannungsleitungen, die in die Stadt fĂŒhren, bald repariert werden können.

Der Gouverneur von Louisiana, John Bel Edwards, sagte, er gehe fest davon aus, dass die Zahl der Toten im Laufe des Tages "deutlich" steige. "Die SchĂ€den sind wirklich katastrophal." Stundenlang wĂŒtete der Sturm mit Windgeschwindigkeiten um die 200 Stundenkilometer, wie das Nationale Hurrikanzentrum (NHC) erklĂ€rte.

Der Sturm weckte böse Erinnerungen, denn er erreichte Louisiana auf den Tag genau 16 Jahre nach Eintreffen des verheerenden Hurrikans "Katrina", der in und um New Orleans rund 1800 Menschen das Leben kostete.

Der Wiederaufbau werde Wochen dauern, sagte der Gouverneur am Montagmorgen (Ortszeit) dem TV-Sender NBC. Die Rettungs- und BergungseinsĂ€tze liefen teils schleppend an, weil so viele Straßen durch TrĂŒmmer unpassierbar seien. Er betonte zugleich, es sei sehr erfreulich, dass das Hochwasserschutzsystem in New Orleans, das nach der Zerstörung durch "Katrina" im Jahr 2005 gebaut worden war, gehalten habe. Er hoffe, dass die ElektrizitĂ€t zumindest in Teilen von New Orleans "bald" wieder hergestellt werde, sagte Edwards.

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Eine besondere Gefahr ging zunĂ€chst von den zahlreichen umgestĂŒrzten Strommasten aus. In vielen Gegenden waren die Notrufzentralen ĂŒberlastet. Die Behörden riefen die BĂŒrger wegen Überschwemmungen auf, ihr Leitungswasser vor dem Trinken abzukochen.

Die Chefin der US-Katastrophenschutzbehörde Fema, Deanne Criswell, sagte dem Sender CNN am Morgen, es gebe Berichte ĂŒber möglicherweise eingestĂŒrzte GebĂ€ude und eine Reihe von KrankenhĂ€usern werde mit Notstrom-Generatoren betrieben. "Ida" sei nicht nur als "extrem gefĂ€hrlicher Hurrikan" der Stufe vier auf Land getroffen, sondern auch stundenlang ein solcher Sturm geblieben.

Ein "Monster-Sturm"

Einige Medien nannten "Ida" einen "Monster-Sturm", da sich die StĂ€rke seiner Böen innerhalb von 24 Stunden nach Angaben von Meteorologen auf "explosive" Art verdoppelt hatte. Im Laufe der Nacht schwĂ€chte sich der Hurrikan ab, und das Nationale Hurrikanzentrum stufte ihn zu einem Tropensturm herab. "Ida" zog am Montag als Tropensturm in nordöstlicher Richtung ĂŒber Louisiana weg und sollte noch am Nachmittag den Nachbarstaat Mississippi erreichen.

Fotos und Videos in örtlichen Medien zeigten in den kĂŒstennahen Gebieten HĂ€user, die unter Wasser standen, Straßen, die zu FlĂŒssen anschwollen, abgedeckte HĂ€user und zahlreiche entwurzelte BĂ€ume und umgeknickte Strommasten. Aus SicherheitsgrĂŒnden sei zudem die wichtige Erdöl-Produktion in der Region teilweise stillgelegt worden.

Im Ort Galliano habe der Sturm Teile des Daches eines Krankenhauses weggerissen. Es sei aber niemand verletzt worden. Die Kliniken in der Region seien angesichts der Ausbreitung der Delta-Variante derzeit mit Corona-Patienten gut ausgelastet, hieß es.

"Wir haben schon frĂŒher Überschwemmungen und StĂŒrme erlebt. Aber so viel Wasser habe ich noch nie gesehen", berichtete Tim Kerner, der BĂŒrgermeister des Örtchens Jean Lafitte CNN. "Ida" habe seine Gemeinde völlig verwĂŒstet. Da ein vom Wasser mitgerissenes Fahrzeug eine BrĂŒcke zerstört habe, sĂ€ĂŸen 200 bis 300 Einwohner fest.

Nationalgarde aktiviert

Louisianas Gouverneur Edwards aktivierte die Nationalgarde mit rund 5000 Soldaten und mobilisierte Hunderte Bergungsexperten. Zudem standen Tausende Arbeiter bereit, um die Stromversorgung wieder herzustellen. Besonders betroffen waren niedrig liegende Gebiete sĂŒdwestlich der Stadt New Orleans, fĂŒr die es zuvor zumeist Evakuierungsanordnungen gegeben hatte. Auch aus der weiter nördlich gelegenen Kleinstadt Houma mit rund 30 000 Einwohnern, die direkt im Pfad des Sturms lag, kamen erste Berichte ĂŒber schwere SchĂ€den.

In der Gemeinde Prairieville wurde eine Person von einem umstĂŒrzenden Baum tödlich verletzt, wie das örtliche Sheriff-BĂŒro am Sonntagabend auf Facebook mitteilte. Es soll sich um einen 60-JĂ€hrigen handeln, berichteten Medien. Der Ort liegt sĂŒdöstlich von Baton Rouge, der Hauptstadt Louisianas. Zudem waren in dem Bundesstaat und im benachbarten Mississippi mehr als eine Million Kunden ohne Strom, wie aus Daten der Website poweroutage.us hervorging.

Der Strom fiel auch im gesamten Stadtgebiet von New Orleans aus, wie die Einsatzzentrale mitteilte. "Der einzige Strom in der Stadt kommt von Generatoren", hieß es. Die meisten der rund 400 000 Einwohner von New Orleans mussten sich mit Kerzen, Taschenlampen oder Gaslampen behelfen - oder in der Dunkelheit ausharren. Vom zustĂ€ndigen Stromunternehmen Entergy kamen keine guten Nachrichten: Der Hurrikan habe alle acht fĂŒr die Strombelieferung der Stadt zustĂ€ndigen Leitungen beschĂ€digt.

PrĂ€sident Joe Biden erklĂ€rte fĂŒr Louisiana - wie vom Bundesstaat erbeten - den Katastrophenfall. Somit können Bundesmittel fĂŒr den Wiederaufbau und zur UnterstĂŒtzung freigegeben werden, wie das Weiße Haus mitteilte. Seit "Katrina" wurden in der Region bereits Milliarden Dollar in den Hochwasserschutz investiert.

Biden hatte zuvor die Zentrale der US-Katastrophenschutzbehörde Fema in Washington besucht. Er versprach den Menschen die UnterstĂŒtzung der Regierung. "Sobald der Sturm vorĂŒbergezogen sein wird, werden wir die ganze Macht dieses Landes fĂŒr Rettung und Wiederaufbau einsetzen." Die Behörde Fema flog Hunderte Helfer und VorrĂ€te - darunter Millionen Mahlzeiten, Trinkwasser und Dutzende Generatoren - in die Region. Auch Dutzende Krankenwagen und mehrere SanitĂ€tsflugzeuge wurden bereitgestellt. Die KĂŒstenwache stationierte zahlreiche Hubschrauber und Boote fĂŒr den Rettungseinsatz. Auch das US-MilitĂ€r bereitete sich auf einen Hilfseinsatz vor.

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