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Omikron-Welle rollt - Sieben-Tage-Inzidenz mit Höchstwert

Von dpa
Aktualisiert am 15.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Coronatest-Labor in Heidelberg.
Coronatest-Labor in Heidelberg. (Quelle: Uwe Anspach/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Die Virusvariante Omikron treibt die Corona-Zahlen weiter steil nach oben - aus Sicht von Experten könnte sie aber der Anfang vom Ende der Pandemie in Deutschland sein.

Am Samstagmorgen erreichte die Sieben-Tage-Inzidenz mit 497,1 nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) erneut einen Höchstwert. Die GesundheitsÀmter meldeten dem RKI binnen eines Tages 78.022 neue Infektionen. Notfallmediziner rechnen damit, dass sich das auch bald in den KrankenhÀusern niederschlÀgt. Zugleich macht der von der Bundesregierung berufene Corona-Experte Lars Kaderali allerdings Hoffnung.

Wann verliert das Virus an Schreken?

"Ich wĂŒrde das tatsĂ€chlich so sehen, dass Omikron die TĂŒr sein könnte", sagte der Greifswalder Bioinformatiker der Deutschen Presse-Agentur. Einen lockereren Umgang mit dem Coronavirus, wie er in Spanien erwogen wird, hĂ€lt er hierzulande zwar nicht fĂŒr ratsam. Spanien habe eine deutlich höhere Impfquote und eine deutlich höhere Zahl an durchgemachten Infektionen als Deutschland. Dennoch könne das Virus fĂŒr den kommenden Herbst an Schrecken verlieren.

Omikron ist nach Erkenntnissen des RKI auch hierzulande inzwischen vorherrschend. Erwartet wird laut Gernot Marx von der Fachgesellschaft der Intensiv- und Notfallmediziner, dass gegenĂŒber der Delta-Variante, bei der etwa 0,8 Prozent der Infizierten intensivmedizinisch versorgt werden mussten, deutlich weniger positiv Getestete einen so schweren Verlauf nehmen. Zuletzt sank die Zahl der auf Intensivstationen behandelten Corona-Infizierten erstmals seit Mitte November wieder knapp unter die 3000er-Marke.

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Intensivstationen noch nicht betroffen

Trotzdem gilt es den Experten zufolge eine Überlastung in den KrankenhĂ€usern zu vermeiden. Noch sei die Omikron-Welle auf den Intensivstationen nicht angekommen, sagte Intensivmediziner Christian Karagiannidis im Deutschlandfunk. Er rechne aber damit, dass es in der nĂ€chsten oder ĂŒbernĂ€chsten Woche deutlich mehr Corona-Patienten in den Notaufnahmen gebe werde. Der Experte leitet das Intensivregister der Deutschen InterdisziplinĂ€ren Vereinigung fĂŒr Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) und ist Mitglied des Corona-Expertenrats der Bundesregierung.

Das RKI gab die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen am Freitag mit 3,23 an. Sie ist damit erstmals seit einigen Tagen wieder gestiegen. Am Wochenende wird die Kennziffer nicht veröffentlicht.

Derzeit infizierten sich noch hauptsĂ€chlich jĂŒngere Menschen im Alter bis 35 Jahre, die seltener schwere VerlĂ€ufe hĂ€tten, sagte Karagiannidis. Zugleich sehe man aber vermehrt bereits Infektionen in der kritischen Infrastruktur. KrankenhĂ€user mĂŒssten sich darauf vorbereiten, dass Ärzte und PflegekrĂ€fte ausfielen.

Wieler: "Neue Phase der Pandemie"

Nach Ansicht von RKI-PrÀsident Lothar Wieler tritt Deutschland mit der Ausbreitung der hochansteckenden Variante und den stark steigenden Infektionszahlen in eine "neue Phase der Pandemie" ein. "Die reinen Fallzahlen werden weniger entscheidend sein. Wichtiger ist, wie viele Menschen schwer an Covid-19 erkranken und wie stark das Gesundheitssystem dann belastet sein wird", hatte Wieler am Freitag gesagt. Zuletzt wurden binnen 24 Stunden 235 TodesfÀlle verzeichnet.

Bayerns MinisterprĂ€sident Markus Söder mahnte im "MĂŒnchner Merkur" zielgenaue Maßnahmen an. Bisher berichteten Experten ĂŒber eine geringere Anzahl Patienten in den KrankenhĂ€usern und mildere VerlĂ€ufe. "Omikron ist nicht Delta. Das heißt: Wir mĂŒssen genau justieren, welche Regeln zwingend nötig, aber auch verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig sind."

Es werde nicht mehr ausreichen, die Lage nur medizinisch und virologisch zu betrachten. "Wir mĂŒssen auch auf die gesellschaftliche und soziale Komponente stĂ€rker achten." Der CSU-Chef hat sich bislang als Verfechter besonders strenger Corona-Maßnahmen positioniert.

Karagiannidis warnte vor zu frĂŒhen Lockerungen. "Wenn wir das ganze Infektionsgeschehen jetzt extrem laufen lassen und ganz hohe Inzidenzen akzeptieren, dann akzeptieren wir auch, dass das Virus ganz sicher die Ungeimpften findet", betonte er. Bereits jetzt seien 62 Prozent der Corona-Patienten auf den Intensivstationen ungeimpft, nur 5 Prozent hĂ€tten eine Auffrischungsimpfung.

Der MĂŒnchner Experte Clemens Wendtner mahnte zur zĂŒgigen Vorbereitung einer vierten Corona-Impfung. "FĂŒr mich wĂ€re eine Viertimpfung vier bis sechs Monate nach der dritten Impfung eine adĂ€quate Maßnahme", sagte der Chefarzt der Infektiologie an der MĂŒnchen Klinik Schwabing der Deutschen Presse-Agentur. Er verwies zugleich jedoch darauf, dass es aufgrund mangelnder Daten noch keine Empfehlung der StĂ€ndigen Impfkommission (Stiko) zur Viertimpfung gibt.

Debatte um die Impfpflicht

Die Debatte um eine allgemeine Impfpflicht schwelt unter diesen Voraussetzungen weiter. Der designierte GeneralsekretĂ€r der FDP, Bijan Djir-Sarai, kritisierte das Verhalten der Union. Anstatt sich mit eigenen VorschlĂ€gen sachlich einzubringen, schlachte sie das Thema parteipolitisch aus, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Dass die Union erst einen Antrag ankĂŒndige, diese AnkĂŒndigung dann wieder zurĂŒcknehme und auf einen Regierungsentwurf drĂ€nge, sei dem Ernst der Lage nicht angemessen.

Die Durchsetzung der umstrittenen Impfpflicht wĂ€re aus Sicht von TĂŒbingens OberbĂŒrgermeister Boris Palmer kein Problem. "Jede Kommune in Deutschland ist ĂŒber ihre Bußgeldstelle und Einwohnermelderegister in der Lage das umzusetzen", sagte der GrĂŒnen-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Das gehe innerhalb weniger Wochen - auch ohne Impfregister.

Die Kommunen könnten etwa alle BĂŒrger ĂŒber 18 Jahren anschreiben und sie auffordern, innerhalb von vier Wochen einen Nachweis zumindest fĂŒr ihre Erstimpfung schriftlich vorzulegen. Falls sie dem nicht nachkĂ€men, könne ein Strafgeld angedroht werden. Palmer bot an, das in TĂŒbingen zu erproben.

72,6 Prozent der Bevölkerung mit vollstÀndigem Grundschutz

In Deutschland haben inzwischen mindestens 60,4 Millionen Menschen den vollstÀndigen Grundschutz gegen das Coronavirus mit der meist nötigen zweiten Impfung. Das entspricht mindestens 72,6 Prozent der Bevölkerung, wie aus Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin vom Samstag hervorgeht.

Eine zusĂ€tzliche Auffrischungsimpfung hatten bis einschließlich Freitag 38,7 Millionen Menschen (46,6 Prozent) erhalten. Diese ist wichtig fĂŒr einen wirksamen Schutz vor der ansteckenderen Virusvariante Omikron. Das RKI gab die Zahl der Impfungen fĂŒr Freitag mit gut 650.000 an.

Den vollstÀndigen Grundschutz hat, wer zweifach geimpft oder die Einmalimpfung von Johnson & Johnson erhalten hat. Den höchsten Anteil hat bei diesem Wert im Vergleich der BundeslÀnder Bremen mit einer Quote von 85,1 Prozent. Bei den Auffrischungsimpfungen liegt das Saarland mit 55,5 Prozent vorne. Beide Male bildet Sachsen mit 61,7 Prozent beziehungsweise 37,1 Prozent das Schlusslicht.

Mindestens eine Impfdosis erhalten haben bisher 62,4 Millionen Menschen (75,0 Prozent). Die Bundesregierung strebt eine Quote von 80 Prozent Erstgeimpfter bis Ende Januar an.

Auf dem RKI-Dashboard wird darauf hingewiesen, dass die Impfquoten als Mindestimpfquoten zu verstehen sind, "da eine hundertprozentige Erfassung durch das Meldesystem nicht erreicht werden kann". Das Robert Koch-Institut geht davon aus, dass die tatsĂ€chliche Impfquote um bis zu fĂŒnf Prozentpunkte höher liegt.

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