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Vor 30 Jahren starb Petra Kelly – der rätselhafte Tod der Grünen-Ikone


Der rätselhafte Tod der Grünen-Ikone

Von Miriam Hollstein

Aktualisiert am 01.10.2022Lesedauer: 4 Min.
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Petra Kelly 1983 bei einer Demonstration gegen die Stationierung von Atomwaffen in Mutlangen: Die grüne Politikerin wurde 1992 tot aufgefunden.
Petra Kelly 1983 bei einer Demonstration gegen die Stationierung von Atomwaffen in Mutlangen: Die grüne Politikerin wurde 1992 tot aufgefunden. (Quelle: Sommer/imago images)
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Vor 30 Jahren starb die Grünen-Ikone Petra Kelly in ihrer Wohnung durch einen Kopfschuss. Eine neue TV-Dokumentation geht den ungeklärten Todesumständen nach.

Die Nachricht erschütterte am Abend des 19. Oktober 1992 die Bonner Republik. In einem Reihenhaus im Stadtteil Tannenbusch der damaligen Bundeshauptstadt waren die Leichen eines prominenten Politiker-Paares aufgefunden worden. Rasch sprach sich herum, um wen es sich handelte: die Grünen-Politikerin Petra Kelly und ihren Lebensgefährten, den früheren Nato-General Gert Bastian.

Schnell rankten sich zahlreiche Theorien um den Tod der beiden. Sie seien vom chinesischen Geheimdienst ermordet worden, von einer Art Nachfolgeorganisation der Stasi, von bestellten Schergen im Auftrag der Rüstungs- oder Atomlobby. Aber auch die Vermutung, beide hätten gemeinsam Selbstmord begangen, stand im Raum. Oder hatte Bastian seine Partnerin im Schlaf getötet?

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Die Grünen-Frontfrau und der Nato-General: Petra Kelly und Gert Bastian (hier 1988 auf der Bundesversammlung der Grünen in Karlsruhe) waren ein Paar, welches für Aufsehen sorgte. (Quelle: Martin Storz/imago-bilder)

Pünktlich zum 30. Todestag des schillernden Paares (die Leichen wurden erst knapp drei Wochen nach dem mutmaßlichen Todeszeitpunkt entdeckt) zeigen die Streamingdienste Sky und WOW eine dreiteilige Doku-Serie über Kelly und Bastian.

In ihr begibt sich die preisgekrönte Filmemacherin Birgit Tanner auf Spurensuche. Sie hat zahlreiche Gesprächspartner und -partnerinnen interviewt, darunter den Ex-Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter und die schleswig-holsteinische Familienministerin Aminata Touré, frühere Wegbegleiter und -begleiterinnen wie die Grünen Antje Vollmer und Lukas Beckmann und den Liedermacher Konstantin Wecker, aber auch den früheren CSU-Minister Theo Waigel, der politisch auf der Gegenseite stand. Zu Wort kommen außerdem die Kinder von Gert Bastian.

Drohpost mit blutverschmiertem Büstenhalter

Entstanden ist ein sehr einfühlsames Porträt, das die Bedeutung Kellys für ihre Zeit und darüber hinaus ausleuchtet. Für die Grünen, die sie 1983 in den Bundestag führte. Für die Gesellschaft, in der diese körperlich zart wirkende Frau mit ihrem rhetorischen Talent und ihrem bedingungslosen Einsatz gegen Aufrüstung und Atomkraft polarisierte. Und für Freunde und Familie. Sicher ist: Petra Kelly hat niemanden kaltgelassen. In den achtziger Jahren zählte sie zu den am meisten bedrohten Politikerinnen und Politikern, erhielt immer wieder Morddrohungen und Päckchen mit abstoßendem Inhalt wie einem blutverschmierten Büstenhalter. Und das, obwohl sie für gewaltfreien Widerstand eintrat.

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Ausführlich widmet sich Regisseurin Tanner auch den Mordtheorien, die bereits unmittelbar nach dem Tod Kellys zirkulierten. In nachgespielten Rückblenden (Kamera: Jürgen Rehberg) wird in verschiedenen Varianten zu rekonstruieren versucht, was sich damals im Reihenhaus von Kelly und Bastian abgespielt hat.

Verschiedene Mordthesen

Drang ein gedungener Auftragsmörder über die nicht verschlossene Balkontür ein? Der im Auftrag der chinesischen Führung handelte, weil dieser Kellys Engagement für Tibet ein Dorn im Auge war? Steckte die Stasi (oder was von ihr übrig war) hinter dem Mord? Oder ging es um einen schnöden Raubmord? Gegen diese Theorien eines fremden Täters spricht, dass sowohl Kelly als auch ihr Lebensgefährte mit Bastians eigener Waffe erschossen wurden. Auch hatte Bastian Schmauchspuren an seinen Händen. Die offizielle Version lautete deshalb schnell: erweiterter Suizid durch den früheren General Bastian, der mit der Nato gebrochen hatte, um sich der Friedensarbeit zu widmen, und so Petra Kelly kennengelernt hatte. Auch ein ehemaliger Profiler des Bundeskriminalamts kommt zu Wort, der einen Mordanschlag von außen für wenig plausibel hält.

Der frühere Grünen-Politiker Lukas Beckmann, der mit Kelly und Bastian befreundet war, vermutet hingegen, Bastian habe Angst vor einer Enthüllung seiner angeblichen Stasi-Aktivitäten gehabt, die ihm immer wieder nachgesagt, aber nie belegt wurden. Deshalb habe er erst Kelly und dann sich selbst erschossen. Dem widerspricht der Politikwissenschaftler Helmut Müller-Enbergs, der lange bei der Stasi-Unterlagenbehörde arbeitete und inzwischen Leiter der Spionageabwehr beim Verfassungsschutz Berlin ist.

Die Kinder von Bastian glauben an eine Todestheorie

Für die Tochter von Gert Bastian ist der Fall klar: Der Vater tötete seine Lebensgefährtin, weil diese ohne ihn nicht lebensfähig schien. Tatsächlich hatte sich die Beziehung der beiden, auch das schildert die Doku anschaulich, von einer großen Liebe am Ende in ein toxisches Abhängigkeitsverhältnis verwandelt. Von der eigenen Partei verstoßen, zog sich Kelly immer mehr zurück, wurde krank und betonte stets gegenüber Bastian, wie sehr sie ihn brauche. Und doch bleibt die große Frage, ob es der gemeinsame Beschluss des Paares war, aus dem Leben zu scheiden. Oder ob Bastian eigenmächtig entschied, dies sei der einzige Ausweg, und Kelly im Schlaf erschoss.

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Trotz der akribischen Spurensuche bleibt der Tod der beiden rätselhaft. Denn Kellys Terminkalender war randvoll. Und in Bastians Schreibmaschine steckte ein Brief, der mitten im Wort abbrach.

Es bleiben Fragen offen

Es ist ein großes Verdienst dieser Dokumentation, dass sie den Crime-Aspekt nicht zum alles beherrschenden Thema macht. Gezeigt wird etwa auch, wie schwer es für Frauen war, sich in der von Männern dominierten Kultur des Bundestags durchzusetzen. Im Gespräch mit der Fridays-for-Future-Aktivistin Carla Reemtsma wird deutlich, welche Pionierarbeit Kelly für diese Generation geleistet hat. Sie sei die "Greta Thunberg ihrer Zeit" gewesen, heißt es an einer Stelle.

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Petra Kelly bei einer Demonstration: Was würde sie heute zum Ukraine-Krieg sagen? (Quelle: dpa)

Was würde Petra Kelly, die heute 74 Jahre alt wäre, zum Ukraine-Krieg sagen? Diese Frage lässt die Doku-Serie Theo Waigel beantworten: "Sie ist eine absolute Pazifistin gewesen, ohne Kompromisse." Das wäre sie auch wohl heute noch, glaubt der frühere CSU-Politiker.

Petra Kelly hat einmal gesagt: "Lieber qualitativ ein relativ kurzes Leben als ein langes, was nicht qualitativ ist." Dass ausgerechnet sie, die ohne Gewalt die Welt verändern wollte, durch Gewalt starb, macht ihren Tod besonders tragisch. Sie wurde nur 44 Jahre alt. Die Doku-Serie setzt der Politikerin, die eine ganze Epoche geprägt hat, ein nicht unkritisches, aber würdevolles Denkmal. Und ist nebenbei auch noch eine unterhaltsam-spannende Lektion in Zeitgeschichte geworden.

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Verwendete Quellen
  • "Petra Kelly - Der rätselhafte Tod einer Friedensikone": Dreiteilige Dokuserie, ab dem 1. Oktober auf Sky Crime und WOW
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