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Erdbebenunglück: "Inwieweit die Türkei dort helfen will, wissen wir nicht"


Um 5.45 Uhr bebte die Erde
"Er musste überlegen, welches Kind er zuerst rettet"

Von Tobias Eßer

Aktualisiert am 06.02.2023Lesedauer: 3 Min.
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In der Stadt Jandaris, im Nordwesten Syriens, bergen Menschen ein Opfer des Erdbebens aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses.Vergrößern des Bildes
In der Stadt Jandaris, im Nordwesten Syriens, bergen Menschen ein Opfer des Erdbebens aus den Trümmern eines eingestürzten Hauses. (Quelle: RAMI AL SAYED)

Nach den schweren Erdbeben in der Türkei und Nordsyrien versuchen Helfende, Menschen aus den Trümmern zu bergen. Die Situation ist unübersichtlich.

Es ist eine Naturkatastrophe mit kaum abschätzbaren Konsequenzen: Um 5.45 Uhr bebte am Montagmorgen die Erde in der südlichen Türkei und in Nordsyrien, weitere Nachbeben von Stärken bis zu 7,9 auf der Richterskala erschütterten im Verlauf des Vormittags die Region. Mindestens 1.500 Menschen kamen nach bisherigen Angaben ums Leben, Tausende wurden schwer verletzt.

Video | Häuser stürzen vor laufenden Kameras ein
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Quelle: Reuters

Eine, die das Geschehen vor Ort besonders eng verfolgt, ist die Grünen-Bundestagsabgeordnete Lamya Kaddor, die mitten im Erdbebengebiet Verwandtschaft hat. "Es gab wohl ein schweres Gerumpel, ein Dröhnen", sagte Kaddor t-online. Die Menschen seien aus dem Schlaf gerissen worden. "Sie hatten nur kurz Zeit, um das Nötigste zu packen und auf die Straße zu flüchten."

Die Opferzahlen sind bereits jetzt sehr hoch – und sie dürften angesichts der vielen unter den Trümmern eingeschlossenen Menschen noch weiter steigen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan bezeichnete die Erdbeben in einer Fernsehansprache als "schwerste Katastrophe seit 1939". Mehr zu den Erdbeben in der Türkei und in Syrien lesen Sie hier.

"Mein Cousin musste überlegen, welches Kind er zuerst rettet"

Lamya Kaddors Familie ist direkt von der Katastrophe betroffen. Nach dem ersten Beben am frühen Morgen sei alles sehr schnell gegangen, erzählt sie von den Berichten ihrer Verwandten. "Mein Cousin musste überlegen, welches Kind er zuerst rettet", sagte sie. Ein anderer Cousin arbeitet in einem Krankenhaus in der Erdbebenregion. "Er sagt, es gebe dort zu wenig Ausrüstung, um alle Verletzten zu versorgen", so Kaddor.

Das Erdbeben hat eine von vielen Krisen gebeutelte Region und ihre Bewohnerinnen und Bewohner getroffen. Nach dem völkerrechtswidrigen Einmarsch der Türkei in die syrische Region Efrîn, der Vertreibung ihrer hauptsächlich kurdischen Einwohnerinnen und Einwohner und der Corona-Pandemie ist das Erdbeben ein weiterer Rückschlag für die Menschen vor Ort.

Humanitäre Hilfe ist in Syrien besonders schwierig

Für humanitäre Helferinnen und Helfer sei die Arbeit in der Region schwierig, so Kaddor: "Humanitäre Hilfe gibt es nur von der Türkei in Form der Crossborder-Hilfe." Durch diese Hilfe dürfen die Vereinten Nationen und die Türkei Hilfsgüter über einen Korridor nach Syrien bringen. Ob die Hilfe dort ankommt, ist allerdings nicht sicher – denn in dem betroffenen Gebiet leben vor allem Kurdinnen und Kurden. "Inwieweit die Türkei dort helfen will, wissen wir nicht", erklärte Kaddor.

Auch Anita Starosta, bei Medico International Referentin für die Türkei, Nordsyrien und den Irak, fordert dringend Hilfe für die syrischen Erdbebenopfer: "Es müssen jetzt politische Schritte unternommen werden, um den Menschen in Syrien effektiv und schnell zu helfen". Dort sei die Lage nach Krieg und Krankheiten besonders prekär: In Nordsyrien gebe es etwa drei Millionen Binnenflüchtlinge, die zum großen Teil in Zeltlagern lebten.

"Wir können unsere Mitarbeitenden nur vereinzelt erreichen"

Der Syrische Zivilschutz, international als "Weißhelme" bekannt, leistet zumindest schon Hilfe in einigen syrischen Gebieten. Auch der Kurdische Rote Halbmond ist vor Ort. "Die Situation ist gerade in Syrien sehr unübersichtlich", sagte ein Sprecher der Organisation t-online. "Wir haben Tote und Verletzte in vielen Provinzen. Aber gleichzeitig ist das Internet zusammengebrochen und das Mobilfunknetz instabil. Wir können unsere Mitarbeitenden nur vereinzelt erreichen."

Schnelle Hilfe für die Region sei wichtig, erklärt Grünen-Politikerin Kaddor: "In den betroffenen Gebieten herrscht Kontinentalklima. Es ist dort ungefähr so kalt wie in Berlin", erzählt sie. "Es muss jetzt politische Absprachen zwischen denjenigen geben, die helfen wollen." Nur so könne sicher sein, dass die Hilfe auch dort ankomme, wo sie gerade dringend gebraucht werde.

Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
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