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Tonga-Tsunami: "Das Schlimmste ist, dass wir absolut nichts wissen"


Katastrophe auf Tonga
"Das Schlimmste ist, dass wir absolut nichts wissen"

Von afp, NoS, loe, akr

Aktualisiert am 17.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Ausbruch eines unterseeischen Vulkans in Tonga: Es herrscht noch immer völlige Unklarheit über das Ausmaß der Schäden.Vergrößern des BildesAusbruch eines unterseeischen Vulkans in Tonga: Es herrscht noch immer völlige Unklarheit über das Ausmaß der Schäden. (Quelle: New Zealand High Commission/ZUMA Press Wire Service/dpa)
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Nach dem Vulkanausbruch in Tonga dringt nur wenig an die Außenwelt. Erste Berichte aus dem Land waren für Angehörige zunächst hoffnungsvoll – doch nach dem Fund einer Leiche gibt es wohl keinen Grund zur Entwarnung.

Wie geht es den Menschen in Tonga nach dem Vulkanausbruch? Diese Frage treibt aktuell viele Angehörige um, die Familienmitglieder und Freunde in dem Pazifikstaat haben. Ersten Berichten zufolge ist die Westküste Tongas möglicherweise schwer von dem Vulkanausbruch betroffen – nähere Informationen gibt es bislang nur bruchstückhaft.

Eine Vermisste ist Angela Glover, die von den Wassermassen mitgerissen worden sei. Das berichtet die britische Tageszeitung "The Guardian". Wie ihr Bruder Nick Eleini dem Fernsehsender BBC nun mitteilte, sei ihre Leiche von ihrem Ehemann James Glover gefunden worden. Die Familie sei nach der Nachricht "am Boden zerstört", sagte Eleini der BBC. Die Frau sei von einer Flutwelle erfasst worden, als sie ihre Hunde retten wollte.

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Eleini, der in Sydney lebt, sagte dem britischen "Guardian" mehrere Stunden vor dem Fund: "Angela und ihr Mann James wurden weggespült. James konnte sich ziemlich lange an einem Baum festhalten, aber Angela konnte das nicht und wurde mit den Hunden weggespült, ich glaube vier oder fünf Hunde."

"Ich glaube nicht, dass es ein Happy End geben wird"

Der Ehemann James Glover sei zurück zum Haus gegangen, um Polizei und die britische Botschaft zu kontaktieren. Das sei über ein bereitgestelltes Satellitentelefon möglich gewesen. Bereits während der Suche zeigte sich Eleini wenig hoffnungsvoll: "Ich glaube nicht, dass es ein Happy End geben wird."

Angela Glover betrieb nach Angaben ihres Bruders in Tonga ein Tierheim für streunende Hunde. Sie wurde im englischen Ort Brighton geboren, entschied sich aber vor ein paar Jahren, mit ihrem Ehemann James nach Tonga auszuwandern. Eleini glaubt, dass seine Schwester in Ahau, einem Dorf im Westen der Insel Tongatapu gewesen sein könnte, bevor die Wassermassen kamen. "Ich dachte, wenn sie zu Hause wären, wäre alles in Ordnung, aber das ist eine sehr kleine Landzunge, nur wenige Meter über dem Meeresspiegel."

Erste Berichte aus Tonga waren optimistisch

Erste Berichte aus Tonga stimmten Angehörige zunächst hoffnungsvoll. Am Sonntag schrieb Jenny Salesa, Mitglied des neuseeländischen Parlaments, auf Twitter, sie habe mit einem Minister der tonganischen Inselgruppe Ha'apai sprechen können. Dieser berichtete, dass es auf der Hauptinsel keine Opfer gegeben habe.

"Nichts zu wissen, ist für viele unserer Familien herzzerreißend", so Salesa vor einem Tag. Es sei noch unklar, welche weiteren Folgen der Tsunami auch für andere Gebiete habe. Sie sprach von Tausenden Menschen, die nicht wüssten, wie es ihren Angehörigen gehe.

Angehörige vermisst ihren gelähmten Onkel

Unter ihnen ist auch Seini Taumoepeau. Laut "Guardian" bange sie um ihren Onkel, von dem bislang jedes Lebenszeichen fehle. Taumoepeau lebt in Sydney und habe seit dem Vulkanausbruch am Samstag kaum geschlafen.

Ihr Onkel lebe in einem Dorf auf der Hauptinsel Tongatapu und müsse wegen einer Lähmung im Rollstuhl sitzen. "Er ist eine wichtige Person, da haben wir Glück", sagt Taumoepeau der Zeitung und verweist damit auf das stark hierarchische Gesellschaftssystem in Tonga. Aufgrund seines Status gebe es Menschen, die ihm helfen werden. Die Angehörige nennt es eine "kulturelle Verpflichtung".

Trotzdem mache sie sich große Sorgen um ihren Onkel, der nach dem Tod ihrer Eltern eine wichtige Bezugsperson für sie sei. Normalerweise schreibe sie täglich mit ihm, doch aktuell dringe keine Nachricht nach Tonga. Taumoepeau zeigte sich frustriert, dass sie zwar über Neuigkeiten informieren könne, es aber trotzdem keine Auswirkungen auf das Geschehen vor Ort habe. "Darin liegt die Frustration: die Sinnlosigkeit all dieser Energie, die aufgewendet wird", so Taumoepeau.

"Es gibt keinerlei Kommunikation"

Nach dem Ausbruch vor der Küste Tongas herrscht auch Unklarheit über das Ausmaß der Schäden in dem Pazifikstaat. Tonga war am Montag weiter nahezu komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Die Telefonverbindungen sind unterbrochen, ein Unterseekabel für das Internet wurde bei der Eruption des Vulkans Hunga Tonga-Hunga Ha'apai beschädigt: Seine Reparatur kann nach Angaben des Betreibers rund zwei Wochen dauern.

"Es gibt keinerlei Kommunikation", klagte der in Neuseeland lebende tongaische Journalist Filipo Motulalo. "Das Schlimmste ist dieser Blackout, die Tatsache, dass wir absolut nichts wissen." Australiens Entwicklungsminister Zed Seselja berichtete am Montag, ein kleines Kontingent in Tonga stationierter australischer Polizisten habe "ziemlich besorgniserregende" Schilderungen geliefert.

Der schwerste Vulkanausbruch seit Jahrzehnten

In Australien und Neuseeland stehen Transportflugzeuge für Hilfsflüge nach Tonga bereit. Internationale Hilfsorganisationen konnten bisher nicht aktiv werden – sie warten noch auf genaue Nachrichten und können keinen Kontakt zu ihren Mitarbeitern vor Ort aufnehmen. "Nach den bruchstückhaften Informationen, die wir haben, scheint das Ausmaß der Verwüstung ziemlich groß, vor allem auf den vorgelagerten Inseln", sagte Katie Greenwood vom Internationalen Roten Kreuz.

Der Vulkanausbruch am Samstag war einer der schwersten seit Jahrzehnten und noch in Alaska messbar. In weitem Umkreis im Pazifik gingen Asche und saurer Regen nieder. Die Eruption führte zu Tsunami-Wellen, die noch an weit entfernten Küsten von Japan bis in die USA zu bemerken waren.

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