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Droge Krokodil: Russland kämpft gegen neue Droge

Russland kämpft mit dem Krokodil

15.07.2011, 09:18 Uhr | Von Christina Rath

Droge Krokodil: Russland kämpft gegen neue Droge. Gefährliche Droge "Krokodil": Junkies können den flüssigen Giftmix relativ einfach zubereiten (Foto: www.vsp.ru)

Junkies können den flüssigen Giftmix relativ einfach zubereiten (Foto: www.vsp.ru)

Codein, Salzsäure, Jod, Essig, Schwefel dazu Benzin und Farbverdünner, das sind die Zutaten für eine neue synthetische Droge, die den russischen Schwarzmarkt überschwemmt. Desomorphin oder auch "Krokodil" heißt das giftige Gemisch, das nur kurz wirkt, sofort abhängig macht und den Körper unumkehrbar zerstört. Und das trotzdem von immer mehr Junkies in Russland konsumiert wird.

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Desomorphin ist in der Wirkung vergleichbar mit Heroin, allerdings viel gefährlicher. Es sorgt dafür, dass die Haut schuppig wird und sich grünlich verfärbt - daher der Name Krokodil. Das Immunsystem, Leber und Nieren werden zerstört, das Knochengewebe porös. Blutgefäße platzen, Gliedmaßen sterben ab.

Körper zerfällt schnell

Es entstehen Geschwüre, die einfach nicht heilen wollen, der Körper beginnt quasi von innen her zu verfaulen. Zudem sind nach Angaben der Gesundheitsfürsorge 33 Prozent der Konsumenten mit Hepatitis C infiziert. Der Zerfallsprozess geht vor allem sehr schnell: Abhängige sterben im Schnitt innerhalb eines Jahres.

Doch für Junkies hat der zerstörerische Stoff gegenüber dem Heroin einige entscheidende Vorteile: Es ist billig, leicht zu beschaffen und einfach herzustellen. Hauptbestandteil der Droge sind codeinhaltige Tabletten, die in russischen Apotheken rezeptfrei erhältlich sind. "Codeintabletten sind einfach zu bekommen," sagt der Drogenabhänge Igor, 35, in einem Interview mit der Agentur "Interfax". "Viele Apotheker raten einem sogar dazu, gleich mehrere Packungen zu nehmen, weil es dann billiger wird."

Zusammen mit den anderen toxischen Bestandteilen wird aus dem Codein eine flüssige Substanz "gekocht" und injiziert. Die Wirkung des Rauschgifts soll etwa eine Stunde andauern, heißt es, dann verlangt der Körper nach mehr. Schon der erste Schuss macht nach Angaben der Agentur "Ria Nowosti" abhängig, und wegen der chemischen Eigenschaften von Desomorphin kommen die Konsumenten nur schwer davon los: Etwa die Hälfte der Kranken wird rückfällig.

Schwerer Entzug

Hinzu kommt, dass die chemischen Stoffe nicht als reine Reagenzmittel verwendet werden. Zu den beigemischten Stoffen, die während der Drogengewinnung nicht herausgefiltert werden, gehört unter anderem der weiße Phosphor, der irreversible Schäden im Körper verursacht.

In einem Bericht über die das Rauschmittel zitiert die britische Zeitung "The Independant" einen Arzt aus Twer, einer Stadt an der Bahnstrecke zwischen Moskau und St. Petersburg: "Desomorphin verursacht den höchsten Grad an Abhängigkeit und ist am schwersten zu heilen", sagt Artjom Jegorow.

"Beim Heroinentzug dauern die Symptome fünf bis zehn Tage", sagt Jeworow. "Dann ist der physische Schmerz weg." Bei Krokodil könne der Schmerz bis zu eine Monat anhalten, und er sei nur mit sehr starken Tranquilisern auszuhalten.

65 Millionen Dosen Desomorphin innerhalb von drei Monaten

Zum ersten Mal tauchte Krokodil um das Jahr 2002 in Sibirien und im Osten Russlands auf. Doch in den vergangenen Jahren hat sich der Stoff rasant ausgebreitet. Von insgesamt etwa 2,5 Millionen Drogenabhängigen in Russland konsumieren mittlerweile mehrere Zehntausend Desomorphin.

"Der Verkauf von codeinhaltigen Tabletten ist in den letzten fünf Jahren dutzendfach gestiegen", sagt Viktor Iwanow, Leiter der nationalen Drogenstelle (FSKN). "Es ist offensichtlich, dass das nicht von vermehrten Kopfschmerzen kommt." Allein in den ersten drei Monaten dieses Jahres seien in Russland 65 Millionen Dosen der Droge konfisziert worden, erklärt Iwanow.

Die russische Regierung hat den immensen Drogenproblemen im Land bisher wenig entgegenzusetzen. Außer einer Handvoll Rehabilitationskliniken des Gesundheitsministeriums gibt es keine staatlichen Hilfen für Abhängige.

So müssen die Menschen sich selbst helfen - wie die Stiftung "Gorod bez narkotikow" (Stadt ohne Drogen") in Jekaterinenburg. Die Stadt im Ural gilt als Desomorphin-Hochburg. Die Stiftung ist wegen ihrer gewalttätigen Methoden sehr umstritten: Patienten werden an ihre Betten gekettet und verprügelt, Medikamente gegen die Entzugsqualen gibt es grundsätzlich nicht. Trotzdem sind die Plätze in den Zentren begehrt, es gibt lange Wartelisten.

Desomorphin in Deutschland kein Thema

"Das Problem mit der Droge Krokodil ist meiner Meinung nach ein russisches", sagt Alexander Kießling, Pressesprecher der Polizei Frankfurt am Main. In Deutschland gebe es bislang keine offiziell gemeldeten Fälle. "Bei uns gibt es auch eine ganz andere Drogenpolitik." Die Drogenberatungsstellen seien voll, Abhängige können Heroin zu realistischen Preisen bekommen.

"Da wird sich hier keiner dran wagen", pflichtet ihm Thomas Zosel, Drogenverbindungsbeamter in Frankfurt, bei. "Wir setzen auf Prävention und sachliche Aufklärung, gehen in die Schulen und warnen eindringlich - auch vor Desomorphin." Und er betont: "Sollten wir mitbekommen, dass hier in Frankfurt mit Desomorphin gehandelt wird, werden wir alles dransetzen, diese Quelle zu schließen. Wir müssen die Bürger schützen. Das ist unsere Aufgabe."

Krisensitzung mit dem Präsidenten

Auch in Russland hat sich jetzt etwas bewegt: Um auf den Ernst der Lage hinzuweisen, initiierte die FSKN im April eine Krisensitzung, an der auch Präsident Dmitri Medwedew teilnahm. Diese löste eine öffentliche Debatte im Land aus über obligatorische Drogentests an Schulen und die Einrichtung weiterer Therapiestätten in den nächsten fünf Jahren. Und einen kleinen Erfolg gibt es dann doch: Vergangenen Monat wurde beschlossen, dass es codeinhaltige Medikamente ab dem 1. Juni 2012 in Apotheken nur auf Rezept gibt.

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