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Schon wieder mehr als 30 Tote bei einem Blutbad in brasilianischem Gefängnis

Tödlicher Bandenkrieg  

Mehr als 30 Tote bei neuem Blutbad in brasilianischem Gefängnis

06.01.2017, 19:27 Uhr | AFP

Schon wieder mehr als 30 Tote bei einem Blutbad in brasilianischem Gefängnis. Ein Satellitenbild der Haftanstalt im brasilianischen Boa Vista, in der es viele Tote gab. (Quelle: dpa)

Ein Satellitenbild der Haftanstalt im brasilianischen Boa Vista, in der es viele Tote gab. (Quelle: dpa)

Nur fünf Tage nach einem blutigen Gefängnisaufstand in Brasilien sind erneut dutzende Häftlinge bei einem Blutbad in einer Haftanstalt getötet worden.

Nach Behördenangaben wurden am Freitagmorgen 33 Tote in einer Haftanstalt in Boa Vista, der Hauptstadt des Bundesstaats Roraima, gefunden. In dem Gefängnis kam es offenbar zu Streitigkeiten zwischen rivalisierenden Drogenbanden.

Racheakte für Manaus?

Bei den Auseinandersetzungen im Gefängnis Agrícola de Monte Cristo in Boa Vista habe es sich nicht um eine "Meuterei" gehandelt, sondern um einen "schnellen" Angriff einer Gruppe von Häftlingen auf eine andere Gruppe, erklärte eine Behördensprecherin. Die Kämpfe hätten nicht einmal eine Stunde gedauert.

Die meisten Opfer wurden nach Angaben der Sprecherin mit Messern getötet. In dem Gefängnis seien keine Schusswaffen gefunden worden. Die Lage sei inzwischen wieder "unter Kontrolle".

In dem Gefängnis in Boa Vista sind Mitglieder der Drogenbande Comando Vermelho (Rotes Kommando) aus Rio de Janeiro inhaftiert. Sie ist mit der Bande Familia del Norte (Familie des Nordens) verbündet, die für das Blutbad im nordbrasilianischen Manaus vor fünf Tagen verantwortlich gemacht wird.

Viele Opfer von Drogenbande

Bei den 17-stündigen Kämpfen in Manaus waren am Sonntag und Montag 56 Menschen getötet worden, die meisten von ihnen Mitglieder der Drogenbande Primeiro Comando da Capital (Erstes Kommando der Hauptstadt) aus São Paulo. Nach Angaben der Behörden in Manaus waren viele Opfer enthauptet und brutal verstümmelt worden. Zwölf Aufseher wurden als Geiseln genommen, mehr als 180 Häftlinge konnten fliehen.

Die Gefängnisrevolte in Manaus war die schwerste in Brasilien seit einem Blutbad im Gefängnis Carandiru, bei dem 1992 in São Paulo 111 Menschen getötet worden waren.

Aufstände und Kämpfe kommen in den überfüllten brasilianischen Gefängnissen häufig vor. Vor allem im Norden Brasiliens, der an die Kokain-Produzenten Bolivien, Kolumbien und Peru grenzt, werden Haftanstalten faktisch von Drogenbanden kontrolliert.

Präsident bewilligt Millionen für Gefängnis-Neubauten

Erst im Oktober waren bei Auseinandersetzungen zwischen Bandenmitgliedern in drei brasilianischen Gefängnissen insgesamt 33 Menschen getötet worden, darunter zehn im Gefängnis Agrícola de Monte Cristo. In der Haftanstalt waren damals 1400 Insassen untergebracht - ausgelegt ist sie für 700.

Als Reaktion auf das Blutbad in Manaus hatte Brasiliens Präsident Michel Temer erst am Donnerstag umgerechnet 264 Millionen Euro für Gefängnisneubauten zugesagt. Er will in jedem der 26 brasilianischen Bundesstaaten mindestens eine neue Haftanstalt bauen lassen.

Ende 2014 gab es in Brasilien einem Bericht des Justizministeriums zufolge 622.000 Gefangene. Brasilien hat damit weltweit die viertgrößte Gefangenenzahl nach den USA, China und Russland. Menschenrechtsorganisationen kritisieren seit Jahren die Zustände in den brasilianischen Haftanstalten.


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