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Tunesien – Kindesentführung: Mutter befreit Töchter und wird festgenommen

Kindesentführung nach Tunesien  

Mutter befreit Töchter und wird festgesetzt

21.05.2018, 10:00 Uhr | dpa, nsc

Tunesien – Kindesentführung: Mutter befreit Töchter und wird festgenommen. Der internationale Flughafen in Tunesiens Hauptstadt Tunis (Archiv) (Quelle: Reuters/Zoubeir Souissi)

Der internationale Flughafen in Tunesiens Hauptstadt Tunis (Archiv) (Quelle: Zoubeir Souissi/Reuters)

Dramatische Wende eines Familienstreits: Nach drei Jahren wollte eine Mutter ihre entführten Töchter aus Tunesien zurückholen. Sicherheitsbeamte nahmen sie dort fest.

Eine Frau aus Hannover und ihre neun und elf Jahre alten Töchter sind an einem Flughafen in Tunesien an der Ausreise gehindert und festgesetzt worden. "Wir sind völlig am Ende und haben große Angst davor, was jetzt passiert", zitiert der NDR die Mutter, Katharina Schmidt. Sie hatte versucht, ihre Töchter zurück nach Deutschland zu holen. Diese waren vor drei Jahren von ihrem Vater nach Tunesien entführt worden.

"Du wirst die Kinder nicht wiedersehen!"

Der Vater der Kinder, Kais B., hatte diese im Sommer 2015 unter einem Vorwand nach Tunesien gebracht. Die Kinder sollten seine Heimat kennen lernen, sagte er seiner Ex-Frau. Ein halbes Jahr lang. Schmidt stimmte zu. Doch ihre Töchter kamen nie zurück. Seit drei Jahren leben sie in einem Bergdorf in Tunesien – ohne ihre Mutter und ohne ihren Vater.

Die Mutter der zwei Mädchen, Katharina Schmidt, im Januar 2018 vor dem Landgericht Hannover (Quelle: dpa/Holger Hollemann)Die Mutter der zwei Mädchen, Katharina Schmidt, im Januar 2018 vor dem Landgericht Hannover (Quelle: Holger Hollemann/dpa)

Denn Kais B. kehrte Anfang 2016 nach Deutschland zurück. Er wurde kurz darauf verhaftet, verurteilt und sitzt seitdem im Gefängnis. Die Kinder werden von Angehörigen des Vaters betreut. An sie ließ Kais B. eine Botschaft aus dem Gefängnis schmuggeln, wie die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichtet. Die Kinder dürften nie der Mutter übergeben werden.

Die "Bild"-Zeitung zitiert eine Justizangestellte, die sagt, Kais B. habe seiner Ex-Frau gedroht: "Und wenn ich mein ganzes Leben im Knast sitze, wirst du die Kinder nicht wiedersehen!" Er sollte nicht Recht behalten. Schmidt besucht ihre Kinder einmal pro Monat für eine Woche in Tunesien. Inzwischen besitzt sie dort und in Deutschland das alleinige Sorgerecht.

Doch die Kinder konnte sie lange nicht holen. Der "Welt" erzählte sie, dass sie gar den stellvertretenden Justizminister Tunesiens gesprochen habe. "Alle sagen, dass ich Recht habe und ich meine Kinder mitnehmen soll, aber keiner übernimmt die Verantwortung und tut mal etwas." In der Gebirgsregion habe die Justiz keinen Einfluss.

Pässe abgenommen und festgesetzt

Nun hatte es ausgesehen, als ob die Mutter ihre Töchter nach drei Jahren nach Hause holen könnte. Sie hatte mit der deutschen Botschaft gesprochen. Die hatte ihr gesagt, dass sie alle Dokumente besitzt, um auszureisen. Doch die Sicherheitskräfte am Flughafen entschieden offenbar anders. "Uns sind die Pässe weggenommen worden und wir wissen nicht, was jetzt passiert", sagte die Schwester der Frau, die ebenfalls am Flughafen festgehalten wird.

Das Auswärtige Amt wollte zunächst nicht mitteilen, was die Diplomaten nun unternehmen wollen. Denn weder Anwälte noch Mitarbeiter der Botschaften würden derzeit zu der Familie vorgelassen.

Hunderte Kinder werden jährlich ins Ausland entführt

Bei der Entführung der Mädchen handelt es sich um keinen Einzelfall. Das Bundesamt für Justiz teilte mit, dass im Jahr 2016 insgesamt 454 Fälle angezeigt wurden, in denen ein Elternteil Kinder aus oder nach Deutschland entführt haben soll.

Verwendete Quellen:


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