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DNA-Spuren führen Polizei zum 38-Jährigen

Von dpa
Aktualisiert am 16.12.2018Lesedauer: 3 Min.
Ein Polizeiauto im Nürnberger Stadtteil St. Johannis: Die Ermittler haben nach den Messerattacken auf drei Frauen einen Tatverdächtigen festgenommen.
Ein Polizeiauto im Nürnberger Stadtteil St. Johannis: Die Ermittler haben nach den Messerattacken auf drei Frauen einen Tatverdächtigen festgenommen. (Quelle: Daniel Karmann/dpa-bilder)
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Schock in der Dunkelheit: Drei Frauen werden in Nürnberg niedergestochen – die Taten ereignen sich binnen weniger Stunden. Nun sitzt ein Verdächtiger in Haft. Doch was trieb ihn an?

Zu sehen ist praktisch nichts mehr – und trotzdem wissen alle Bescheid: Drei Frauen sind im Nürnberger Stadtteil St. Johannis unweit der Kaiserburg niedergestochen und schwer verletzt worden. Zwei der drei Opfer im Alter von 26, 34 und 56 schweben zeitweise in Lebensgefahr. Erst nach Stunden geben die Ärzte Entwarnung.

Waren es die Taten eines Verrückten? Hass auf Frauen? Ein Amoklauf unter Drogen? Am Samstagabend atmen die Menschen in Nürnberg auf: Die Polizei nimmt einen 38-Jährigen fest und erhofft sich nun Antworten auf all diese Fragen. Klar ist: Nach einem DNA-Abgleich gilt der Mann, ein Deutscher, als dringend tatverdächtig.

Täter kannte die Frauen nicht

Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund haben die Behörden nicht. Und, auch soviel ist klar: Der mutmaßliche Täter und die Frauen kannten sich nicht. "Es gab keinerlei Vorbeziehung zwischen den Opfern und dem dringend Tatverdächtigen", sagte eine Polizeisprecherin. Der Mann sei in Nürnberg festgenommen worden. Gegen ihn werde in allen drei Fällen wegen versuchten Mordes ermittelt. Weitere Einzelheiten will Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Sonntag gemeinsam mit Vertretern von Polizei und Staatsanwaltschaft bekannt geben.

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Die drei Tatorte liegen nur wenige Hundert Meter voneinander entfernt – in einem beliebten Viertel mit vielen Altbauten. Auf den ersten Blick wies schon am Tag danach nichts mehr auf die blutigen Attacken hin. Nur wer genauer hinschaute, entdeckte an einem Tatort letzte Spuren. Ein kurzes Stück des Absperrbandes der Polizei flatterte im Wind. Vor einer Haustür haben Beamte ein gelbes Markierungshütchen vergessen.

Polizei-Absperrband hängt an einem Tatort im Nürnberger Stadtteil St. Johannis: Zwei Tage Ungewissheit.
Polizei-Absperrband hängt an einem Tatort im Nürnberger Stadtteil St. Johannis: Zwei Tage Ungewissheit. (Quelle: Daniel Karmann/dpa-bilder)

Die Polizei ging von Anfang an von einem Einzeltäter aus. "Es gibt keine Vorgeschichte, keinen Streit. Die Angriffe erfolgten unvermittelt", sagt der leitende Kriminaldirektor, Thilo Bachmann, bereits am Freitag. Er bezeichnet die Vorgehensweise als ungewöhnlich: "Es gibt kein erkennbares Motiv."

Zwei Tage Ungewissheit

Zwei Tage lebten die Anwohner in Ungewissheit. Schleicht der Täter womöglich noch durchs Viertel? "Ich habe schon ein komisches Gefühl", sagt eine 54-Jährige am Tag nach der Tat. "Wahrscheinlich war es einfach nur ein Irrer." Weihnachten sei immer eine komische Zeit. "Viele sind dann alleine und drehen durch." Auch im "Caffé Fatal" um die Ecke gingen die Gedanken der Gäste in diese Richtung. "Wahrscheinlich ist da einer ausgetickt", sagte die 53 Jahre alte Kerstin. "Vielleicht hatte da einer einen Hass auf Frauen?"

In der Nacht nach den Taten waren die Beamten mit einem Großaufgebot und Hunderten Beamten im Einsatz. Stundenlang kreiste der Hubschrauber über dem Stadtteil. Auch mit Hunden wurde nach dem Flüchtigen gesucht. Ein möglicherweise Verdächtiger ging den Beamten durch die Lappen: Er floh, als er eine Streife sah, in ein Haus – und war nicht mehr aufzufinden. Ob das der nun Festgenommene war, ist noch nicht bekannt.

Der Täter hatte die Fußgängerinnen zwischen 19 und 23 Uhr angegriffen – er soll sofort zugestochen und zuvor nicht mit seinen Opfern gesprochen haben. Über die Tatwaffe wurde auch nach der Festnahme nichts genaueres bekannt.

SicherheitsgefĂĽhl in NĂĽrnberg hat abgenommen

Die 26 Jahre alte Elen und ihre Freundin Dilan (25) zeigten sich erschrocken über die Angriffe. Die jungen Frauen machen in der Klinik um die Ecke eine Ausbildung zur Krankenschwester. Sie sei am Tatabend ganz in der Nähe unterwegs gewesen und habe mit dem Kopfhörer Musik gehört, erzählt Elen. Dilan dachte als erstes an einen Terroranschlag. "Das passiert ja jetzt immer in der Weihnachtszeit", sagt die 25-Jährige. "Ich habe Angst gehabt, heute früh raus zu gehen." Es könne überall und jederzeit passieren – selbst in einem an sich sicheren Stadtteil wie St. Johannis.


Dieser Eindruck passt zu einer neuen Bürgerbefragung der Stadt. Das Sicherheitsgefühl der Bewohner hat demnach abgenommen. "Das ist aber kein Nürnberger Phänomen, sondern gilt allgemein", sagt eine Sprecherin des Bürgermeisteramtes. Genauere Ergebnisse der Befragung wollte die Stadt am Freitag vorstellen. Nach den Angriffen wurde der Termin aber erst einmal abgesagt.

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