Tod von Fritz von Weizsäcker

Wieso die Hände des Angreifers in einer Tüte steckten

21.11.2019, 07:33 Uhr

Um diese Aufnahmen von dpa/TNN geht es: Bei der Festnahme nach dem Verbrechen sind die Unterarme des Tatverdächtigen eingepackt. (Quelle: dpa)

Nach der tödlichen Attacke auf den Berliner Arzt Dr. Fritz von Weizsäcker werden vermeintliche Ungereimtheiten verbreitet. Was es mit eingepackten Händen und einer angeblichen Augenzeugin auf sich hat. 

Es ist ein Foto, das viele Menschen so noch nicht gesehen hatten: Polizisten führen am Dienstagabend einen Mann ab – und Hände und Unterarme sind unter den Handschellen eingepackt. Der Mann heißt Gregor Sch. Er wurde wegen der Stiche auf den Arzt Fritz von Weizsäcker und einen Polizisten festgenommen.

Und die Szene ist Teil von Verschwörungstheorien, die jetzt im Netz verbreitet werden. Wirbel gibt es auch um die Schilderungen einer Augenzeugin. 

Bilder aus dem Leben von Fritz von Weizsäcker

1987: Fritz von Weizsäcker (re.) auf dem Ball des Sports im Gespräch mit seinem Vater, dem damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker. (Quelle: dpa)

1968: Die Familie von Weizsäcker in Bonn (von links): Richard Freiherr von Weizsäcker, die Kinder Fritz und Marianne-Beatrice und Richard von Weizsäckers Ehefrau Marianne. (Quelle: dpa)

2010 beim 90. Geburtstag von Richard von Weizsäcker im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin: Prof. Dr. med. Fritz von Weizsaecker mit seiner Ehefrau Katja. (Quelle: dpa)

2015 beim Staatsakt für den am 31. Januar verstorbenen Richard von Weizsäcker (von links): Beatrice und Fritz von Weizsäcker (2.v.l) mit seiner Schwester Beatrice (li.), seiner Mutter Marianne und dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck (re.). (Quelle: Maurizio Gambarini/dpa)

2015: Fritz von Weizsäcker mit seiner Mutter Marianne auf dem Roten Teppich beim Preis für Verständigung und Toleranz des Jüdischen Museums in Berlin. (Quelle: dpa)

Die Familie Weizsäcker 1989 bei der Feier zum 40. Jahrestag des Grundgesetzes: Von links: Fritz' Bruder Andreas von Weizsäcker mit seiner Frau, Marianne von Weizsäcker, Fritz und sein Bruder Robert sowie Fritz' Schwester Marianne von Weizsäcker. (Quelle: dpa)

In der Pressestelle der Polizei Berlin löst die Nachfrage zu den eingepackten Händen Verwunderung aus. "Das Vorgehen ist bei Festnahmen sehr gebräuchlich", sagt Sprecher Martin Halweg. "Es ist eine Papiertüte, die über die Unterarme gezogen ist."

Festnahme nach dem Verbrechen an Fritz von Weizsäcker: Die Unterarme des Tatverdächtigen sind eingepackt. (Quelle: Screenshot dpa/TNN)

Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass alle Anhaftungen auch gesichert werden können und nicht nachträglich anderes Material zu Verunreinigungen führen kann. DNA- und Materialspuren sollen so bewahrt werden. Bei Schüssen sei das wegen der Schmauchspuren fast unerlässlich, aber auch bei Angriffen mit Messern gängige Praxis.

Behauptung: Hautfarbe soll verschleiert werden

Eine Tüte aus Papier werde deshalb genutzt, weil dann die Betroffenen nicht so schnell schwitzten wie bei einer Plastiktüte. In einer trockenen und sicheren Umgebung werde die Tüte dann abgenommen, um die Beweise zu sichern. Das könne auch unter Laborbedingungen im Kriminaltechnischen Institut geschehen.

Accounts mit extrem rechtem Profil hatten das Bild mit der Spekulation verbreitet, dass möglicherweise eine dunkle Hautfarbe abgedeckt und verheimlicht werden solle. Damit sollte offenbar von den Accounts der Eindruck erweckt werden, dass der Täter Migrant ist. Der Tatverdächtige ist 57, gebürtiger Berliner und lebte zuletzt in der Nähe von Koblenz. Das Motiv vermutet die Staatsanwaltschaft Berlin in einer "wohl wahnbedingten allgemeinen Abneigung des Beschuldigten gegen die Familie des Getöteten". Er soll in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden.

Zeugin lag auf der Notaufnahme

Eine angebliche Augenzeugin des Vorfalls hat gegenüber t-online.de ihre Schilderung relativiert. Die Polizei hatte die Darstellung umgehend als Falschmeldung bezeichnet. Screenshots der Darstellung werden aber weiterhin verbreitet. Sie behauptete darin, sie habe alles live mitbekommen und die Presse verbreite Unwahrheiten. Die Tat habe sich gar nicht in dem Raum des Vortrags ereignet. 

Eine angebliche Augenzeugin lag auf der Notaufnahme, als sich die Tat ereignete. Ihre Schilderung hat sie sich nur zusammengereimt.(Quelle: Screenshot )Eine angebliche Augenzeugin lag auf der Notaufnahme, als sich die Tat ereignete. Ihre Schilderung hat sie sich nur zusammengereimt. (Quelle: Screenshot )

t-online.de hat die Frau im Krankenhaus ausfindig gemacht. Sie habe nicht gewusst und nicht gewollt, dass ihr Beitrag so große Kreise ziehe. "Ich habe ihn gelöscht." Ihr Eindruck an dem Abend sei gewesen, dass es sich anders abgespielt hat als berichtet. "Aber ich habe das nicht gesehen, ich lag in der Notaufnahme."

Die ist ebenso im Erdgeschoss wie der Vortragsraum. Plötzlich seien Ärzte aus der Notaufnahme gestürzt, es sei die Rede davon gewesen, dass am Außentor etwas passiert sei. "So habe ich das gehört." Auch von drei Schwerverletzten sei die Rede gewesen. Gesehen habe sie das aber nicht. 

Todesfall gab es nicht

Die Frau, eine Berlinerin, sagte t-online.de, Krankenhäuser müssten besser geschützt werden. Sie habe Angst vor Übergriffen durch Migranten. Sie reagierte überrascht auf die Nachricht, dass ein Deutscher festgenommen worden ist.
 

 
Sie hatte in ihrem Beitrag spekuliert, es könne sich um einen Racheakt gehandelt haben, weil auf der Station von Fritz von Weizsäcker ein Patient mit Migrationshintergrund gestorben sei. Auf Nachfrage dazu reagierte sie überrascht. "Ich weiß von keinem Toten. Aber das liest sich bei mir so, ja." Sie habe jedoch keine Falschmeldung verbreiten wollen.

Verwendete Quellen: