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Angriff vor Hamburger Synagoge als versuchter Mord eingestuft

Von dpa, afp, dru, aj

Aktualisiert am 05.10.2020Lesedauer: 4 Min.
Angriff nahe der Hamburger Synagoge: Ein 29-J├Ąhriger im Tarnanzug hat am Sonntagnachmittag einen j├╝dischen Studenten vor der Hamburger Synagoge mit einem Klappspaten angegriffen und erheblich verletzt.
Angriff nahe der Hamburger Synagoge: Ein 29-J├Ąhriger im Tarnanzug hat am Sonntagnachmittag einen j├╝dischen Studenten vor der Hamburger Synagoge mit einem Klappspaten angegriffen und erheblich verletzt. (Quelle: Jonas Walzberg/dpa-bilder)
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Ein Mann hat am Sonntag einen Studenten vor einer Synagoge in Hamburg attackiert und erheblich verletzt. Ermittler stufen die Tat nun als versuchten Mord ein.

Polizei und Generalstaatsanwaltschaft werten den Angriff auf einen j├╝dischen Studenten vor einer Hamburger Synagoge nach ersten Erkenntnissen als versuchten Mord ÔÇô mutma├člich mit antisemitischem Hintergrund. Das teilten beide Beh├Ârden am Montag in Hamburg mit.

Der Angreifer ÔÇô ein Deutscher aus Berlin mit kasachischen Wurzeln ÔÇô mache einen "extrem verwirrten Eindruck", sagte eine Polizeisprecherin zuvor am Sonntagabend. Es sei sehr schwierig, ihn zu vernehmen. Es sei unklar, woher der Mann die milit├Ąrisch wirkende Kleidung habe, die er bei der Tat mit einem Klappspaten am Sonntagnachmittag trug. Die Ermittlungen dauerten an, auch der Staatsschutz wurde eingeschaltet.

Die Gemeinde wollte laut Polizei am Sonntag das Laubh├╝ttenfest Sukkot feiern. Auch das 26 Jahre alte Opfer sei auf dem Weg dorthin gewesen und habe das Gel├Ąnde gerade betreten wollen. Der 29 Jahre alte Tatverd├Ąchtige habe dort offensichtlich gewartet, sagte die Sprecherin. Zu den Motiven k├Ânne man noch keine definitiven Aussagen treffen. "Ob die beiden sich kennen, ob es vielleicht sogar noch einen privaten Hintergrund gegeben hat, das kann man nicht sagen."

Der 26-J├Ąhrige erlitt Kopfverletzungen, ist aber nicht lebensgef├Ąhrlich verletzt. Er konnte sich den Angaben zufolge in Sicherheit bringen und wurde bis zum Eintreffen von Rettungskr├Ąften von Passanten erstversorgt. Beamte, die zum Schutz der Synagoge vor Ort waren und den Vorfall beobachteten, h├Ątten den Angreifer festgenommen. Er hat laut Polizei seinen Wohnsitz in Berlin.

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Offenbar war ein Zettel mit Hakenkreuz in der Hosentasche

Au├čenminister Heiko Maas (SPD) verurteilte die Attacke scharf. "Das ist kein Einzelfall, das ist widerlicher Antisemitismus und dem m├╝ssen wir uns alle entgegenstellen", schrieb Maas am Sonntagabend auf Twitter. "Meine Gedanken sind bei dem Studenten, ich w├╝nsche gute Genesung." Nach dpa-Informationen soll der T├Ąter einen Zettel mit einem Hakenkreuz in seiner Hosentasche gehabt haben. Die "S├╝ddeutsche Zeitung" (SZ) hatte zuvor von einer "offenbar antisemitischen Attacke" berichtet. Der Student habe demnach eine Kippa getragen, sei also als j├╝disch erkennbar gewesen sein.

Anschlag in Halle vor fast genau einem Jahr

Sollte sich ein antisemitischer Hintergrund best├Ątigen, w├╝rde das dunkle Erinnerungen an den Anschlag auf das j├╝dische Gotteshaus in Halle vor fast einem Jahr wecken. "Die Frage ist, was haben wir nicht gelernt seit Halle?", sagte Landesrabbiner Shlomo Bistritzky von der J├╝dischen Gemeinde Hamburg, der nach eigenen Angaben wenige Minuten nach der Tat eintraf. "Alle waren sehr, sehr schockiert."

Am 9. Oktober 2019 hatte der schwer bewaffnete Rechtsextremist Stephan Balliet versucht, die Synagoge in Halle zu st├╝rmen und ein Massaker unter 52 Besuchern anzurichten. Die begingen dort zu dem Zeitpunkt den h├Âchsten j├╝dischen Feiertag Jom Kippur. Als ihm dies nicht gelang, erschoss er eine Passantin und in einem D├Ânerimbiss einen 20 Jahre alten Gast. Auf seiner Flucht verletzte der Deutsche mehrere Menschen teils sehr schwer. Gegen ihn l├Ąuft am Oberlandesgericht Naumburg der Prozess.

Entsetzung bei j├╝dischen Verb├Ąnden

Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland (ORD) bezeichnete den Angriff als "erneuten Schock f├╝r die j├╝dische Gemeinde in Deutschland". "Es ist unertr├Ąglich zu erleben, dass sich Hass und Gewalt gegen Juden immer wieder auf deutschen Stra├čen entl├Ądt und das ausgerechnet w├Ąhrend der h├Âchsten j├╝dischen Feiertage sowie ein Jahr nach dem schrecklichen Attentat von Halle", erkl├Ąrte der ORD-Vorstand Avichai Apel am Sonntag.

"J├╝disches Leben insgesamt muss hierzulande besser gesch├╝tzt werden", forderte Apel. Politik und Gesellschaft m├╝ssten "noch entschiedener gegen Hass und Hetze im Netz, gegen rechtsextreme Aufwiegler, gegen die Neonazi-Szene und krude Verschw├Ârungstheoretiker vorgehen und mehr f├╝r Pr├Ąvention, Bildungsarbeit und die F├Ârderung einer b├╝rgerlichen Zivilcourage" tun.

Entsetzt ├Ąu├čerte sich auch der Vorsitzende des J├╝dischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, angesichts der Gewalttat. Er sei traurig dar├╝ber, dass ein Jahr nach dem Anschlag von Halle =erneut eine deutsche j├╝dische Gemeinde mit einem "gewaltt├Ątigen, antisemitischen Terrorakt" konfrontiert worden sei, erkl├Ąrte Lauder. Zwar habe die Polizei vor Ort rasch reagiert, um den Angreifer von weiteren Gewalttaten abzuhalten, jedoch sei die Polizeipr├Ąsenz zu niedrig gewesen, um den Anschlag auf den 26-J├Ąhrigen zu verhindern.

Lambrecht: "Widerliche Attacke"

Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat den Angriff als "widerliche Attacke" verurteilt. "Der Hass gegen J├╝dinnen und Juden ist eine Schande f├╝r unser Land", sagte sie am Montag laut Mitteilung in Berlin. Der Rechtsstaat m├╝sse alles tun, um j├╝disches Leben zu sch├╝tzen. "Wir m├╝ssen uns der Hetze noch entschiedener entgegenstellen und st├Ąrker f├╝r die Betroffenen von Hass und Gewalt da sein." Dem Opfer w├╝nschte sie baldige und vollst├Ąndige Genesung, viel Kraft und "die Solidarit├Ąt von uns allen".

Hamburgs B├╝rgermeister Peter Tschentscher (SPD) erkl├Ąrte: "Ich bin best├╝rzt ├╝ber den Angriff vor einer Synagoge in Hamburg." Die Polizei kl├Ąre nun die Hintergr├╝nde der Tat auf. "Ich w├╝nsche dem Opfer viel Kraft und baldige Genesung. Hamburg steht fest an der Seite unserer j├╝dischen Mitb├╝rgerinnen und Mitb├╝rger."

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Auch CDU-Generalsekret├Ąr Paul Ziemiak erkl├Ąrte, die Attacke sei "ein widerw├Ąrtiger Akt". J├╝disches Leben in Deutschland zu sch├╝tzen, "bleibt unsere t├Ągliche Pflicht", erkl├Ąrte er auf Twitter.

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