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Rebecca Reusch: Neue RTL-Doku – Familie macht Ermittlern Vorwürfe

Neue TV-Doku  

Fall Rebecca – Familie glaubt dem Schwager, nicht der Polizei

22.11.2021, 12:26 Uhr
Der ungeklärte Fall um Rebecca Reusch

Seit dem 19. Februar 2019 wird die damals 15-jährige Rebecca Reusch vermisst. Die Mordkommission arbeitet noch an dem Fall und schließt eine Klärung nach knapp zwei Jahren Ermittlung weiterhin nicht aus. (Quelle: t-online)

Spurensuche: Aufnahmen zeigen, wo sich Rebecca Reusch kurz vor ihrem Verschwinden am 19. Februar 2019 aufhielt. (Quelle: t-online)


Seit fast drei Jahren fehlt von ihr jede Spur: Rebecca Reusch aus Berlin wird noch immer vermisst. Nun macht die Familie den Ermittlern in einer neuen Dokumentation schwere Vorwürfe.

Der Vermisstenfall Rebecca Reusch ist deutschlandweit bekannt. Nun ist auf der Streamingplattform "RTLplus" eine neue Dokumentation erschienen, die sich noch einmal mit dem Fall befasst. Die 15-jährige Schülerin war vor fast drei Jahren spurlos verschwunden. Zuletzt war sie im Haus ihrer Schwester mit ihrem Schwager Florian R. allein. Dieser gilt als Hauptverdächtiger. 

Die Dokumentation beleuchtet in drei Teilen, die jeweils etwa 30 Minuten lang sind, noch einmal die Details, die so oder ähnlich bereits bekannt waren. Die Familie der Vermissten kommt zu Wort und bekräftigt immer wieder, dass Florian R. die Vermisste wie eine kleine Schwester geliebt habe und nichts mit ihrem Verschwinden zu tun habe. Der Eindruck drängt sich auf, dass es in der Dokumentation nicht allzu sehr um die Verschwundene geht, sondern um den Stand der Ermittlungen und die Verteidigung eines Familienmitglieds. Auffällig oft wird die Unschuld des Schwagers beteuert: Er könne nichts damit zu tun haben, sagen Familienmitglieder immer wieder.

Steltner: "Das war alles sehr merkwürdig"

Der Pressesprecher der ermittelnden Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, kommt in der Dokumentation ebenfalls zu Wort. Auch mit t-online hat er schon mehrmals über den Fall Rebecca Reusch gesprochen und erklärt, warum Florian R. weiter unter Verdacht steht. "Der Schwager hat sich komisch verhalten, das war alles sehr merkwürdig", sagte Steltner. R. habe bei seiner Befragung nicht erklärt, warum er am Tag des Verschwindens von Rebecca und auch am Folgetag in Richtung Polen unterwegs war. 

Immer wieder hatten die Ermittler in den vergangenen Jahren erklärt, dass Rebeccas Handy nicht mehr eingeschaltet worden war. In der neuen Dokumentation erzählt eine Zeugin jedoch, dass sie Rebecca am frühen Abend des 18. Februar 2019 an einer Bushaltestelle gesehen haben will, mit einem Handy telefonierend. Hatte Rebecca noch ein anderes Telefon?

Beweise dafür gibt es nicht. Die Staatsanwaltschaft hat erst vor wenigen Wochen bekannt gegeben, dass die Überwachungskameras, die genau jene Orte, an denen Zeugen Rebecca gesehen haben wollen, die junge Frau nicht erfasst haben. Erwähnt wird diese Entwicklung in der Dokumentation nicht, die Aussage der Zeugin bleibt unwidersprochen stehen.

Rebeccas Mutter: "Die machen einen riesengroßen Fehler"

Auch ein früherer Mitschüler und Freund von Rebecca wird erneut thematisiert. Er hat schon früher über einen Streit mit Rebecca gesprochen. Nun sagt seine Schwester Vivien noch einmal: "Das hat Becci sehr mitgenommen." Es entsteht der Eindruck, als wolle die Dokumentation die Zuschauer mit Druck auf andere Möglichkeiten hinweisen – auf alle anderen Möglichkeiten außer der, dass Rebecca von ihrem Schwager getötet und in einem Brandenburger Wald verscharrt worden sein könnte. 

Florian R. war wenige Wochen nach Rebeccas Verschwinden als Hauptverdächtiger festgenommen worden. "Mein erster Gedanke bei der Festnahme war: Die machen einen riesengroßen Fehler", sagt Rebeccas Mutter in der Doku. Die Schwester Jessica, die mit Florian R. verheiratet ist und mit ihm ein Kind hat, sagt: "Auch wenn die Polizei fest überzeugt war, steht es für uns nicht zur Debatte." 

Auch ein Kriminalanalyst, Mark T. Hoffmann, wird interviewt. Er erklärt das Verhalten der Familie so: "Jemanden für schuldig halten hieße auch, sich den Tod des Kindes einzugestehen." Einige Spekulationen über Rebeccas Verschwinden werden in der Doku noch einmal aufgegriffen. Etwa die Idee, dass Rebecca ausgerissen sein könnte. Kriminalanalyst Hoffmann sagt, er halte ein 15-jähriges Mädchen nicht für in der Lage, ein solches Verschwinden so perfekt zu inszenieren. 

Lilafarbene Decke bleibt rätselhaft

Ein weiteres Detail ist spannend: Rebecca war mit einer lilafarbenen Decke verschwunden. Das lässt noch eine weitere Spekulation zu: Die Jugendliche war ein großer Fan der Band BTS. Offenbar fotografieren sich Fans gern mit einem lilafarbenen Hintergrund. In der RTL-Dokumentation wird deshalb die Möglichkeit genannt, dass sich Rebecca in einem Fan-Forum mit jemandem verabredet haben könnte und zu dieser Person unterwegs war. Doch warum benutzte sie ihr Handy nicht mehr, wenn es sich nur um einen Tag Schule schwänzen gehandelt haben soll? Diese Frage wird nicht geklärt. Fasern dieser Decke wurden später im Wagen von Florian R. gefunden. 

Ein weiterer Zeuge will Rebecca auf einem Parkplatz gesehen haben, wieder ein anderer in einem Einkaufszentrum in Krakau. Die Behörden hatten damals nicht schnell genug reagiert – so der Vorwurf der Familie. Als sich die Ermittler Material der Überwachungskameras besorgen wollten, sei alles schon gelöscht worden. Dass allerdings auch eine deutsche Behörde nicht einfach im Ausland sofort ein Überwachungsvideo verlangen kann und dass auch die Glaubwürdigkeit eines Zeugen überprüft werden muss – vor allem bei der Vielzahl an Hinweisen – darauf wird nicht eingegangen. 

Schwere Vorwürfe gegen die Polizei

Die Familie macht der Polizei immer wieder Vorwürfe. Zu früh hätten sich die Ermittler auf Florian R. eingeschossen, zu wenig sei Hinweisen aus der Bevölkerung nachgegangen. "Wir haben in alle Richtungen gründlich ermittelt", wird Martin Steltner, Sprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft, nicht müde zu wiederholen. Dennoch kommt immer wieder die Frage auf: Wo ist Rebecca? Welche Hinweise könnten tatsächlich zur Klärung des Falls führen? 

Denkt man an Entführungsopfer wie etwa Natascha Kampusch, könne man nicht ausschließen, dass Rebecca doch noch irgendwo am Leben ist und festgehalten wird. Allerdings hält dies ein Kriminalkommissar, der ebenfalls in der Dokumentation zu Wort kommt, für sehr unwahrscheinlich. Solche Fälle würden nur alle zehn oder 15 Jahre geschehen. Es sei unwahrscheinlich, dass Rebecca ein ähnliches Schicksal teile wie Kampusch.

Am Ende der Dokumentation ist klar: Es gibt keine neue Wende in dem Fall, keine neuen Informationen – nichts. Die Familie beteuert immer wieder, dass sie noch immer hoffe, "Becci" komme wieder nach Hause. Bevor der Bildschirm ganz schwarz wird, gibt es auf dem letzten Bild noch eine Verkündung: Der Verdächtige Florian R. und Rebeccas Schwester Jessica sind im Sommer 2021 wieder Eltern geworden. 

Verwendete Quellen:
  • "Rebecca – was geschah mit unserer Tochter": Dokumentation auf RTLplus und ab 2. Dezember 2021 im Fernsehen

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