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Lkw-Fahrer gab sich als Überlebender aus – inzwischen 53 Tote

Von dpa, afp, aj, lw

Aktualisiert am 30.06.2022Lesedauer: 3 Min.
Der Tatort in Texas: Dutzende Menschen wurden in einem Sattelauflieger in einem abgelegenen Gebiet im Südwesten von San Antonio tot aufgefunden.
Der Tatort in Texas: Dutzende Menschen wurden in einem Sattelauflieger in einem abgelegenen Gebiet im Südwesten von San Antonio tot aufgefunden. (Quelle: Eric Gay/AP/dpa-bilder)
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Dutzende Menschen starben in einem Lkw in den USA. Nun werden neue Details zu den mutmaßlichen Tätern öffentlich. Zwei von ihnen droht die Todesstrafe.

Nach dem Fund eines abgestellten Lkw-Anhängers mit eingeschlossenen Migranten im US-Bundesstaat Texas ist die Zahl der Todesopfer auf 53 gestiegen. Das gab der republikanische Gouverneur von Texas, Greg Abbott, am Mittwoch bekannt. "Es ist der tödlichste Fall von Migrantenschmuggel auf amerikanischem Boden", beklagte Abbott und erhob schwere Vorwürfe gegen den demokratischen Präsidenten Joe Biden: Dessen laxe Migrationspolitik sei verantwortlich für die Katastrophe.

Die US-Behörden haben Ermittlungsverfahren gegen vier Verdächtige eingeleitet. Die für den Westen von Texas zuständige Bundesstaatsanwaltschaft erklärte am Mittwoch, unter anderem sei der Fahrer des Lkw festgenommen worden. Dem 46-jährigen Homero Z. wird Menschenschmuggel mit Todesfolge zur Last gelegt. Bei einer Verurteilung droht ihm nach Angaben der Staatsanwaltschaft lebenslange Haft oder sogar die Todesstrafe.

Fahrer war "sehr high"

Der 46-Jährige ist den Behörden zufolge auf Aufzeichnungen von Überwachungskameras an einem Grenzübergang zwischen Mexiko und den USA als Fahrer des Lastwagens zu sehen. Als der Lkw dann am Montag im Großraum San Antonio entdeckt wurde, versuchte er sich laut Staatsanwaltschaft "im Gebüsch" zu verstecken.

Nach Angaben des Leiters der mexikanischen Migrationsbehörde, Francisco Garduño, hatte er sogar versucht, sich als Überlebender auszugeben. Die Zeitung "San Antonio Express-News" berichtete unter Berufung auf einen Polizisten, der Mann habe unter dem Einfluss der Droge Crystal Meth gestanden und sei "sehr high" gewesen.

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Drei weitere Festnahmen

Festgenommen wurde auch ein 28-Jähriger, der mit dem Lkw-Fahrer in Kontakt gestanden hatte. Ihm werden Verschwörung zum Transport illegaler Ausländer mit Todesfolge zur Last gelegt. Auch ihm droht lebenslange Haft oder gar die Todesstrafe.

Zwei weitere Männer wurden festgenommen, nachdem Ermittler die Adresse beobachtet hatten, an der der Lkw registriert war. Ihnen wird illegaler Waffenbesitz zur Last gelegt, wie die Staatsanwaltschaft erklärte. Bei diesen beiden Männern handelt es sich um Mexikaner, die sich illegal in den USA aufhielten, nachdem sie ihre Touristenvisa überzogen hatten.

Nach Polizeiangaben hatte ein Arbeiter die Leichen in dem Lastwagen am Montagabend (Ortszeit) am Rande der texanischen Stadt San Antonio entdeckt, nachdem er einen Hilferuf aus dem Anhänger gehört hatte. Mindestens 16 Überlebende seien dehydriert und mit Hitzeerschöpfung zunächst in ein Krankenhaus gebracht worden. In dem Anhänger, der in glühender Hitze stand, gab es laut Feuerwehr offenbar weder eine funktionierende Klimaanlage noch Wasser. Die Opfer waren mutmaßlich in die USA geschleust worden, San Antonio liegt nur etwa 250 Kilometer von der mexikanischen Grenze entfernt.

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Texanischer Gouverneur weist Biden die Schuld zu

Abbott forderte, Biden müsse klarmachen, dass niemand illegal ins Land kommen könne, damit Migranten sich erst gar nicht auf den Weg machten. Es gebe legale Wege, um einzuwandern. Außerdem müsse die US-Grenzschutzbehörde vernünftig ausgestattet werden, damit sie ihren Job machen könne.

Der Lastwagen hatte nach mexikanischen Behördenangaben am Montag zwei Kontrollpunkte der US-Grenzschutzbehörde CBP passiert. Abbott sagte, der Lkw sei aber nicht untersucht worden, weil es nicht genug Ressourcen gebe, alle Laster zu prüfen. Biden müsse das ändern.

Migrationsexperte weist Vorwürfe von Abbot zurück

Der Migrationsexperte Aaron Reichlin-Melnick sagte dem US-Sender PBS dagegen: "Die Realität ist, dass die große Mehrheit der Menschen, die an unsere Grenze kommen und ein besseres Leben suchen, keine legalen Möglichkeiten haben, einzureisen." Unter dem früheren republikanischen Präsidenten Donald Trump etwa seien auch die legalen Einwanderungswege beschnitten worden. Die Menschen würden daher auf immer gefährlichere Routen getrieben.

Der Chef der mexikanischen Migrationsbehörde, Francisco Garduño, teilte in Mexiko-Stadt mit, unter den Todesopfern von San Antonio seien mindestens 27 Mexikaner, 14 stammten aus Honduras, sieben aus Guatemala und zwei aus El Salvador. Ob auch Kinder unter den Toten sind, blieb zunächst unklar. Die Außenminister Mexikos und Guatemalas kündigten an, ihre Länder würden sich an den Ermittlungen beteiligen.

Rekordzahlen bei unerlaubten Grenzübertritten

Die Zahl der unerlaubten Grenzübertritte von Mexiko in die USA war in den vergangenen Monaten rekordverdächtig hoch. Die US-Behörden griffen allein im Mai gut 239.000 Menschen an der Grenze zu Mexiko auf. Kriminelle Schleuserorganisationen, die innerhalb der USA tätig sind, transportieren Migranten oft in Lastwagen, nachdem sie die US-Grenze bereits überquert haben. So sollen sie an Kontrollpunkten in der Nähe der Grenze vorbeigeschleust werden. In den vergangenen Jahren gab es dabei immer wieder tödliche Vorfälle – der aktuelle Fall in San Antonio gilt als der mit den meisten Todesopfern.

Die Organisation für Migration (IOM) und das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) forderten angesichts des schrecklichen Fundes in Texas, Menschenschmugglern müsse das Handwerk gelegt werden. Sie appellierten an alle Länder, sichere Migrationsrouten einzurichten und die Ursachen zu bekämpfen, die Menschen in die Flucht treiben.

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