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Tote Schülerin in Berlin: Mobbing nicht ernst genommen? Schulleiterin widerspricht

Tod einer Schülerin in Berlin  

Mobbing nicht ernst genommen? Schulleiterin widerspricht

04.02.2019, 09:34 Uhr | dpa, dru

Tote Schülerin in Berlin: Mobbing nicht ernst genommen? Schulleiterin widerspricht. Brennende Kerzen vor einer Berliner Grundschule: Rund 150 Menschen gedachten am Samstagabend der verstorbenen Schülerin. (Quelle: dpa/TNN)

Brennende Kerzen vor einer Berliner Grundschule: Rund 150 Menschen gedachten am Samstagabend der verstorbenen Schülerin. (Quelle: TNN/dpa)

Der Tod einer elf Jahre alten Schülerin bewegt Berlin und sorgt für Diskussionen an der betroffenen Schule. Eltern erheben schwere Vorwürfe gegen die Leitung. Wurden Probleme ignoriert?

Nach dem Tod einer elfjährigen Grundschülerin will der Berliner Senat Mobbing-Vorwürfen nachgehen. Darin sei auch die Schulaufsicht eingebunden, sagte ein Sprecher der Bildungsverwaltung am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Elternvertreter warfen der betroffenen Schule vor, Mobbinghinweise nicht ernst genommen zu haben. Dem widersprach die Schulleiterin.

Am Samstag war der Tod der elfjährigen Schülerin aus dem Berliner Bezirk Reinickendorf bekannt geworden. Laut "Tagesspiegel" soll sie vor einigen Tagen einen Suizidversuch unternommen haben und später an den Folgen im Krankenhaus gestorben sein. Als möglicher Hintergrund steht der Verdacht von Mobbing an ihrer Schule im Raum. Doch bislang gibt es weder eine offizielle Bestätigung für den Suizid, noch ist der genaue Hintergrund geklärt.

Der Sprecher der Bildungsverwaltung, Thorsten Metter, stellte fest: "Mobbing ist ein Problem." Dagegen würden an den Schulen weitere Maßnahmen neben den schon bestehenden ergriffen. Metter bestätigte auf dpa-Anfrage, dass das Mädchen die Hausotter-Grundschule im Bezirk Reinickendorf besucht hatte. Am Samstagabend versammelten sich dort laut Medienberichten rund 150 Menschen zu einer Mahnwache.

Elternvertreter: "Zu viele Menschen haben weggeschaut"

Nach Aussagen einzelner Eltern sind Mobbing und Gewalt schon länger ein Problem an der Reinickendorfer Schule, die auf der Internetseite der Bildungsverwaltung ihr sportbetontes Profil hervorhebt. "Zu viele Menschen haben weggeschaut und die Schnauze gehalten", zitiert die Zeitung "B.Z." einen Vater, der dem Elternbeirat angehört. Ihm zufolge wurden die Probleme totgeschwiegen.

Dagegen wehrt sich Schulleiterin Daniela Walter entschieden. Natürlich gebe es Vorfälle – beispielsweise auf dem Pausenhof. Aber: "Wir haben Konfliktlotsen an Bord", sagte Walter der RBB-"Abendschau". Darüber hinaus existiere eine "sehr gut ausgestattete Schulsozialarbeit". Nichts werde vertuscht oder unter den Teppich gekehrt.

Die Elfjährige habe im vergangenen Jahr Konflikte mit anderen Schülern gehabt, wobei es aber zu keinen physischen Angriffen gekommen sei, berichtete Walter der Zeitung "B.Z.". Daraufhin habe die Schulleitung mit den Eltern und der Klasse gesprochen. Die Mädchen, mit denen es Konflikte gegeben habe, seien nicht mehr in der Klasse – seitdem herrsche Ruhe.

Die Berliner Polizei führt – wie in solchen Fällen üblich – ein sogenanntes Todesermittlungsverfahren. Dazu könne vor Wochenbeginn nichts Näheres gesagt werden, sagte ein Sprecher am Sonntag. Es sei eine Obduktion angeregt worden, voraussichtlich werde es im Laufe des Montagvormittags weitere Informationen geben. Gegenwärtig ermittele die Kriminalpolizei. Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt seien bisher nicht beteiligt.

Bürgermeister Müller kündigt Aufklärung an

Verbale und psychische Gewalt unter Schülern kann sich in Beschimpfungen, bösen Kommentaren, Mobbing oder Gerüchten äußern, wie Potsdamer Forscher zusammentrugen. Seltener komme es zu körperlichen Angriffen. Der Anti-Mobbing-Coach Carsten Stahl, der an der Mahnwache in Reinickendorf teilnahm, forderte, bei diesem Thema das Tabu und Schweigen zu brechen. Lehrer und Sozialarbeiter müssten hier schon im Studium "richtig und aktiv" ausgebildet werden.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) kündigte eine umfassende Aufklärung des Falles an. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sagte dem "Tagesspiegel": "Es ist erschütternd, welche tragischen Folgen Mobbing haben kann. Es geht durch alle gesellschaftlichen Schichten und jede Schulform."
 

 
Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) äußerte in demselben Blatt: "Ich nehme alle Vorwürfe sehr ernst, und wir werden den Fall wie andere Trauerfälle auch umfassend aufarbeiten." Der FDP-Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, Sebastian Czaja, stellte am Sonntag in einer Mitteilung fest: "Mobbing ist kein Kinderstreich und muss – egal wo – im Keim erstickt werden. Eine Kultur des Hinschauens ist gefragt."

Hinweis: Falls Sie viel über den eigenen Tod nachdenken oder sich um einen Mitmenschen sorgen, finden Sie hier sofort und anonym Hilfe.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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