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Lektion für Wladimir Putin: So entging die Welt 1962 knapp dem Amargeddon


Als die Bomber nur noch auf den Angriffsbefehl warteten

  • Marc von Lüpke-Schwarz
Von Marc von Lüpke

Aktualisiert am 17.10.2022Lesedauer: 4 Min.
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Ernste Worte von John F. Kennedy: Während der Kuba-Krise wäre der Kalte Krieg beinahe in einer weltweiten Katastrophe geendet. (Quelle: t-online)
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Knapp entging die Welt 1962 während der Kubakrise dem nuklearen Inferno. Eine Lektion sollte auch Wladimir Putin aus diesem Konflikt lernen.

Die Zeichen standen Ende Oktober 1962 auf Weltuntergang. Dutzende amerikanische Bomber befanden sich dauerhaft in der Luft, jederzeit in der Lage, Ziele in der Sowjetunion anzugreifen. In den Vereinigten Staaten selbst waren zahlreiche Interkontinentalraketen bereit, den nuklearen Tod hinter den Eisernen Vorhang zu tragen. Und auch unter Wasser lauerte der atomare Schrecken: Amerikanische U-Boote hatten geheime Positionen bezogen, um ihre Raketen vom Typ "Polaris" gen Osten zu senden.

Niemals zuvor stand die Welt so kurz vor einem nuklearen Schlagabtausch. Defcon 2 hatte Präsident John F. Kennedy am 24. Oktober 1962 für das Strategische Bomberkommando angeordnet. Defcon steht für den jeweiligen Verteidigungszustand, in dem sich die US-Streitkräfte oder Teile davon befinden. Defcon 5 steht für "Frieden", bei Defcon 1 herrscht Krieg.

"Gleichsam vor der Haustür"

Als Kubakrise sind die Tage zwischen dem 14. und 28. Oktober 1962 in die Geschichtsbücher eingegangen. Warum aber wurde ausgerechnet der Inselstaat zum Schauplatz einer der größten Krisen des Kalten Krieges? Eines Konfliktes, in dem "wohl Millionen von Menschen bei einem nuklearen Schlagabtausch zwischen den beiden Supermächten USA und Sowjetunion" hätten sterben können, wie der Historiker Reiner Pommerin in seinem detailreichen wie anschaulichen Buch "Die Kubakrise 1962" zusammenfasst. Die einfache Antwort lautet: Weil der am 14. Oktober 1962 gestartete Air-Force-Pilot Major Richard Heyser Bilder von einem Überflug Kubas mitbrachte, die Washington in Schrecken versetzten.

Mit den Bildern war zweifelsohne bewiesen, dass die Sowjetunion allen vorhergehenden Beteuerungen zum Trotz ihren sozialistischen Verbündeten auf Kuba, Fidel Castro, nicht nur sogenannte Defensivwaffen gesandt hatte. Was da auf der Insel gebaut wurde, hatte ganz im Gegenteil einen ausgesprochen offensiven Charakter: Stellungen für sowjetische Mittelstreckenraketen vom Typ R-12, bei der Nato als SS-4 Sandal gefürchtet. Mit ihrer Reichweite von rund 2.000 Kilometer hätten die R-12 mit ihren Atomsprengköpfen weite Teile der Vereinigten Staaten verheeren können.

(Quelle: Infografik: Heike Aßmann)

"Plötzlich stand die nukleare Bedrohung gleichsam vor der Haustür", fasst Autor Pommerin die Stimmung in Washington, D.C. zusammen. Bald wurden im Executive Committee, dem sogenannten ExComm, das Kennedy aus hochrangigen Politikern und Beratern zusammengestellt hatte, erörtert, wie die USA auf die Bedrohung reagieren sollten. Ein Luftschlag? Überraschend und vernichtend?

Eine solche Aktion hätte sich aber auch zu einem Desaster entwickeln können, zumal die USA der Aggressor gewesen wären. Als solchen sah etwa auch Fidel Castro den Nachbarstaat im Norden. 1961 hatten die USA die sogenannte Landung in der Schweinebucht unterstützt, ein in der Katastrophe endender Versuch, Castros Regime mittels Exilkubanern zu stürzen. Dem schloss sich die "Operation Mongoose" (zu Deutsch: "Manguste") an, die ebenfalls ein "vorzeitiges" Ende Castros zum Ziel hatte – auch mit herzlich wenig Erfolg.

"Der rote Hund schnüffelt"

Nicht zuletzt wegen dieser Bedrohungen lehnte sich Castro gerne eng an die kommunistische Vormacht Sowjetunion an. Die sah in Kuba eine Art vorgeschobene Raketenstellung. Eine mit erheblichen Vorteilen für die Sowjets, die als Supermacht nicht ganz so "super" waren wie die USA. Deren Nuklearpotential war erheblich größer als das von Moskau, was sich auch mit in der Türkei positionierten amerikanischen Mittelstreckenraketen zeigte.

Wenn die USA Raketen in der Türkei stationiert haben, warum sollen wir keine nach Kuba senden? Diese Frage wird sich Nikita Chruschtschow als starker Mann der Sowjetunion gestellt haben. Und wenn schon Raketen in die Karibik senden, warum dann nur R-12 mit 2.000 Kilometer Reichweite? Dann doch auch solche vom Typ R-14 mit einer mehr als doppelt so großen Reichweite.

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Präsident Kennedy, der am 22. Oktober die amerikanische Nation und die Weltöffentlichkeit über die Bedrohung aus Kuba in einer Fernsehansprache informierte, befand sich in der Zwickmühle: Angriff oder gab es doch eine andere Möglichkeit? Die Hardliner präferierten Lösung Nummer 1, General Curtis LeMay polterte bereits: "Der rote Hund schnüffelt im Hinterhof." Zum Glück gab es eine Alternative: eine Quarantäne.

Um Kuba herum richteten die US-Streikräfte eine solche Zone ein, in der sie sich das Recht vorbehielten, Schiffe mit Kurs Kuba zu durchsuchen. Es waren allerdings nicht nur zivile Schiffe, die in diese Richtung fuhren, sondern auch mehrere sowjetische U-Boote. Beinahe wäre damals der Kalte Krieg sehr, sehr heiß geworden: An Bord von B-59 ließ der Kommandant bereits einen Atomtorpedo abschussbereit machen, als US-Kriegsschiffe das U-Boot zum Auftauchen zwangen. Noch heute kann die Menschheit den sowjetischen Seeleuten dankbar sein, dass sie ruhig blieben.

Der Lüge überführt

Alles andere als "ruhig" blieb in Moskau Nikita Chruschtschow nach Kennedys Fernsehansprache, die in weiten Teilen der Welt für Entrüstung über die Sowjetunion geführt hatte. "Sie haben es vermasselt", raunzte der Kremlchef seinen Verteidigungsminister an. Als ob die Blamage nicht genug gewesen wäre, überführte bald auch der amerikanische Botschafter im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen seinen sowjetischen Konterpart Walerian Sorin öffentlich der Lüge: Sorin hatte dort behauptet, dass die Waffen auf Kuba keineswegs offensiver Natur wären. Mithilfe von Luftbildern bewiesen die USA das Gegenteil.

Aufklärungsfoto: Aus der Luft entdeckten die USA die sowjetischen Raketenstellungen auf Kuba.
Aufklärungsfoto: Aus der Luft entdeckten die USA die sowjetischen Raketenstellungen auf Kuba. (Quelle: TopFoto/ullstein-bild)

Solche Aufnahmen wollte auch Major Rudolf Anderson Jr. machen, als er am 27. Oktober 1962 mit seinem U-2-Aufklärungsflieger Richtung Kuba losflog. Anderson sollte allerdings die Heimat nicht wiedersehen. Eine russische Rakete holte ihn vom Himmel. Zum Glück sollte Anderson als einziger Soldat während der Kubakrise fallen, wie Reiner Pommerin betont.

Chruschtschow übermannte nach Andersons Tod die Angst. War das für die Amerikaner der Grund zum Krieg? Zum Glück nicht. Chruschtschow erklärte sich schließlich zum Abzug der sowjetischen Raketen auf Kuba bereit, Kennedy zur Rückführung der US-Raketen aus der Türkei. Am 28. Oktober 1962 stand fest: Die Welt war noch einmal davon gekommen.

Zwar ist die Gefahr eines Nuklearwaffeneinsatzes während des derzeitigen Ukrainekriegs aller Wahrscheinlichkeit nach geringer als während der Kubakrise. Der unablässig in der Gegenwart mit seinen Atomwaffen drohende Wladimir Putin wäre trotzdem gut beraten, sich an diese Tage im Oktober 1962 zu erinnern. Denn ein Atomkrieg kennt keine Sieger. Oder wie Nikita Chruschtschow, Putins Vorgänger im Kreml, einmal die Folgen zusammenfasste: "Die Überlebenden werden die Toten beneiden."

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Verwendete Quellen
  • Eigene Recherche
  • Reiner Pommerin: Die Kubakrise 1962, Ditzingen 2022
  • Bernd Greiner: Die Kuba-Krise, München 2010
  • zeit.de: "Hoffnungsjahr"
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