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Putins Krieg gegen die Ukraine: Dann gelten in Europa künftig andere Regeln


Die nächste Kriegsdrohung vor unserer Haustür

Von Florian Harms

Aktualisiert am 24.01.2023Lesedauer: 5 Min.
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Amerikanische Infanteristen beim Angriff nahe Bastogne im Dezember 1944.
Amerikanische Infanteristen beim Angriff nahe Bastogne im Dezember 1944. (Quelle: imago images)
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Der Waldboden ist weich im Bois Jacques. Laub, Äste, dazwischen ein Knochen. Vor 78 Jahren war die Erde härter. Bis minus 28 Grad Celsius fiel das Thermometer im Januar 1945, als in dem belgischen Wäldchen deutsche und amerikanische Soldaten aufeinandertrafen. Die Schlacht um Bastogne zählte zu den heftigsten Kämpfen während der Ardennenoffensive, des letzten Aufbäumens der Hitler-Truppen im Westen. Am Ende waren 155.000 Männer tot, verwundet oder vermisst. Aber die Alliierten hatten freien Durchmarsch, um Europa vom Joch der Diktatur zu befreien. Gut drei Monate später war auch das "Dritte Reich" am Ende, Rotarmisten eroberten Berlin.

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Bois Jacques: Noch heute sind die "Fuchslöcher" zu sehen, die US-Soldaten in den Waldboden kratzten, um Schutz vor den deutschen Angreifern zu finden.
Bois Jacques: Noch heute sind die "Fuchslöcher" zu sehen, die US-Soldaten in den Waldboden kratzten, um Schutz vor den deutschen Angreifern zu finden. (Quelle: F. Harms)
Von Tier oder Mensch? In dem Wäldchen liegen noch heute Knochenfragmente.
Von Tier oder Mensch? In dem Wäldchen liegen noch heute Knochenfragmente. (Quelle: F. Harms)
Ein US-Soldat führt im Januar 1945 bei Bastogne gefangene Wehrmachtssoldaten ab.
Ein US-Soldat führt im Januar 1945 bei Bastogne gefangene Wehrmachtssoldaten ab. (Quelle: imago stock&people)
Auf dem Soldatenfriedhof Henri-Chapelle sind knapp 8.000 gefallene Amerikaner begraben.
Auf dem Soldatenfriedhof Henri-Chapelle sind knapp 8.000 gefallene Amerikaner begraben. (Quelle: F. Harms)

Dort in Berlin hatte die braune Herrschaft zwölf Jahre zuvor begonnen. Am kommenden Montag jährt sich Hitlers Machtergreifung, die eher eine Machtüberlassung durch verantwortungslose Nationalisten war, zum 90. Mal. Sie meinten, sie könnten den Obernazi besser kontrollieren, indem sie ihn gewähren ließen. Denselben Fehler machten fünf Jahre später britische und französische Diplomaten auf der Konferenz von München 1938: Sie gestanden Hitler zu, dass er das Sudetenland besetzen durfte, und glaubten seinen Friedensschwüren. Ein Jahr später überfiel er Polen und zettelte den schlimmsten Krieg in der Geschichte der Menschheit an.

"Appeasement-Politik" gegenüber Aggressoren funktioniert nicht: Das ist die Lehre aus den Konflikten des 20. Jahrhunderts. US-Präsident John F. Kennedy wusste das – und beherzigte es 1962, als er in der Kubakrise hart blieb und die Sowjets zwang, ihre Atomraketen von der Karibikinsel abzuziehen. Präsident George Bush (der Erste) machte es ähnlich, als er 1991 den irakischen Diktator Saddam Hussein aus Kuwait vertrieb, anschließend seine Soldaten aber wieder heimholte. Damit bewies er mehr Klugheit als sein Sohn zwölf Jahre später, der selbst zum Aggressor wurde.

Putin ist nicht Hitler und nicht Saddam. Aber auch er hat ein anderes Land überfallen, lässt Männer, Frauen und Kinder töten oder deportieren, schickt seine eigenen Soldaten zu Zehntausenden in den Tod. Auch er respektiert keine Grenzen – weder geografische noch politische noch menschliche. Er nimmt sich, was er will, und wenn ihn keiner aufhält, geht er immer weiter. "Putin ist ein Geschöpf des KGB", sagt der französische Historiker Stéphane Courtois im Interview mit meinem Kollegen Marc von Lüpke. "Er versteht nur Härte, Härte, Härte – so einfach ist das." Der Westen aber habe Putin mehr als zwanzig Jahre lang gewähren lassen: 1999 beim Krieg gegen Tschetschenien, 2008 beim Krieg gegen Georgien, 2014 bei der Annexion der Krim und dem Krieg gegen die Ostukraine, 2015 beim Kriegseinsatz in Syrien. "Putin ist ein Gangster, der sich seine Beute holen will – während er historischen Vorbildern wie Peter dem Großen nacheifert und Russlands Grenzen erweitert", sagt Courtois.

Das ist zur realen Gefahr nicht nur für die Ukrainer geworden. Putins Propagandisten schwadronieren von einem "großrussischen Reich" von Sibirien bis zum Atlantik, und es gibt nach bald einem Jahr des Mordens keinen Grund mehr, ihre Sprüche als Spinnerei abzutun. Es sind Drohungen, die man nicht nur im Baltikum und in Polen ernst nehmen sollte. Bislang schützt allein Amerikas Militär West-, Mittel- und Südeuropa vor den Fäusten des Kremlchefs und dessen Schergen wie dem Schlägertypen Prigoschin.

Wer solche Leute gewähren lässt, macht sie stärker. Deshalb ist die Antwort auf unbedingten Friedenswillen nicht Pazifismus um jeden Preis. Wer den Frieden in Europa bewahren will, muss ihn gegen die Mächte des Nationalismus, des Brutalismus und der Niedertracht verteidigen – nicht mit Hurrageschrei, sondern mit kühler Nüchternheit. Wer heute die Auseinandersetzung mit dem Kriegstreiber scheut, um ihn "nicht weiter zu provozieren", läuft Gefahr, den Krieg morgen vor der eigenen Haustür zu haben.

Einem Diktator wie Putin sind Menschenleben offensichtlich nichts wert. Setzt er sich in der Ukraine durch, gelten in Europa künftig andere Regeln. Dann werden er und seinesgleichen noch weiter gehen. Das ist es, was leider viele übersehen, die weitere deutsche Waffenlieferungen nun so vehement ablehnen: Es geht längst nicht mehr nur um die Ukraine. Es geht auch darum, ob wir hierzulande in Zukunft sicher leben können.


Ticket hin, Ticket her

Verkehrsminister Wissing braucht einen Plan.
Verkehrsminister Wissing braucht einen Plan. (Quelle: Annette Riedl/dpa)

Wann kommt es denn nun, das 49-Euro-Ticket? Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) hatte zuletzt den 1. Mai als spätesten Termin genannt, doch nun scheint auch dieses Datum zu wackeln. Zu den ungeklärten Fragen gehört jene, ob der Fahrschein auch in Papierform angeboten wird. Zwar schreiben wir das Jahr 2023 und es gibt angesichts von Smartphone-Apps keinen vernünftigen Grund für den teuren und umweltschädlichen Papierwust, aber wir leben halt in einer Umstandskrämerrepublik.

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Deshalb gibt es plötzlich noch weitere Streitpunkte. Etwa die geplante Datenplattform, mit deren Hilfe die Einnahmen aus dem Verkauf der Tickets zwischen Bund und Ländern aufgeteilt werden sollen – je nachdem, wo die Käufer unterwegs waren. Der Bund wolle sich nun doch nicht an der Finanzierung der Plattform beteiligen, quengeln die Länder. Einig sind sie sich untereinander aber auch nicht: Hamburg, Berlin und Brandenburg wollen einen Sonderweg einschlagen. Mal sehen, ob der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen heute auf seiner Jahrespressekonferenz mehr Vernunft beweist.


Ein bisschen Glanz

Hollywood ist längst nicht mehr so glamourös wie früher, aber ganz nett sind die Oscars schon noch. Aus deutscher Sicht ist das Abschneiden des Kriegsdramas "Im Westen nichts Neues" von Interesse: Die Neuverfilmung des Romans von Erich Maria Remarque hat es auf eine Shortlist mit 15 Kandidaten geschafft. Fünf von ihnen kommen heute in die Endrunde.


Was lesen?

Weil er den Ukrainern bislang keine Kampfpanzer zusagt, wird Kanzler Scholz ein Sturkopf gescholten. Das Gegenteil dürfte der Fall sein, meint unser Kolumnist Christoph Schwennicke.





Was war?

Wie war das im Januar 1933, als die Nazis an die Macht kamen? Was dachten, was machten die Deutschen, wie veränderte sich plötzlich ihr Leben? Die Arte-Dokumentation "Berlin 1933 – Tagebuch einer Großstadt" steht ab heute in der Mediathek.


Was amüsiert mich?

Jeder hat sein eigenes Tempo.

Unbenanntes Projekt
(Quelle: Mario Lars)

Ich wünsche Ihnen einen friedlichen Tag. Morgen schreibt Steven Sowa den Tagesanbruch, von mir lesen Sie am Donnerstag wieder.

Herzliche Grüße

Ihr
Florian Harms
Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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