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Gewitter, Hagel, Tornado in Deutschland: Das ist mehr als nur Unwetter


Das darf doch nicht wahr sein

  • Peter Schink
Von Peter Schink

Aktualisiert am 23.06.2023Lesedauer: 5 Min.
Meinung
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Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung übernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Was Meinungen von Nachrichten unterscheidet.
Feuerwehrleute räumen Äste eines umgestürzten Baumes von geparkten Autos in Frankfurt am Main.Vergrößern des Bildes
Feuerwehrleute räumen Äste eines umgestürzten Baumes von geparkten Autos in Frankfurt am Main. (Quelle: Boris Roessler)

Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,

abgedeckte Dächer, umgestürzte Bäume, überflutete Straßen, ausgefallene Züge. Sachschäden in Millionenhöhe. Im nordrhein-westfälischen Bad Berleburg und im oberbayerischen Valley knallten knapp golfballgroße Hagelkörner vom Himmel, im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg berichteten Anwohner von einem Tornado. In vielen Orten wurden Straßen zu Bächen, Bäume stürzten auf Autos, Keller liefen voll Wasser.

Video | Golfballgroßer Hagel und Überflutungen
Quelle: Glomex

Und es hätte noch deutlich schlimmer kommen können.

Ist das noch Wetter? Ja, ist es. Aber die Häufung dieser Ereignisse ist nicht normal. Grund ist die sich rapide verschärfende Klimakrise. Doch obwohl diese größte Katastrophe der Menschheitsgeschichte gestern mal wieder vor unserer Haustür stattfand, richtig alarmiert uns das Wetter nicht. Es sind eben nur Sachschäden, die da entstanden sind.

Bei ganz anderen Themen gehen unsere Emotionen hoch, wird unser Interesse geweckt. Vor allem, wenn sie uns persönlich betreffen. In der Regel dann, wenn wir uns mit etwas identifizieren, weil es uns irgendwie nahe ist. Räumlich, kulturell oder weil wir Ähnliches schon erlebt haben. Oder weil wir uns von etwas bedroht fühlen. Für unser Gehirn macht es einen Unterschied, ob ein Flugzeug in Nepal oder in Düsseldorf abstürzt.

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Dieses menschliche Verhalten spiegelt sich am Ende auch täglich in der Arbeit von uns Journalisten wider. Sie, liebe Leserinnen und Leser, interessierten sich in dieser Woche vor allem für den Krieg in der Ukraine, das U-Boot-Unglück, den Unfall von Helene Fischer, den Tod einer Touristin in Neuschwanstein, die Pleite der Fußball-Nationalmannschaft. Natürlich nicht Sie persönlich, aber eine große Zahl von t-online-Lesern (sagt uns die Statistik).

Und wie war das jetzt mit dem Klima? Wann interessiert das? Nur wenn Menschen sterben wie im Ahrtal? Klar, solange die Gefahr abstrakt ist, ist das Interesse gering. Doch die Auswirkungen des Klimawandels werden inzwischen immer konkreter, es müssen nicht immer Menschen ums Leben kommen. Da taucht eine Kirche wegen der Dürre aus einem Stausee auf. Und der Nordatlantik ist dieser Tage viel zu warm. Beide Geschichten zählten zu den am meisten geklickten Artikeln der vergangenen Tage.

Die Aufmerksamkeit steigt, je persönlicher uns die Klimakrise trifft. Das Heizungsgesetz von Robert Habeck, ausgetrocknete Gärten, der Windrad-Ausbau, jeden Sommer wieder Waldbrände, die ersten Klimaflüchtlinge.

Und dann kommt das eigentliche Problem. Lesen wir Horrormeldungen über das Klima, stehen wir wie vor Schreck erstarrt da. Wir Menschen neigen in Krisensituationen zu Abwehrmechanismen. Wenn wir nicht ausweichen können, verdrängen wir. Wir verleugnen, reagieren aggressiv oder versuchen es mit Ausflüchten. Das ist unser erster Reflex. Erst danach rationalisieren und lösen wir die Probleme.

Wenn wir Journalisten selbstkritisch sind, sind wir oft für den ersten Teil zuständig. Wir berichten über Krisen, erzeugen Schockstarre und kommentieren dann anschließend, als würden wir die Probleme selbst am liebsten leugnen oder verdrängen (obwohl wir in unserer Redaktion versuchen, diesem Reflex nicht zu folgen). Die Rationalisierung und Lösung von Problemen überlassen wir dann gerne anderen. Darüber berichten wir dann natürlich auch, aber nicht mehr so umfassend. Das ist zwar zugespitzt und verkürzt, aber nicht ganz falsch.

Wenn wir also beim Klima bleiben, was muss sich ändern? Wir müssen verstärkt "rationalisieren", also über Lösungen sprechen.

Ein Beispiel: Am Mittwoch hat das Bundeskabinett beschlossen, das Straßenverkehrsgesetz und die Straßenverkehrsordnung zu ändern, insbesondere §45 (9). Klingt langweilig? Ist es nicht. Bislang war dort geregelt, dass die Kommunen für die "Flüssigkeit und Sicherheit des Verkehrs" zu sorgen haben. Das soll sich nun ändern. Die Kommunen dürfen künftig der Verkehrswende mehr Priorität einräumen, um so ihre Klimaziele zu erreichen. Es ist ein kleines Puzzlestück der Klimapolitik. Aber eines mit "Wumms", weil es viel ändern könnte auf unseren Straßen.

Waaaaas? Die Politik will schon wieder die Autofahrer ausbremsen? Schockstarre! Nein, so schlimm muss es nicht werden. Verkehrsminister Volker Wissing hat vorsorglich ins Gesetz geschrieben, die "Sicherheit und Leichtigkeit" des Verkehrs dürfe trotzdem nicht beeinträchtigt werden.

Doch ohne Veränderung unserer Lebensweisen wird es nicht gehen, wollen wir der Klimakrise begegnen.


Aus.

Hinterher ist man immer schlauer. Den fünf U-Bootfahrern, die im Nordatlantik starben, hilft nicht mehr, was die diversen Experten nun an Erkenntnissen zusammentragen.

Was da so nach und nach über die "Titan" und ihre Betreiberfirma bekannt wird, ist schon unglaublich. Das U-Boot war nicht zertifiziert, das Carbon-Material der Hülle experimentell, die Form des Bootes verteilte den Druck des Wassers nicht gut.

Es ist das erste Mal in der Geschichte des U-Boot-Tourismus, dass fünf Menschen sterben. Eine Ironie, dass das ausgerechnet am Unglücksort der "Titanic" passierte. Dort wird es jetzt stiller. Touristen jedenfalls werden die 3.800 Meter nicht mehr hinabtauchen wollen.


Ausgedacht.

Ist Joe Biden jemand, der sich an Kindern vergreift? Auf jeden Fall, findet der republikanische Präsidentschaftskandidat Ron DeSantis. Und veröffentlicht auf Twitter mal eben einen Video-Zusammenschnitt von Szenen, auf dem der US-Präsident Kinder vor laufender Kamera merkwürdig herumschiebt. Dazu DeSantis: "Lassen Sie Ihre Finger von unseren Kindern."

Erst wenige Tage zuvor war DeSantis aufgefallen, weil er Bilder von Ex-US-Präsident Donald Trump veröffentlicht hatte, auf denen er vermeintlich den US-Virologen Anthony Fauci umarmt. Problem nur: Die Bilder waren künstlich erzeugt worden. Eine solche Umarmung hat es nie gegeben. Alles nur ausgedacht.

Stellen Sie sich so etwas mal im bundesdeutschen Wahlkampf vor. Beides wäre ein Skandal, der dem jeweiligen Kandidaten vermutlich nachhaltig schaden würde. In den USA? Alles ganz normal. Egal ob Fake News oder haltlose Anschuldigung, alles ist erlaubt. DeSantis' Wahlkampfteam zeigt vor allem eines: Wie verroht die öffentliche Meinungsbildung in den USA inzwischen ist.

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Ausgespäht.

Sie rollen wieder. Nach 15 Jahren verpasst Google seinem Dienst "Street View" eine Generalüberholung. Und schickt Autos mit Kameras durchs Land. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte sagt schon mal vorsorglich, dass Mieter wie Eigentümer jederzeit Einspruch einlegen können. Datenschutz garantiert.

Im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn sind die Street-View-Bilder hierzulande völlig veraltet. Und das aus gutem Grund. Bei der Einführung des Google-Dienstes gab es derart viele Einsprüche, dass Google jahrelang einen Bogen um Deutschland gemacht hat. Wir Deutschen sind beim Thema Datenschutz eben sensibel.

Inzwischen sind die Bedenken gegen die massenhafte Fotografiererei deutlich zurückgegangen. Wir haben uns an datenhungrige Großkonzerne gewöhnt. Ist das gut? Die Frage vermag ich nicht abschließend zu beantworten. Persönlich bin ich noch entspannt. Das mag sich ändern, wenn irgendjemand eine Möglichkeit findet, Street-View-Daten zu missbrauchen.


Das historische Bild

Walt Disney galt als Mann mit Gespür für Erfolge, 1940 floppte einer seiner Filme aber gewaltig. Mehr lesen Sie hier.


Lesetipps

Die Stimmung ist angespannt. Zum ersten Mal seit 24 Jahren wird in Australien über eine Verfassungsänderung abgestimmt – es geht um die Ureinwohner des Kontinents. Meine Kollegin Anna-Lena Janzen lebt dort und erklärt, worüber gestritten wird.

Wenn die Regierung sich zerlegt, freut sich die Opposition. Eigentlich. Doch Friedrich Merz gerät derzeit in der eigenen Partei unter Druck. Was der CDU-Vorsitzende zur Kritik sagt? Das hat er meinen Kollegen Kati Degenhardt und Sven Böll in einem ausführlichen Interview verraten – und dabei auch klargestellt, ob man in Deutschland alles sagen darf.


Ohrenschmaus

Wenn Sie vor härterer Musik und derben Texten nicht zurückschrecken, dann können Sie heute zum Schluss noch etwas mit mir lachen. Ich gehe jetzt ins Bett, Sie können heute den Song zum Aufstehen genießen: Zähneputzen, Pullern, ab ins Bett.


Zum Schluss

Nie weiß man, was wirklich hilft.

Ich wünsche Ihnen einen entspannten Wochenausklang. Morgen beschäftigen sich Annika Leister und Florian Harms im Podcast "Diskussionsstoff" mit dem Umfragen-Höhenflug der AfD. Am Montag schreibt unser US-Korrespondent Bastian Brauns an dieser Stelle.

Herzliche Grüße

Ihr

Peter Schink
Stellvertretender Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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