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Biden in Kiew: Russen spotten über den Besuch des US-Präsidenten


So reagieren die Russen auf den Biden-Besuch


Aktualisiert am 21.02.2023Lesedauer: 3 Min.
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Russlands Präsident Wladimir Putin: Ein Treffen von Russlands Machthaber und US-Präsident Biden scheitert laut Kreml an dem fehlenden Verhandlungswillen des Westens.
Russische Propagandisten verbreiten nun: Nur mit einer Sicherheitsgarantie von Putin höchstpersönlich habe sich Biden in die Ukraine getraut. (Quelle: Mikhail Metzel/imago images)

Kurz vor dem ersten Jahrestag des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine besucht US-Präsident Biden Kiew. Das wird auch in Russland diskutiert – teils warnend, teils spöttisch.

US-Präsident Joe Biden ist am Montag überraschend in Kiew eingetroffen. Das beschäftigt auch Russinnen und Russen. Ein Überblick.

Die inzwischen aus Russland ausgewanderte russische Politologin Tatjana Stanowaja erwartet angesichts des Besuchs eine Zuspitzung in der Rhetorik zwischen Russland und den USA. In ihrem Telegram-Channel "R.Politik" schreibt Stanowaja, der Kreml werde den Besuch so auslegen, dass die "Spezialoperation" nun "unwiderruflich zu einem Krieg zwischen Russland und dem Westen geworden ist".

Dementsprechend werde auch die für diesen Dienstag angekündigte Rede von Kremlchef Putin "noch schärfer" ausfallen als ohnehin erwartet und wohl auf einen demonstrativen Bruch mit dem Westen abzielen.

Die russische Wirtschaftszeitung Wedomosti spielt den Besuch herunter. Sie zitiert den Moskauer Politikwissenschaftler Dmitri Ofizerow-Belskij: "Die Bedeutung von Bidens Besuch in Kiew sollte nicht überschätzt werden – dies ist eine weitere Demonstration der Solidarität mit der Ukraine."

"Verschärfung der Feindseligkeiten"

Ofizerow-Belskij meint, der Besuch sei der Versuch der USA, die ukrainische Bevölkerung zu motivieren, weiter gegen Russland zu kämpfen und den ukrainischen Präsidenten Selenskyj zu unterstützen. In der US-Innenpolitik, so der Experte weiter, spiele die ukrainische Frage hingegen keine so große Rolle, wie es auf den ersten Blick erscheine. Biden versuche mit seinem Besuch kaum, seine Wählerschaft zu beeinflussen.

Der prorussische Kriegsblogger Andrej Rudenko schreibt auf Telegram, der Besuch habe zur Folge, dass das "große Amerika" in der Ukraine nun noch mehr "angebetet" werde. Biden gewinne damit einen Vorteil im "Informationskrieg" rund um die militärischen Kämpfe in der Ukraine. Dies sei aber nur ein Teil der Kriegsführung – die konventionelle.

Damit spielt Rudenko darauf an, dass Russland einen "hybriden Krieg" führt, also neben militärischen Attacken mit Streitkräften auf ukrainischem Boden etwa auch großangelegte Cyberangriffe fernab des Schlachtfelds ausführt. "Wir sollten uns auf eine Verschärfung der Feindseligkeiten einstellen", schreibt Rudenko; Biden wolle mit einem Sieg über Russland in die Wahl gehen.

Spott und Propaganda

Bidens Reise als Wahlkampfmanöver – so argumentieren viele russische Kommentatoren am Montag. Ein Telegram-Nutzer schreibt, es sei "witzig", dass Biden seine Wahlkampftournee mit einem Besuch in der Ukraine und nicht in den USA, zum Beispiel in Ohio, begonnen habe. In Ohio bahnte sich nach einem schweren Zugunglück eine Naturkatastrophe an. Ein anderer Nutzer meint gar, der Luftalarm, der losging, als Biden mit Selenskyj zusammentraf, sei bestens geeignet für den Wahlkampf des US-Politikers – und nur dafür ausgelöst worden. Kiew und etliche Orte in der Ukraine werden seit einem Jahr immer wieder von russischer Seite angegriffen, der Luftalarm dient den Menschen, bei akuten Angriffen in Bunkern oder Schutzräumen Zuflucht suchen zu können.

Joe Biden und Wolodymyr Selenskyj am Montagvormittag in Kiew: Es war Bidens erster Besuch in der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskriegs vor knapp einem Jahr.
Joe Biden und Wolodymyr Selenskyj am Montagvormittag in Kiew: Es war Bidens erster Besuch in der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskriegs vor knapp einem Jahr. (Quelle: Evan Vucci/ dpa)

Gespottet wird im russischen Telegram-Kanal "Pesdusa": "Als Antwort auf den Besuch von Biden in Kiew hat Putin auf der anderen Seite seines Tisches Platz genommen", heißt es darin. Der Kremlchef hatte in der Vergangenheit an überdimensionierten Tischen Staatsgäste und Politikerinnen und Politiker empfangen. Anders als Selenskyj bekommt Putin derzeit kaum derart hochrangigen Besuch.

Der Ex-Putin-Berater und Propagandist Sergej Markow behauptet, Biden besuche Kiew nur, weil sein Gegner Putin "so ehrlich und zivilisiert" sei, ihm einen gefahrlosen Besuch zu ermöglichen. Putin, so Markow, habe Biden eine Garantie gegeben, sicher reisen zu können, nur deshalb traue sich Biden überhaupt in die Ukraine. Offizielle Bestätigungen dieser "Garantie" gibt es weder von russischer noch von US-amerikanischer oder ukrainischer Seite.

Dessen ungeachtet behauptet Markow, Bidens Besuch in Kiew bestätige, dass Russland im Recht sei und auf der Seite des Guten stehe. Damit wiederholt Markow ein russisches Propaganda-Narrativ, wonach Russland von den USA und generell dem Westen bedroht werde und sich nur verteidige: Dazu sei auch der Krieg in der Ukraine notwendig, heißt es immer wieder. Dass Russland die Ukraine überfallen und den Krieg begonnen hat, ignoriert Markow dabei, wie üblich in dieser Propagandaerzählung.

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