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Eroberer Roms: Wo ist der Schatz des Gotenführers Alarich versteckt?


Wo ist der sagenhafte Schatz des Gotenführers Alarich versteckt?

Von Angelika Franz

30.06.2022Lesedauer: 5 Min.
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Plünderung Roms: So stellte sich das 19. Jahrhundert die Eroberung durch Alarichs Goten vor.Vergrößern des Bildes
Plünderung Roms: So stellte sich das 19. Jahrhundert die Eroberung durch Alarichs Goten vor. (Quelle: akg-images/dpa-bilder)

Seine Horden stahlen Rom ein Vermögen, dann starb Gotenherrscher Alarich unvermittelt. Bis heute wird sein Grab gesucht – samt eines gewaltigen Bergs an Gold.

Der Westgote Alarich begann schon in jungen Jahren damit, römische Besitztümer zu plündern. Gerade einmal 20 Jahre war er alt, als er mit einem ungestümen Trupp plündernd durch Thrakien und Griechenland zog, beides römisches Staatsgebiet. Dabei waren die Westgoten gar keine Feinde Roms, sondern Verbündete.

Schaden wollte der germanische Warlord Alarich den mächtigen römischen Freunden mit seinen Raubzügen vermutlich auch gar nicht – sondern eher die Grenzen des Erlaubten austesten. Er kam mit einer Verwarnung davon und fand sich prompt drei Jahre darauf Seite an Seite mit den Römern auf dem Schlachtfeld wieder, als Anführer eines westgotischen Hilfstruppenkontingents im Heer des oströmischen Kaisers Theodosius.

Kanonenfutter für die Römer

In dieser Rolle fühlte er sich deutlich wohler. Denn im Grunde seines Herzens wollte der Westgote nur eins: die Anerkennung der Römer. Nichts bewunderte und verehrte Alarich so sehr wie die Größe und Macht des Römischen Imperiums. Die Römer aber erwiderten seine Liebe nicht.

Im September 394 nach Christus trafen die Truppen des oströmischen Herrschers Theodosius am Frigidus im heutigen Slowenien auf die Soldaten der Usurpatoren Arbogast und Eugenius, die sich den Westteil des Reiches angeeignet hatten. Um die eigenen Leute zu schonen, schickten Theodosius' Strategen Alarich und seine Westgoten in die vordersten Reihen.

Von seinen 20.000 Männern überlebte nur jeder Zweite. Theodosius gewann am Frigidus und für ein paar letzte Monate lag die Macht über West- und Ostrom zugleich in seinen Händen – es war jedoch das letzte Mal in der Geschichte, dass beide Reichsteile geeint sein sollten. Bereits im Jahr darauf starb der Kaiser.

Mit seinem Tod wurde der Vertrag der Römer mit den Westgoten null und nichtig. Und kaum lösten sich die Bande, machten Gerüchte die Runde: Die Römer hätten die Westgoten am Frigidus mit voller Absicht an vorderster Front aufgestellt, um deren beste Kämpfer aus dem Weg zu schaffen und so ihre Stärke zu brechen.

Umworben von allen Seiten

Was von Alarichs Haufen noch übrig war, brannte vor Wut – und machte sich auf gen Konstantinopel, um bittere Rache zu nehmen. Ein Umweg führte die Westgoten zunächst nach Attika in Griechenland. Niemand wagte es, sich ihnen in den Weg zu stellen. Athen ergab sich widerstandslos, Korinth fiel, dann Argos, am Ende Sparta.

Bevor größerer Schaden entstehen konnte, gab der oströmische Kaiser Arcadius, ältester Sohn des verstorbenen Kaisers Theodosius, ihm, was er haben wollte. Sie erlaubten den Westgoten, sich auf römischem Boden niederzulassen, und erhoben Alarich in den Stand eines oströmischen Heerführers. Sehr zu dessen Freude: Bald durften seine Leute ihn nur noch mit der römischen Form seines Namens als Alaricus ansprechen.

Doch auch Arcadius’ kleiner Bruder Honorius, der vom Vater den Westteil des Reiches geerbt hatte, buhlte nun um die Westgoten. Denn die hatten sich in Illyrien, einer Landschaft im heutigen Kroatien und Bosien-Herzegowina, niedergelassen und damit genau an der sensiblen Nahtstelle zwischen Ost- und Westrom. Wer Illyrien – und damit die kampferprobten Westgoten – kontrollierte, konnte so eine sichere Pufferzone um sein Reich schaffen.

Alarich wähnte sich am Ziel seiner Träume und gab dem Werben – inklusive saftigem Zahlungsversprechen – nach. Doch die Flitterwochen währten keine zwei Jahre. Aus Angst vor einer Machtübernahme durch die germanischen Hilfstruppen ließ Honorius im Jahr 408 ein Blutbad unter deren Frauen und Kindern anrichten.

Wunsch nach Rache

Rund 30.000 Mann versammelten sich hinter Alarich, um blutige Rache zu nehmen. Im September 408 stand das Heer vor den Toren Roms und begann die Belagerung. Zerstören wollte Alarich die "ewige Stadt" aber gar nicht – immer noch bewunderte er Rom mit seiner Kunst und Kultur. Stattdessen forderte er 5.000 Pfund Gold, 30.000 Pfund Silber, 4.000 Gewänder aus Seide, 3.000 purpur gefärbte Häute, 3.000 Pfund Pfeffer, die Freiheit von 40.000 versklavten Goten.

Und obendrein Land: nicht das abgelegene Illyrien, sondern einen fruchtbaren Keil zwischen der Donau und dem Golf von Venedig. Honorius aber ließ nicht mit sich reden. Es ging hin und her. Zwei Jahre lang sollten die Römer um ihr Leben bangen. Dann endlich, am 24. August 410, fielen die Goten in Rom ein. Es war das erste Mal seit Jahrhunderten, dass eine feindliche Macht die "ewige Stadt" eroberte.

Es wurde schlimm, aber nicht so schlimm, wie es die Römer befürchtet hatten. Zu viel Ehrfurcht hatten die Goten vor der Großmacht, mit der sie eine innige Hassliebe verband. Alarichs Truppen verschonten viele Kirchen und alle, die darin Zuflucht suchten. Eine Jungfrau blieb angeblich von der Vergewaltigung durch gotische Krieger verschont, indem sie an die Ehre ihrer Peiniger appellierte.

Lediglich sieben Tage lang blieb Alarich in Rom und sichtete sorgfältig, was er mitnehmen wollte. Was der Kirche gehörte, durfte bleiben. Stattdessen leerte er die kaiserlichen Schatzkammern. Als die Goten am Ende abzogen, ächzten ihre Lasttiere unter dem Gewicht von 25 Tonnen Gold und 150 Tonnen Silber.

Erst reich, dann tot

Der schwerreiche Alarich kam allerdings nicht weit. Völlig unerwartet erlag der Herrscher keine 500 Kilometer von Rom entfernt einem Fieberschub, vermutlich verursacht von einer Malaria-Infektion. Warum die Goten ihm der Überlieferung nach das geraubte Gold und Silber mit ins Grab gaben, ist nicht überliefert.

Wo aber befinden sich Grab und Hort des Alarich? "Nahe der Stadt Cosenza wurde der Fluss Busento mithilfe von Deichbauten umgeleitet", schrieb 150 Jahre nach Alarichs Tod der Gelehrte und Geschichtsschreiber Jordanes. Im trockengelegten Bett des Flusses legten die Goten dann eine Grabkammer. Dort hinein betteten sie ihren verstorbenen Anführer mitsamt seinem Pferd auf die Reichtümer der römischen Kaiser.

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Nach einer anständigen Feier durchstachen sie die Dämme und leiteten den Fluss zurück in sein Bett. Die Sklaven, die das Grab ausgehoben hatten, wurden ermordet, um den Ort für immer geheim zu halten. Doch selbst wenn die Goten sich tatsächlich vollständig von dem Schatz getrennt haben sollten, könnte die Legende von dem umgeleiteten Fluss eine Finte gewesen sein.

Jordanes beschreibt die Stelle als an einer Flussgabelung gelegen. Der Zusammenfluss von Busento und Crati aber liegt mitten in Cosenza. Und die Stadt gibt es bereits seit dem 4. Jahrhundert vor Christus. Die Goten hätten also, um den Ort geheim zu halten, nicht nur die Sklaven töten müssen, sondern alle Bewohner der Stadt gleich mit. Allerdings gibt es rund 1,5 Kilometer von der Stadt entfernt eine Schleife im Fluss, die sich für ein solches Bauvorhaben geradezu anbietet.

Möglicherweise liegt der Schatz aber auch in einer Höhle am Oberlauf des Busento. Wieder andere Schatzsucher vermuten ihn in der Krypta einer alten, verfallenen Kirche am Flussufer. Eine Grabungsgenehmigung wurde von den italienischen Behörden jedenfalls bislang für keinen der Orte erteilt. Sehr zur Freude der jungen Mädchen von Cosenza. Denn diese waschen traditionell ihre Haare im Fluss – das Wasser würde ihnen, so die Legende, einen goldenen Schimmer verleihen.

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