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Tsunamis: "Eine wahnsinnige Wucht, die keiner erwartet"


"Eine wahnsinnige Wucht, die keiner erwartet"

Ein Interview von Ulrich Weih

Aktualisiert am 29.11.2013Lesedauer: 3 Min.
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Aufnahme aus einem Urlaubervideo vom Dezember 2004: Die Tsunami-Welle trifft auf den Strand von Phuket (Quelle: AP Photo / APTN)
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"Er gilt als 'das schlimmste Ungeheuer von allen'. Ein Monster, das sich erforschen, nie aber bezähmen lässt. Ein Monster, das unvermutet zuschlägt und Hunderttausende von Menschenleben fordern kann, über den halben Globus verteilt: der Tsunami." So beschreibt Linda Maria Koldau in ihrem Buch die zerstörerische "Hafenwelle".

Spätestens seit dem 26. Dezember 2004, als mehr als 230.000 Menschen am Indischen Ozean starben, ist diese Form der Naturkatastrophe in unser Bewusstsein gerückt. Wir müssen - erneut - unsere eigene Verletzlichkeit erkennen. Wir haben mit Linda Maria Koldau über Tsunamis gesprochen.


Die Gewalt der Tsunamis

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t-online.de: Was macht die besondere Zerstörungskraft eines Tsunamis aus? Warum ist er stärker als eine ganz gewöhnliche Welle?

Linda Maria Koldau: Eine normale Welle ist eine Windwelle: Sie kommt auf einen zu, bricht über einen hinweg, wenn man Glück hat, taucht man hindurch und kommt dann wieder heraus.

Bei einem Tsunami ist es so, dass das ganze Meer kommt und immer weiter strömt. Und zwar mit einer Geschwindigkeit von 50 bis 60 Kilometern pro Stunde beim Auftreffen auf die Küste; auf dem freien Ozean bewegt sich der Tsunami noch viel schneller. Bei einem Tsunami bricht die Welle nicht und dann ist es überstanden, sondern das Wasser strömt und strömt - der ganze Ozean kommt. Immer weiter, ein bis zwei Stunden lang. Das ist eine wahnsinnige Wucht, die man nicht erwartet, die alles mitreißt. Menschen, Autos, Schiffe, Häuser.

Was kann ein Tsunami anrichten?

Vor 8000 Jahren hat sich in der Nordsee ein Tsunami ereignet, die sogenannte Storegga-Rutschung. Wie der Name andeutet, wurde die Katastrophe durch eine Hangrutschung ausgelöst. Unter der Wasseroberfläche geriet eine enorme Menge Geröll in Bewegung, dabei wurde sehr viel Wasser verdrängt, und ein Tsunami bildete sich.

Man hat rekonstruiert, dass dieser Tsunami den Untergang eines ganzen Landes beschleunigt hat. Die Doggerbank kennt man heute nur noch als Sandbank. Sie ist die höchste Erhebung eines Landes, das vor Tausenden von Jahren dem Meeresspiegelanstieg zum Opfer fiel. Doggerland war hügelig und von Strömen und Bächen durchzogen. Es gab Fischerdörfer und Siedlungen. Der Tsunami hat dieses Land, das die Britischen Inseln damals mit dem europäischen Festland verband, überspült. Wer überlebte, ist weggezogen. Eine Kultur musste damals aufgegeben werden.

Doch auch wenn kein Land ausgelöscht wird: Die Zerstörung durch einen Tsunami ist weitaus größer als bloß die Vernichtung von gebauten Strukturen. Durch Langzeitversalzung sind ganze Regionen für die Landwirtschaft unbrauchbar, das Grundwasser ist ungenießbar. Oder es ist verseucht durch Chemikalien aus verwüsteten Industrieanlagen. Die Natur ist komplett zerstört.

Es gibt Gebiete, da ist keine rasche Erholung zu erwarten. Stichwort Fukushima: In Japan ist das Schlimmste passiert, was man sich vorstellen kann: Verseuchung einer Region durch Strahlung. Das sind Geisterstädte, die auf Jahrzehnte nicht bewohnbar sind.

Viele Tsunamis ereignen sich in Japan oder im Pazifikraum – das erscheint uns unendlich weit weg. Können Tsunamis auch bei uns auftreten?

Was kaum bekannt ist: Das zweitgrößte Gefahrengebiet nach dem Pazifik ist das Mittelmeer. Das weiß kaum ein Urlauber, der nach Italien fährt. Das Mittelmeer ist ein Erdbebengebiet und da hat es schon häufig sehr heftige Tsunamis gegeben.

Ein Beispiel: Das Erdbeben in Messina 1908, das auch einen gewaltigen Tsunami ausgelöst hat. Man vermutet, dass damals etwa 100.000 Menschen ums Leben gekommen sind; viele von ihnen durch den Tsunami.

Es gibt sogar Inlandtsunamis – überall dort, wo es tiefe Fjorde oder Bergseen gibt und es zu einer Hangrutschung kommt, können Tsunamis entstehen. In Norwegen wurden so bereits mehrere Dörfer ausgelöscht. Es gab auf diese Art auch schon mehrere Tsunamis in der Schweiz, am Vierwaldstädter See oder am Genfer See.

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Sind wir auf die Tsunamigefahr vorbereitet?

Was ein großes Problem ist und leider ignoriert wird, ist die zunehmende Konzentration der weltgrößten Städte an den Küsten. Es ist im Grunde nur eine Frage der Zeit, bis einmal eine Stadt wie Tokio, Shanghai oder Los Angeles von einem Tsunami erwischt wird. Im 20. Jahrhundert haben wir ein enormes Bevölkerungswachstum und gleichzeitig eine Verdichtung der Bevölkerung an den Küsten. 30 der größten Städte der Welt liegen an Küsten. Und die meisten dieser Küsten davon sind tsunamigefährdet.

Das Fatale an Tsunamis ist, dass sie relativ selten in kurzen Zeitabständen am selben Ort auftreten. Stattdessen wird eine Region vielleicht einmal in 100 Jahren getroffen. Da lässt man relativ schnell locker und denkt nicht mehr an die Gefahr.

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  • Marc von Lüpke-Schwarz
Von Marc von Lüpke
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