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München: Hat ein "Todespfleger" Patienten umgebracht?


Mordanklage gegen jungen Mann
Arbeitete ein "Todespfleger" in München?

Von dpa
Aktualisiert am 24.08.2022Lesedauer: 3 Min.
Altenpfleger und Mann mit Rollator im Hausflur (Symbolbild): Der Notstand in der Pflege ist laut Krankenkasseninformationen in Bayern größer als gedacht.Vergrößern des BildesAltenpfleger und Mann mit Rollator (Symbolbild): Zwei Morde und sechs Mordversuche gehen auf das Konto des mutmaßlichen Täters. (Quelle: photothek/imago-images-bilder)
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Grausiger Verdacht: In einem Krankenhaus soll ein Mitarbeiter mehrere Patienten in Lebensgefahr gebracht und totgespritzt haben. Aus reiner Geltungssucht?

Die Staatsanwaltschaft hat einen Krankenpfleger einer Münchner Klinik wegen zweifachen Mordes und sechs Mordversuchen angeklagt. Das sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München I der Deutschen Presse-Agentur. Die Anklage sei bereits Anfang August am Schwurgericht am Landgericht München I erhoben worden. Die beiden Todesopfer waren laut Staatsanwaltschaft 80 und 89 Jahre alt.

Der Fall hatte im November 2020 erstmals Schlagzeilen gemacht. Von einem mutmaßlichen "Todespfleger" war schon damals die Rede. Dazu teilten die Behörden mit, dass sie in drei Fällen wegen des Verdachts auf versuchten Mordes ermittelten. Die Staatsanwaltschaft warf dem bei seiner Festnahme 24-Jährigen vor, drei Patienten im Alter von damals 54, 90 und 91 Jahren aus reiner Geltungssucht mit Medikamenten in Lebensgefahr gebracht zu haben, um dann bei ihrer Rettung zu glänzen. Das legten Chatprotokolle nahe, wie die Staatsanwaltschaft damals eröffnete.

München: Plötzlich ging es den Patienten schlechter

Ein aufmerksamer Oberarzt am Klinikum rechts der Isar war stutzig geworden, weil sich der Zustand von zwei Patienten plötzlich und unerklärlich verschlechtert hatte. Interne Ermittlungen ergaben Hinweise auf einen ähnlichen Fall, bei dem der Beschuldigte ebenfalls Dienst hatte. Der Verdacht: Der Pfleger spritzte den Patienten eine Überdosis eines Medikaments, das ihnen nicht verabreicht werden sollte. Spuren dieser nicht verordneten Medikamente wurden im Blut der Patienten gefunden. Die Klinik zeigte den Pfleger an, er bestritt die Vorwürfe bei seiner Festnahme.

Der ausgebildete Altenpfleger aus Nordrhein-Westfalen war seit Juli 2020 über eine Zeitarbeitsfirma in die Klinik gekommen und dort vor allem auf der sogenannten Wachstation im Einsatz, einer Zwischenstation zwischen Intensiv- und normaler Station, auf der Kranke rund um die Uhr betreut werden. Die Ermittlungsgruppe der Polizei, die sich mit dem Fall befasste, trug darum den Namen "Wachstation".

Fall erinnert an Patientenmörder Niels Högel aus Oldenburg

Im Klinikum rechts der Isar, dem mutmaßlichen Tatort, wollte sich Anfang des Jahres niemand zu dem Fall äußern. "Nach Absprache mit den Ermittlungsbehörden informieren ausschließlich diese über den Fall. Wir kooperieren aufs Engste mit den Behörden", sagte eine Sprecherin. Auch zu der Frage, ob Sicherheitsvorkehrungen in der Klinik verschärft wurden, wollte die Sprecherin sich nicht äußern.

Der Fall erinnert an den als "Todespfleger" bekannt gewordenen Patientenmörder Niels Högel, den das Landgericht Oldenburg 2019 wegen Mordes in 85 Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt hatte. Er war in Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst als Krankenpfleger in der Intensivmedizin tätig und tötete dort nach Feststellung des Landgerichts insgesamt 85 Patienten, indem er ihnen medizinisch nicht indizierte Medikamente verabreichte. Dabei soll es ihm in erster Linie darum gegangen sein, sich danach um die Reanimation der Patienten bemühen zu können und vor Kollegen gut dazustehen.

Tötungsdelikte in der Pflege machen deutschlandweit immer wieder Schlagzeilen: Anfang Oktober 2020 hatte das Landgericht München I einen Hilfspfleger wegen Mordes an drei Patienten zu lebenslanger Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Der Mann aus Polen hatte alten Menschen, die er pflegen sollte, Insulin gespritzt, das als Überdosis tödlich sein kann.

2016 verurteilte das Landgericht München I eine Hebamme des Klinikums Großhadern wegen siebenfachen Mordversuches im Kreißsaal zu 15 Jahren Haft. Nach Überzeugung des Gerichtes hatte die Frau Patientinnen bei Kaiserschnitt-Geburten heimlich Blutverdünner gegeben. Ohne Notoperationen wären sie gestorben.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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