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München: CSU gegen Grüne – Kampf um Bundestags-Direktmandate

Wahlkampf in München  

CSU gegen Grüne – Die Angst vor dem Worst-Case-Szenario

Von Patrick Mayer

16.09.2021, 07:41 Uhr
München: CSU gegen Grüne – Kampf um Bundestags-Direktmandate. Marienplatz, Neues Rathaus und Frauenkirche von oben (Archivbild): In München sind die Direktmandate in den Wahlkreisen hart umkämpft. (Quelle: imago images/Christian Offenberg)

Marienplatz, Neues Rathaus und Frauenkirche von oben (Archivbild): In München sind die Direktmandate in den Wahlkreisen hart umkämpft. (Quelle: Christian Offenberg/imago images)

Bei der Bundestagswahl 2021 droht der CSU ausgerechnet in München ein Worst-Case-Szenario – der Verlust aller Direktmandate. t-online erklärt, wie die Grünen und die SPD Druck machen.

Markus Söder wirkt sehr ernst in letzter Zeit. Wirklich ernst. Der CSU-Chef hat längst erkannt, dass die schlechten Umfragewerte der Union nicht nur für die Schwester CDU gelten. Sondern auch für seine Partei im Stammland Bayern. Und so forderte der bayerische Ministerpräsident von seinen Parteifreunden in einer seiner schier unzähligen Reden vor der Bundestagswahl 2021: "Kämpfen, kämpfen, kämpfen!"

Was ihm besonders Sorgen macht: die Großstädte. Vor allem "in Augsburg, Nürnberg und auch in München" müsste nochmal richtig gearbeitet werden, erklärte der 54-jährige Franke zuletzt. Er weiß: Eine Schlappe in der nach Einwohnern drittgrößten deutschen Stadt (1,56 Millionen Bürger) stünde der CSU sehr schlecht zu Gesicht. Unabhängig davon, was CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet im Bund erzielt. Oder eben nicht erzielt. Der Druck, den die Grünen und die SPD in München machen, ist mittlerweile gewaltig.

Ein Rückblick: Die Bundestagswahl 2017 war für die CSU in der Isarmetropole eine klare Sache. Eine "g’mahte Wiesn", wie man in Südbayern sagt – eine gemähte Wiese. 33 Prozent der Erststimmen holte der Rechtsanwalt Michael Kuffer für die Konservativen im Wahlkreis München-Süd. 33,4 Prozent gab es für den Arzt Stephan Pilsinger im Wahlkreis München-Zentrum/West. Der Wissenschaftler Bernhard Loos (32,4 Prozent) holte im Münchner Norden ebenso das Direktmandat für die CSU, wie der Betriebswirt Wolfgang Stefinger (36,8 Prozent) im Osten der Stadt. Doch: Die Stimmung hat sich längst gedreht.

Bundestagswahl 2021 in München: Grünen seit 2018 im Aufwind

Noch ein Rückblick: Bei der bayerischen Landtagswahl 2018 verlor die CSU im Vergleich zu ihrem regelrecht astronomischen Ergebnis 2013 (47,7 Prozent) bemerkenswerte 10,5 Prozentpunkte. Die Grünen gewannen dagegen neun Prozent der Stimmen hinzu. Auf München heruntergebrochen: Im Landtags-Wahlkreis Mitte gewannen die Grünen mit 42,5 Prozent der Gesamtstimmen. Die CSU kam hier gerade mal auf 16,1 Prozent – ein Debakel.

Bernhard Loos (CSU) in einer Sitzung des Deutschen Bundestages (Archivbild): Der Politiker liegt laut Umfragen in seinem Wahlkreis in München momentan auf Platz drei. (Quelle: imago images/Future Image)Bernhard Loos (CSU) in einer Sitzung des Deutschen Bundestages (Archivbild): Der Politiker liegt laut Umfragen in seinem Wahlkreis in München momentan auf Platz drei. (Quelle: Future Image/imago images)

Selbst im eher konservativ geprägten Wahlkreis München Giesing setzten sich die Grünen klar (32,9 Prozent) gegen die CSU (23,3 Prozent) durch – mit einem Plus von 19,4 Prozent. "Wir sind nicht für die Kaviar-, sondern für die Leberkäs-Etage da", brüllte Söder beim jüngsten CSU-Parteitag ins Plenum. Und dürfte damit zum Beispiel das Einwohner-starke Arbeiterviertel Giesing (rund 107.000 Bürger) gemeint haben.

Umfragen prognostizieren Debakel für CSU in München

Noch mehr als die Ergebnisse von 2018 dürften jedoch jüngste Umfragen zur Bundestagswahl 2021 in der CSU für Unruhe sorgen. Konkret: Laut einer Umfrage von "wahlkreisprognose.de" ist 2013-Sieger Loos (23,5 Prozent) im Münchner Norden auf den dritten Platz zurückgefallen – hinter Doris Wagner (25 Prozent) von den Grünen und Florian Post (27,5 Prozent) von der SPD. Auch das Meinungsforschungsinstitut INSA sieht Post im Wahlkreis rund um den prominenten Stadtteil Schwabing vorne. Und: Dieselbe Umfrage sieht in der Grünen-Hochburg Mitte/West den Kandidaten Dieter Janecek (32 Prozent) klar vor CSU-Mann Pilsinger (24 Prozent).

Laut "wahlkreisprognose.de" gingen die besonders umkämpften Wahlkreise im Osten und im Süden derweil ebenfalls an die Grünen. Hier, zwischen Obergiesing, Isar und Sendling tritt die erst 28-jährige Jamila Schäfer für die Partei von Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock an. "Die Chance ist so gut wie nie", sagte Schäfer der "Süddeutschen Zeitung" und nannte als Kernpunkte ihrer Politik: Klimaschutz, soziale Gerechtigkeit und Gleichberechtigung der Geschlechter.

Jamila Schäfer (Grüne) spricht auf einem Parteitag ihrer Partei (Archivbild): Sie rechnet sich gute Chancen für das Direktmandat für den Bundestag aus. (Quelle: imago images/teutopress)Jamila Schäfer (Grüne) spricht auf einem Parteitag ihrer Partei (Archivbild): Sie rechnet sich gute Chancen für das Direktmandat für den Bundestag aus. (Quelle: teutopress/imago images)

Wohnungsmarkt und Mieten stehen bei der Bundestagswahl im Fokus

Hinzukommen bei den linksliberalen Parteien bezahlbare Mieten, sozialer Wohnungsbau und ausreichend Kindertagesstätten. Es sind Themen, die in der Millionenmetropole eifrig diskutiert werden. Und es sind Themen, die die CSU mutmaßlich jahrelang verschlafen hat.

"2013 hat der Freistaat Bayern mit Markus Söder als Finanzminister 9.000 GBW-Wohnungen allein in München an private Investoren verkauft", meinte die Grünen-Politikerin und Zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden jüngst im Interview mit t-online: "Für 2040 werden 1,85 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner prognostiziert, aktuell haben wir knapp 1,6 Millionen. Die Stadt ist sehr, sehr beliebt. München soll die Weltstadt mit Herz für alle bleiben, und nicht nur für jene, die die größten Gehälter haben."

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