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Putin-Freund bei Philharmonikern: Warum flog Waleri Gergijew nicht schon früher?


Warum flog Stardirigent Waleri Gergijew nicht schon früher?

Von Christof Paulus

Aktualisiert am 04.03.2022Lesedauer: 3 Min.
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Walery Gergijew (rechts) mit Wladimir Putin im Sankt Petersburger Mariinski-Theater (Archivbild): Der ehemalige Münchner Dirigent ist auch Intendant in Russland.
Walery Gergijew (rechts) mit Wladimir Putin im Sankt Petersburger Mariinski-Theater (Archivbild): Der ehemalige Münchner Dirigent ist auch Intendant in Russland. (Quelle: Russian Look/imago-images-bilder)
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Waleri Gergijew muss die Münchner Philharmonie verlassen, er ist ein Unterstützer von Russlands Präsident Wladimir Putin. Bekannt war das schon lange. Wieso blieb er überhaupt so lange Dirigent?

Viel geändert hat sich in den vergangenen neun Jahren. Einiges aber auch nicht. Für das Verhältnis der Stadt München zu ihrem Stardirigenten Waleri Gergijew wurde gleich beides zum Problem, die Entwicklung und die Nicht-Entwicklung. So endet die Amtszeit Gergijews bei den Philharmonikern unrühmlich. Der Schaden bleibt an beiden haften.

Als der Münchner Stadtrat im Januar 2013 beschloss, dass Waleri Gergijew neuer Dirigent der Münchner Philharmoniker werden sollte, war Boris Nemzow noch am Leben. Alexej Nawlany war ein freier Mann. Die Krim ein Teil der Ukraine, unbehelligt von russischen Besatzern. Und Gergijew war schon damals Unterstützer im Wahlkampf Wladimir Putins.

Waleri Gergijew wird Dirigent in München

Dann überfiel Russland unter Führung von Präsident Putin die Krim, annektierte die ukrainische Halbinsel völkerrechtswidrig. Wenig später wurde der Oppositionelle Nemzow ermordet, mutmaßlich im Auftrag russischer Staatsdiener. Putin-Freund Gergijew trat dennoch 2015 sein Amt als Dirigent der Münchner Philharmonie an.

Es folgten: ein Giftanschlag auf den Oppositionellen Alexej Nawalny, dessen politische Verurteilung, und nun ein Angriffskrieg auf die Ukraine. Gergijew, der schon die Annexion der Krim nicht nur gebilligt, sondern öffentlichkeitswirksam unterstützt hatte, blieb dennoch Dirigent in München. Bis jetzt.

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Gergijew habe sich, "trotz meiner Aufforderung, sich eindeutig und unmissverständlich von dem brutalen Angriffskrieg zu distanzieren, den Putin gegen die Ukraine und nun insbesondere auch gegen unsere Partnerstadt Kiew führt, nicht geäußert", teilte Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter am Dienstag mit. "Ich hätte mir erwartet, dass er seine sehr positive Einschätzung des russischen Machthabers überdenkt und revidiert."

München trennt sich von Putins Freund Waleri Gergijew

Das sei nicht geschehen, deshalb jetzt der Bruch mit Gergijew. Für München ist der Fall besonders brisant, weil die ukrainische Hauptstadt Kiew Partnerstadt Münchens ist. Doch eigentlich hätte es für Zweifel an Gergijew bereits zuvor genügend Gründe gegeben.

Schon 2013, als sich München für den Dirigenten entschied, hagelte es Kritik für seine Ernennung: Erst kurz zuvor hatte Putin ein Gesetz unterzeichnet, das vorgebliche "Propaganda" für Homosexuelle verbot. Gergijew hatte sich zwar von Homophobie-Vorwürfen gegen seine Person distanziert – dem russischen Präsidenten aber gleichzeitig Rückendeckung gegeben.

Als Gergijew schließlich sein Amt in München antrat, war schon lange klar, was er von der international geächteten Annexion der Halbinsel Krim hielt: "Volle Unterstützung" sagte Gergijew Putin zu, niedergeschrieben in einem 2014 veröffentlichten offenen Brief. Die Krim und Russland verbänden ohnehin gemeinsame Wurzeln, Kultur oder Sprache. Konsequenzen dafür aus München? Fehlanzeige.

Ukraine-Krieg macht Gergijew zur Persona non grata

Über alle Zweifel erhaben ist hingegen der Musiker Gergijew. 1953 in Moskau geboren, war er als Dirigent in der New Yorker Metropolitan Opera aktiv, ebenso bei den Salzburger Festspielen. Bevor er 2015 nach München kam, war er Chefdirigent des London Symphony Orchestra. Sein Talent hat ihn weit gebracht.

Waleri Gergijew als Dirigent des Mariinski-Theaters in St. Petersburg (Archivbild): Gründe für seine Abberufung in München hätte es bereits zuvor gegeben.
Waleri Gergijew als Dirigent des Mariinski-Theaters in St. Petersburg (Archivbild): Gründe für seine Abberufung in München hätte es bereits zuvor gegeben. (Quelle: ITAR-TASS/imago-images-bilder)

Bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2014 in Sotschi trug er die Olympische Flagge. In Russland gehört er zweifellos zu den größten Künstlern des Landes. Dass er auch zum Stolz des Putin-Regimes zählt, dafür tut Gergijew persönlich sein Übriges. Im Deutschland machte ihn dies nun zur Persona non grata.

Ukraine-Krieg: Elbphilharmonie sagt Gergijew-Auftritte ab

In Russland ist er indes Intendant des Mariinski-Theaters in Sankt Petersburg. Regimetreu sei er unter anderem auch deshalb, weil er sonst seine Stellung verlieren könnte, vermutete sein ehemaliger Agent Marcus Felsner in einem Gespräch mit dem Norddeutschen Rundfunk. Sein Unternehmen Felsner Artists hatte sich bereits am Montag von Gergijew getrennt.

Auch Gergijews Auftritte in der Hamburger Elbphilharmonie sind nun abgesagt. Wie in München ist man dort nicht mehr bereit, Werk und Künstler getrennt voneinander zu betrachten. Warum dies nicht schon vorher geschehen ist, bleibt offen. Eine Anfrage von t-online, ob es schon zuvor Überlegungen gegeben habe, sich von Gergijew zu trennen, verneint das Kulturreferat der Stadt München.

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Verwendete Quellen
  • NDR: "Keine Distanzierung von Putin"
  • "Süddeutsche Zeitung": "Gergiev zu Homophobie-Vorwürfen"
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Von Jennifer Lichnau
Alexej NawalnyKiewRusslandUkraineWladimir Putin

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