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Ex-FC-Bayern-Star über Harry Kane: "Wird in die Premier League zurückgehen"


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"Er wird in die Premier League zurückgehen"

Von Julian Buhl

Aktualisiert am 21.09.2023Lesedauer: 8 Min.
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Harry Kane erzielte das 1:0 für die Bayern.Vergrößern des Bildes
Harry Kane erzielte in den ersten vier Bundesligaspielen gleich vier Treffer für Bayern. (Quelle: IMAGO/Oryk HAIST)

Owen Hargreaves spricht mit t-online über das Duell seiner beiden Ex-Klubs FC Bayern und Manchester United, Kanes Qualitäten und schwärmt vom Wunschspieler der Münchner.

Das Duell seiner beiden Ex-Klubs Bayern München und Manchester United am Mittwochabend (21 Uhr) in München lässt sich Owen Hargreaves natürlich nicht entgehen. Für den britischen Sender TNT Sports wird er als TV-Experte über die Begegnung vor Ort in der Allianz Arena berichten.

Schon am Tag zuvor weilte der mittlerweile 42-Jährige in München und besuchte auch die Pressekonferenz von Bayern-Trainer Thomas Tuchel in der Allianz Arena, am Rande dieser Veranstaltung gab es für Hargreaves viele Hände alter Weggefährten zu schütteln. Der gebürtige Kanadier weilt aber nicht nur zu seinem Vergnügen in München. Unter anderem führte er für seinen Sender im Vorfeld der Partie ein Interview mit Bayerns neuem Stürmerstar Harry Kane.

Hargreaves, der insgesamt zehn Jahre in München spielte, bevor er 2007 für 25 Millionen Euro zu United wechselte, war freilich aber auch selbst ein gefragter Gesprächspartner. Schließlich kennt er beide Klubs so gut wie kaum ein Zweiter. Vor dem Aufeinandertreffen seiner beiden ehemaligen Vereine nahm er sich Zeit, mit t-online ausführlich über dieses spezielle Duell zweier ganz besonderer Klubs zu sprechen.

t-online: Herr Hargreaves, wie speziell ist es für Sie, zum Duell Ihrer beiden Ex-Klubs nach Deutschland zurückzukommen?

Owen Hargreaves: Es ist immer schön, nach München zurückzukommen. Ich bin als Experte für das englische Fernsehen hier. Die Champions League ist immer das Beste, das Spiel wird ein echtes Highlight, es wird aber sehr schwierig für United.

Warum?

Sie sind nicht gut in die Saison gestartet, haben viel Unruhe im Verein und vor allem auswärts große Probleme. Bayern ist Bayern – und hat jetzt auch noch Harry Kane vorne drin. Das ist etwas ganz anderes, als noch letzte Saison, wo sie keinen echten Mittelstürmer hatten.

Wie haben Sie Ihre Zeit beim FC Bayern in Erinnerung?

Ich bin damals als 16-Jähriger hierhergekommen und mit 26 wieder gegangen, sozusagen in München zum Mann geworden. Ich habe sehr viel gelernt, die Sprache, die Kultur, die Mentalität. München wird immer wie ein zweites Zuhause für mich sein. Ich habe auch immer noch eine Wohnung hier. Ich liebe die Stadt. Es war auch sehr schwer für mich, als Spieler von hier wegzugehen. München ist einfach eine super Stadt und Bayern einer der besten Vereine der Welt. Aber ich wollte damals noch mal eine andere sportliche Herausforderung, deswegen bin ich zu United gegangen. Ich glaube, bei Harry Kane war das jetzt ähnlich. Nach so langer Zeit bei Tottenham wollte auch er noch mal eine andere Herausforderung – und um Titel mitspielen.

Für welchen Ihrer beiden Ex-Vereine haben Sie nun mehr Sympathien – oder müssen Sie sich da als Experte zurückhalten?

Ich war zehn Jahre bei Bayern, vier bei United. Beide Klubs haben etwas ganz Besonderes, genau deshalb geht man als Spieler dorthin. Ich finde, ich muss mich da gar nicht für einen Klub entscheiden. Als Experte stehe ich jetzt auf der anderen Seite. Ich habe aber bei beiden Teams immer noch viele Freunde und Bekannte und will für beide das Beste. Ich möchte einfach ein geiles Spiel sehen. Aber Bayern München ist natürlich schon der Favorit.

Sie sprachen Kane bereits an. Ist er das Puzzleteil, das seit dem Abschied von Robert Lewandowski im vergangenen Sommer gefehlt hat und Bayern wieder zu einem der großen Favoriten auf den Titel macht?

Definitiv, ja. Sicherlich ist Manchester City als Titelverteidiger auch dieses Jahr wieder der ganz große Favorit. Aber Bayern hat in den beiden Viertelfinalduellen mit City wirklich ordentlich gespielt. In der Defensive haben sie ein paar Fehler gemacht, hatten aber sogar mehr Ballbesitz. Jetzt haben sie mit Kane jemanden vorne drin, der die Tore macht und in den entscheidenden Momenten dieser Spiele den Unterschied ausmachen kann. Man City hat den besten Kader, aber direkt danach kommt für mich Bayern. Ihre Mannschaft ist ebenfalls top, sie können die Champions League definitiv auch gewinnen.

Deshalb ist Harry Kane auch nach München gekommen. Wahrscheinlich hat Thomas Tuchel zu ihm gesagt: "Komm, wir können das zusammen schaffen!" Er hat die Champions League 2021 schon als Trainer mit Chelsea gewonnen. Das traue ich ihm auch mit Bayern zu, wenn alles zusammenpasst. Kane wird dabei mit Sicherheit helfen. Er ist einer der besten Mittelstürmer der Welt, vielleicht die beste Nummer neun. Er will hier Titel gewinnen und auch ein paar Rekorde brechen.

Waren Sie überrascht davon, dass sich Kane für einen Wechsel nach München entschieden hat?

Es waren viele andere große Klubs an ihm interessiert, auch United und Paris Saint-Germain. Deshalb bin ich schon ein bisschen überrascht, dass er, der Kapitän der englischen Nationalmannschaft, zu Bayern gegangen ist. Aber hier hat er die Möglichkeit, Titel zu gewinnen. Ich glaube, in den vier Jahren, für die er hier unterschrieben hat, kann er auch die Champions League gewinnen. Überrascht bin ich aber auch ein wenig von Bayern, dass sie 100 Millionen Euro Ablöse für einen 30-Jährigen gezahlt haben. So etwas machen sie normalerweise nicht. Aber sie wussten eben auch, dass sie auf dieser Position etwas machen müssen. Kane ist ein absoluter Leader, ein Kapitän, ein Torjäger. Jemand, der vorangeht und Verantwortung übernimmt. Er passt super zu Bayern. Die Stadt ist perfekt für ihn und seine Familie. Die Mannschaft ist sehr stark und er kann mit ihr viele Trophäen gewinnen. Am Ende geht es für ihn, Tuchel und auch für Bayern da aber schon um die Champions League. Das ist ihr großer, gemeinsamer Traum.

Kane ist mit vier Toren in vier Spielen gestartet. Was kann er der Mannschaft außer seinen Treffern noch geben?

Er ist sehr bescheiden und bodenständig, auf Englisch sagt man "humble". Das kommt bei einem solchen Topspieler sehr selten vor. Er ist so ein netter Kerl, so sympathisch, ein Familienmensch. Und natürlich ein absoluter Torgarant. Bei Tottenham hat er ab und zu ein bisschen tiefer gespielt, fast als Zehner. So hat er in der Premier League nicht nur viele Tore geschossen, sondern auch viele vorbereitet. Bei Bayern werden sie ihn in dieser Rolle nicht unbedingt brauchen. Auf den Positionen dahinter haben sie Thomas Müller, Jamal Musiala, Kingsley Coman, Leroy Sané, Serge Gnabry. Kane kann einfach im Sechzehner bleiben und die Tore machen. Ich finde, er passt einfach super zu dem Klub und ich bin gespannt, was dabei herauskommen wird. Sie werden um alle Titel mitspielen.

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Wird er Bayern gerade auch als Führungspersönlichkeit guttun?

Mit Sicherheit. Er hat eine Riesen-Stellung im Fußball. Den englischen Kapitän aus England nach München zu holen, ist schon bemerkenswert. Er ist ein ruhiger Kapitän, aber das ist auch gut so. Diese Führungsspieler, die auf dem Platz herumschreien – die gibt es auf diesem Niveau eigentlich nicht mehr. Auf Harry Kane ist aber einfach Verlass und das ist das Wichtigste im heutigen Fußball. Er ist in den großen Momenten da und entscheidet die Spiele mit seinen Toren. Ein super sympathischer, netter Kerl. Er wird München genießen. Aber er wird seine Mitspieler anders führen, als das vielleicht die Kapitäne in der Vergangenheit getan haben. Aber letztendlich ist das Einzige, was für Bayern zählt: Erfolg, Titel. Deswegen ist er ja auch hier.

Können Sie sich vorstellen, dass Kane nach den vier Jahren, die er bei Bayern unterschrieben hat, noch mal in die Premier League zurückgeht, um sich dort noch den Rekord des besten Torschützen aller Zeiten zu sichern?

Na klar wird er noch mal in die Premier League zurückgehen. Er hat die meisten Tore für die Nationalmannschaft geschossen, die zweitmeisten in der Premier League, liegt nur 47 Treffer hinter Alan Shearer. Überall, wo er hingeht, bricht Harry Kane Rekorde. Er wird hier vier Jahre spielen, ein paar Titel sammeln, vielleicht auch ein, zwei große in der Champions League. Und dann wird er zurückgehen und alle Torrekorde in der Premier League brechen. Harry ist wie ein guter Wein: Er wird immer besser, je älter er wird. Er ist erst 30 Jahre alt und ich gehe davon aus, dass er noch mindestens sechs, sieben Jahre spielen wird. Und dann werden alle Rekorde ihm gehören.

Das Finale dieser Champions-League-Saison ist in Wembley. Sich ausgerechnet dort mit dem Titel zu krönen, würde für Kane ja gleich ziemlich gut passen, oder?

Das ist natürlich eine ziemlich coole Konstellation. Aber wenn man im Fußball zu weit nach vorne schaut, dann verliert man den Blick auf den Moment. In der Champions League kann alles passieren und im Fußball verändert sich manchmal alles so schnell. Von daher wird er da sicherlich mit einem Auge schon darauf schauen. Aber er ist zu professionell, um zu weit nach vorne zu blicken. Und weiß, dass der Moment das Wichtigste ist.

Wie bewerten Sie als ehemaliger Mittelfeldspieler den Kader des FC Bayern insgesamt? Mit Declan Rice und zuletzt João Palhinha wollte Tuchel noch unbedingt einen defensiv ausgerichteten Sechser holen. Beides klappte nicht, Palhinhas Transfer scheiterte in letzter Sekunde noch. Fehlt dieser Spielertyp nun?

Fehlen ist ein großes Wort. Man will immer mehr, das ist normal. Ob man das tatsächlich braucht, ist aber etwas anderes. Sie haben nach einem Sechser geschaut, aber es hat am Ende nicht geklappt. Palhinha ist ein super Spieler. Gegen den Ball ist er einer der besten der Premier League, hat dort in der vergangenen Saison die meisten Zweikämpfe gewonnen. Diese Position ist unheimlich wichtig, gerade in den entscheidenden K.-o.-Spielen, vor allem wenn es um die Umschalt- und Balleroberungsmomente geht. Das hat man auch im Champions-League-Finale gesehen, wie wichtig Rodri da für Man City war. Der Sechser vor der Abwehr ist im heutigen Fußball entscheidend.

Ich finde, Kimmich macht das super, Goretzka als Box-to-Box-Spieler auch. Aber Tuchel glaubt, dass er noch etwas anderes, einen anderen Spielertypen braucht. Palhinha ist ein geiler Kicker. Er ist vielleicht noch nicht der ganz große, sexy Name, aber in vielen wichtigen Momenten entscheidend. Bayerns Kader ist top. Manuel Neuer wird jetzt noch zurückkommen. Min-jae Kim ist noch mal eine große Verstärkung für die Abwehr. Die ganzen Topspieler, die sie vorne haben, sind der Wahnsinn. Alphonso Davies wirkt wieder super fit. Noussair Mazraoui macht das sehr gut auf der rechten Seite. Da fehlt nicht viel. Wenn, dann vielleicht ein defensiver Mittelfeldspieler. Wenn Sie den wirklich brauchen, dann können Sie das auch im Januar noch machen.

Ihr Rat an den FC Bayern wäre es also, im Januar einen neuen Anlauf bei Palhinha zu unternehmen?

Ich mag ihn sehr gerne. Viele Fans werden vielleicht fragen: "Warum kaufen wir einen Spieler von Fulham für so viel Geld?" Er spielt aber auch sehr stark in der portugiesischen Nationalmannschaft, hat eine super Saison in England hingelegt. Ich bin überrascht, dass sich Liverpool nicht um ihn bemüht hat, nachdem sie Jordan Henderson und Fabinho verloren haben. Denn auf seiner Position ist Palhinha einer der Besten. Er ist 28, also im besten Fußballeralter. Wenn die Möglichkeit weiterhin da ist, ihn zu bekommen, dann kann ich mir schon vorstellen, dass Bayern sie im Januar nutzen wird.

Wenn wir über Bayern gegen Manchester United reden, müssen wir zum Schluss auch noch über das legendäre Champions-League-Finale von 1999 sprechen. Wie haben Sie diese schmerzliche 1:2-Niederlage der Bayern in Erinnerung, die bis zur Nachspielzeit noch mit 1:0 führten?

Ich war damals in der A-Jugend bei Bayern und saß im Trainingsanzug in Barcelona auf der Tribüne. Wir waren auf dem Weg zu einem Turnier in Rotterdam und wollten die Profi-Mannschaft unterstützen. Ich weiß noch: Bayern hat richtig gut gespielt, war die klar bessere Mannschaft und hätte eigentlich gewinnen müssen. Dann ist das Spiel in zwei kleinen, entscheidenden, sehr wichtigen Momenten entschieden worden und in die Geschichte eingegangen. Es verbindet die beiden Mannschaften für immer. Das war schon ein fantastisches Spiel, auch wenn die Niederlage damals sehr wehtat. United und Bayern haben eine große, gemeinsame Vergangenheit. Die beiden Klubs verbindet aber in vielen Bereichen sehr viel: Die Geschichte, die Erfolge, die Topspieler, die für beide Klubs gespielt haben, die großartigen Fans. Deswegen wird es für alle ein schönes Wiedersehen, auch wenn es dieses Mal kein Finale, sondern nur ein Gruppenspiel ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

Verwendete Quellen
  • Persönliches Interview mit Owen Hargreaves
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