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HomeSportBundesligaFC Bayern München

FC Bayern | Edel-Joker Thomas Müller: Der heimliche Held


Wieder rettet Müller die Bayern
Der heimliche Held


Aktualisiert am 05.10.2023Lesedauer: 6 Min.
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Vorstandsboss Dreesen findet deutliche Worte für Ulreich. (Quelle: t-online)

Bayerns Trainer Thomas Tuchel wechselt in Kopenhagen mit Thomas Müller den Sieg ein. Müller beweist seinen enormen Wert für die Mannschaft und bringt Kollegen und Experten ins Schwärmen.

Aus Kopenhagen berichtet Julian Buhl vom FC Bayern

Es lief die 67. Minute im Parken Stadion in Kopenhagen. Der FC Bayern lag zu diesem Zeitpunkt noch mit 0:1 zurück. Mit Thomas Müller, Mathys Tel und Eric Maxim Choupo-Moting stand die geballte Offensivpower des FC Bayern bereits zur Einwechslung an der Seitenlinie bereit. Von dort aus sahen sie, wie der Ball noch einmal zu Jamal Musiala, einem der Auswechselkandidaten kam. Mit etwas Glück wuselte sich der Nationalspieler an seinem Gegenspieler vorbei. Aus sechzehn Metern zog er ab – und der Ball schlug zum 1:1-Ausgleich für den FC Bayern im Tor des FC Kopenhagen ein.

Anlass genug für Trainer Thomas Tuchel, den geplanten Dreifachwechsel kurzfristig abzusagen. Was wohl passiert wäre, hätte Musiala Tuchels Pläne mit seinem Treffer nicht noch einmal durchkreuzt? Gut möglich, dass es dann zu der siegbringenden Konstellation gar nicht gekommen wäre oder möglicherweise eine zu frühe, allzu offensive Ausrichtung eher ein Gegentor als den Siegtreffer der Bayern zur Folge gehabt hätte. Wer weiß.

Musiala verhinderte Tuchels Wechselpläne

"Wir hätten ein bisschen früher gewechselt. Aber dann ist in dem Moment das Tor (zum 1:1; Anm. d. Red.) gefallen", sagte Tuchel hinterher auf der Pressekonferenz und gab etwas Einblick in seine Gedankenwelt. Da habe er dann nicht sofort dreimal wechseln wollen. "Das wäre auch noch einmal eine ganze Ecke offensiver geworden. Das wollte ich dann nicht machen und noch mal ein paar Minuten warten."

Das tat Tuchel und brachte Müller, Tel und zunächst dann Leon Goretzka als Stabilitätsfaktor statt Choupo-Moting schließlich in der 87. Minute ins Spiel. Sechs Minuten später nutzte Müller in unnachahmlicher Art und Weise eine Kopfballverlängerung von Harry Kane zur Vorbereitung des Siegtreffers. Müller zeigte einmal mehr, wie wichtig er noch immer für diese Mannschaft ist. Und bewahrte Trainer Tuchel mit seinem Assist wohl auch davor, nach dem Spiel unangenehmere Fragen beantworten zu müssen.

Weil er sich im Strafraum gegen zwei Gegenspieler behauptete und dann auch noch überlegt und mit gutem Auge für seinen Mitspieler auf Superjoker Mathys Tel rüberlegte, der den Ball wuchtig und halbhoch mit links ins Tor drosch und im zehnten Pflichtspieleinsatz bereits seinen sechsten Treffer erzielte. Mit gerade einmal 49 Minuten, die er für ein Tor benötigt, hat der 18 Jahre alte Franzose nun übrigens die beste Quote aller Angreifer in ganz Europa.

"Ich wollte ja gar nicht so durchdrehen"

Kane jubelte sofort mit dem Torschützen. Kingsley Coman, Joshua Kimmich und Goretzka liefen hingegen direkt zu dem nicht weniger feiernden Müller. Der hatte das Siegtor mit seiner starken Vorbereitung schließlich überhaupt erst ermöglicht.

"Ich wollte ja gar nicht so durchdrehen, aber die Jungs haben mich ja auch noch gepusht", sagte Müller über seinen ausgelassenen Jubel. Goretzka habe ihn "noch hingeschubst". Und "der Josh" (Kimmich; Anm. d. Red.) sei "auch ganz aufgeregt" gewesen. "Aber klar, es war das Tor zum Sieg. Und ein bisschen haben sie sich vielleicht auch für mich gefreut. Die Aktion war ja auch irgendwie cool."

Die Szene, die zum Tor führte, beschrieb er dann gleich noch in seiner typisch müllerschen Art. Eigentlich habe er sich den Ball schon fast zu weit vorgelegt. "Vermeintlich. Ich muss ihn natürlich auch vorlegen, damit ich im Laufen bleibe", so Müller. "Der blonde Engel", wie er Gegenspieler Birger Meling bezeichnete, "kam eh schon von meiner rechten Seite mit Tempo 37. Wenn der Torwart darauf spekuliert hätte, dann hätte er ihn auch klauen können".

Müller: "Ich bin immer noch einsatzfähig"

Den Rest erledigte er dann mit geschicktem Körpereinsatz, guter Übersicht und Erfahrung. "Ein bissel Spielminuten habe ich mit meiner Karriere schon gesammelt, um zu wissen, wie ich mich dann in den Situationen verhalten muss", sagte Müller, der zuletzt größtenteils als Einwechselspieler zum Einsatz gekommen war. Erste Unkenrufe, die Tuchel und den Bayern ein drohendes Müller-Problem herbeiorakeln wollten, waren bereits zu vernehmen.

Genugtuung sei nun ein "ein bissel großes Wort", befand er. "Aber klar, die Freude ist groß. Ich bin unabhängig von meiner bisherigen Karriere ganz normaler Kaderspieler und will natürlich auch Minuten sammeln und mich empfehlen", so Müller weiter. "Weil ich natürlich überzeugt bin, dass ich mit meinen Stärken auch der Mannschaft helfen kann." Grinsend fügte er hinzu: "Ich bin immer noch einsatzfähig." Das habe er in den letzten Wochen seinem Dafürhalten nach "immer wieder unter Beweis gestellt".

In der Bundesliga stand Müller, der mehrmals von Verletzungen ausgebremst wurde, allerdings bislang nur zweimal in der Startelf, dreimal wurde er eingewechselt, einmal gar nicht eingesetzt.

Tuchel erklärt Müllers Rolle beim FC Bayern

Sein Trainer sieht es trotzdem ähnlich wie Müller. "Es ist doch klar, dass er mit den Hufen scharrt. Und es ist genauso klar, dass er unser Spiel verändern kann, entscheidenden Einfluss hat", sagte Tuchel. Der 34-Jährige habe "natürlich darauf gebrannt, in der Champions League zu spielen und auch darauf, das Spiel noch zu drehen. Thomas hat es sensationell gemacht."

Die Rolle des Spielers habe sich nicht groß verändert, obgleich er Müller zuletzt überwiegend als Teilzeitkraft einsetzte. "Thomas ist superfleißig. Die Energie ist sichtbar, auch bei der Einwechslung heute", so Tuchel. "Der war auch hellwach und schaut sich von draußen die Räume an, die er gleich nutzen will."

Müller hatte laut Tuchel bereits auf einen Einsatz am Samstag im Topspiel in Leipzig (2:2) gebrannt. Weil der Stürmer zuvor die Pokalpartie in Münster (4:0) aufgrund einer Adduktorenzerrung verpasst hatte, habe er sich da jedoch noch mal "für eine andere Option entschieden".

Müller sei aber "ein fester Bestandteil von uns, jemand, auf den wir absolut zählen", stellte Tuchel klar. "Die Energie und die Ausstrahlung, die er hat, hat man heute gesehen. Deshalb ist das absolut top."

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Müllers Jubelpartner Kimmich pflichtete seinem Trainer bei. "Er ist sehr wichtig für die Kabine, aber nicht nur für die Kabine", sagte der Mittelfeldmann über Vizekapitän Müller. "Er ist auf dem Platz und hat gleich eine Chance. Egal, ob wir führen oder hinten liegen, man kann ihn immer bringen."

Gute Laune beim Mitternachtsbankett

In Kopenhagen ging dieser Plan auf. Auch deshalb blickte man beim Bankett im Ballsaal des Teamhotels "Villa Copenhagen", zu dem die Mannschaft um kurz nach Mitternacht erschien, ausschließlich in glückliche Gesichter.

Bayern war schließlich auch im 36. Gruppenspiel der Champions League ungeschlagen geblieben. Mit den 18 unbesiegten Auswärtsspielen darunter stellten die Münchner ganz nebenbei einen neuen Rekord auf. Und dass man wieder mal zurücklag? Dazu sagte Müller: "Wenn man den FC Bayern von A bis Z glänzen und Ballett spielen sehen will, kann man auch was kritisieren. Aber am Ende sagt mir meine Erfahrung, dass es in der Champions League auswärts zu allen Zeiten – ob Triple-Saison oder sonst was – schwierige Begegnungen gab. Daher war es ein sehr schöner Abend."

Und Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen kündigte in seiner Premieren-Bankettrede als Kluboberhaupt an, "das Ding" mit Bayern auch beim dritten Gruppenspiel in Istanbul wieder "rocken" zu wollen. Nachdem sich die Mannschaft am Gourmet-Buffet mit Sashi-Rindfleisch, gedämpftem Heilbutt, zahlreichen Vorspeisen und Dessertvariationen bedient hatte, verließen die meisten Spieler die Bayern-Party trotzdem bereits vor 1 Uhr morgens.

Joshua Kimmich begab sich nach Sven Ulreich, den Dreesen in seiner Rede aufgrund seiner Weltklasseparade in der Nachspielzeit lobend erwähnt hatte, als letzter Profi gegen 2.32 Uhr auf sein Zimmer.

Liebeserklärung von Sammer an Müller

Müller blieb trotzdem Gesprächsthema. "Egal, ob der Müller schnell oder langsam ist und ob er in irgendein System passt oder nicht: Müller musst du normal immer spielen lassen. Er ist einfach Weltklasse!", sagte Amazon-Experte Matthias Sammer zur Causa Müller. "Er war vorher verletzt, hatte Probleme an der Leiste. Müller verändert das Spiel! Das ist einfach so." Und weiter: "Seine Laufwege, er hat antizipiert, wo die Bälle landen können. Müller ist Müller – und Müller ist Weltklasse. Ich liebe ihn."

Ganz nebenbei stellte der Weltklassespieler übrigens einen weiteren Rekord auf. Mit seinem 101. Erfolg in der Champions League zog er mit Iker Casillas gleich und hat nun nur noch Rekordhalter Cristiano Ronaldo (115 Siege) vor sich. Ein ganz besonderer Sieg also für Müller, nicht zuletzt, weil er ganz entscheidenden Anteil daran hatte.

Dazu gratulierte auch Tel, der wusste, bei wem er sich für sein Tor zu bedanken hatte. "Herzlichen Glückwunsch zu deinem neuen Rekord und deinem Assist", schrieb er an Müller gerichtet. "Seit dem ersten Tag hast du mich willkommen geheißen, du bist ein echter Leader für uns. Ich lerne jeden Tag an deiner Seite", so Tel. "Danke, du Legende."

Treffender kann man Müllers Rolle und Stellenwert in dieser Mannschaft wohl kaum beschreiben.

Verwendete Quellen
  • Eigene Beobachtungen vor Ort in Kopenhagen
  • Bankettrede von Jan-Christian Dreesen
  • Mixed-Zone-Gespräch mit Thomas Müller
  • Stimmen von Matthias Sammer bei Amazon Prime
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