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Triple greifbar: Alonso nach Last-Minute-Wahnsinn emotional


Bayer 04 Leverkusen
Triple greifbar: Alonso nach Last-Minute-Wahnsinn emotional

Von dpa
Aktualisiert am 10.05.2024Lesedauer: 4 Min.
Alonso und HofmannVergrĂ¶ĂŸern des BildesLeverkusens Trainer Xabi Alonso und Jonas Hofmann (r) feiern mit den Fans nach dem Spiel gegen Rom. (Quelle: Federico Gambarini/dpa/dpa-bilder)
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Bayer Leverkusen hat erst verloren, wenn der Schiedsrichter abpfeift. Den Last-Minute-Wahnsinn kann noch nicht mal Trainer Xabi Alonso erklÀren. Das Triple ist nun das klare Ziel.

Das war selbst fĂŒr Allesgewinner Xabi Alonso fast ein bisschen zu viel des Guten. Als der Trainer von Bayer Leverkusen nach dem nĂ€chsten Last-Minute-Wahnsinn und dem Final-Einzug in der Europa League erst nach Mitternacht zur Pressekonferenz aufs Podium kam, rang der eloquente Weltmann zwischenzeitlich nach Worten. "Unglaublich. Ich bin irgendwie ein bisschen sprachlos", sagte der Spanier nach dem 2:2 gegen die AS Rom und da schon anderthalb Stunden Feierlichkeiten und TV-Interviews. Und irgendwie mĂŒsse er ja doch "immer das Gleiche" erzĂ€hlen.

Doch die Leverkusener lieben in dieser so einzigartigen Saison das Drama. Und es ist tatsÀchlich lÀngst ein Déjà-vu, wenn sie in der Nachspielzeit eines verlorenen geglaubten Spiels treffen und ihre unglaubliche Serie doch nochmal verlÀngern. Der Ausgleich von Josip Stanisic in der 90.+7. Minute am Donnerstag war das 15. Pflichtspiel-Tor nach der 90. Minute. "Das ist schwer zu erklÀren. Unglaublich, dass es immer und immer wieder passiert", sagte Alonso: "Normalerweise gibt es auf so einem langen Weg irgendwann eine Niederlage". Aber bei seinem Team ist in dieser Saison fast nichts normal.

Leverkusen mit einer Serie fĂŒr die Rekord-BĂŒcher

Als Spieler hat Alonso alles gewonnen. 18 Titel holte er, war Weltmeister und je zweimal Europameister und Champions-League-Sieger. Aber den Erfolg vom Donnerstag feierte er mit einem Jubellauf, ein paar aufgeregten HĂŒpfern und einem Tanz vor der Nordkurve ungewohnt emotional und ausgelassen. Denn eine solche Serie von nun 49 Pflichtspielen ohne Niederlage hat auch er noch nicht erlebt. NatĂŒrlich nicht. Weil es im europĂ€ischen Fußball noch nie so eine Serie gab. Benfica Lissabon hat von Dezember 1963 bis Februar 1965 mal 48 Spiele wettbewerbsĂŒbergreifend ohne Niederlage geschafft und hielt nach Angaben der Bundesliga bisher Rekord. Nun gehört auch dieser Leverkusen, das im Verlauf dieser Saison fast unzĂ€hlbare kleinere und grĂ¶ĂŸere Bestmarken eingesammelt hat.

Das Triple ist fĂŒr Bayer angesichts der feststehenden Meisterschaft und zwei Endspielen nun endgĂŒltig greifbar. Doch die Mannschaft zieht auch einen unglaublichen Antrieb aus der Jagd nach der Serie. Nach dem 2:0 in Rom hĂ€tte das 1:2 am Donnerstag nach zwei Elfmetern gegen Bayer und einem Eigentor der Römer Leverkusen zum Final-Einzug gereicht. Sein Team sei nach dem eigentlich erlösenden Anschlusstor aber "in der Nachspielzeit nicht immer zu Boden gegangen und hat so getan, als wĂ€ren wir verletzt", sagte Mittelfeld-Stratege Granit Xhaka mit einer Spitze gegen die Römer und deren Verhalten nach dem 2:0: "Wir wĂ€ren brutal enttĂ€uscht gewesen, wenn wir weitergekommen wĂ€ren und verloren hĂ€tten. Weil wir das auf keinen Fall verdient gehabt hĂ€tten."

Alonso: "Das 1:2 war genug, aber die Spieler wollten mehr"

Es ist eben diese "unfassbare MentalitĂ€t" (Xhaka), die Leverkusen in dieser Fabel-Saison auszeichnet. Doch weil diesem Denken bei einem ausreichenden Ergebnis in einem Europacup-Halbfinale ein gewisses Risiko innewohnt, verfolgte Alonso das mit gemischten GefĂŒhlen. "Um ehrlich zu sein: Ich hatte in diesem Moment keinen Einfluss mehr auf meine Mannschaft", gab er offen zu: "Es war eine etwas komische Situation. Das 1:2 war genug, aber die Spieler wollten mehr. Ich konnte sie nicht mehr kontrollieren." Seine Einwechslung in der 90. Minute sei "sicher eher defensiv gedacht" gewesen, sagte Stanisic. Doch er stĂŒrmte nach vorne und traf mit purem Willen. Immerhin hĂ€tte sein Team "ein gutes GefĂŒhl und eine gute Kontrolle" gehabt, sagte Alonso gnĂ€dig.

Und schließlich war er selbst auch ein Risiko eingegangen. Denn Juwel Florian Wirtz hĂ€tte wegen Oberschenkel-Beschwerden eigentlich gar nicht spielen sollen. "Er konnte nicht richtig laufen. Ist gehumpelt", erzĂ€hlte sein Trainer. Doch Wirtz habe der Mannschaft "unbedingt helfen" wollen. Alonso brachte ihn beim Stand von 0:2 in der 81. Minute mit dem drohenden Aus vor Augen. "Es war ein bisschen ein Risiko", sagte er. "Aber wir brauchten etwas Spezielles. Einen Pass, ein Dribbling. Irgendetwas anderes. Deshalb habe ich dieses Risiko auf mich genommen. Und es hat funktioniert." Denn obwohl Wirtz an beiden Toren nicht direkt beteiligt war, so hatte er doch die Wende gebracht. "Auch mit 70 Prozent ist Flo noch ein guter Spieler", merkte Alonso an.

"Zwei Finals in der letzten Woche, ist der grĂ¶ĂŸte Erfolg"

In der Bundesliga, wo Bayer am Sonntag (19.30 Uhr/DAZN) in Bochum im 50. Spiel an den Ort der letzten Niederlage vor fast genau einem Jahr zurĂŒckkehrt, und gegen Augsburg, wird Wirtz sich ausruhen dĂŒrfen. Denn er wird gebraucht in den Endspielen der Europa League am 22. Mai in Dublin gegen Atalanta Bergamo und im DFB-Pokal drei Tage spĂ€ter in Berlin gegen den 1. FC Kaiserslautern. Es wird eine unglaubliche Woche fĂŒr die zuvor seit 31 Jahren titellosen Leverkusener, umrahmt von der Übergabe der Meisterschale am 18. Mai und der offiziellen Saison-Abschlussfeier mit erwarteten 80.000 Fans am 26. Mai.

"Das wir in der letzten Woche zwei Finals haben, ist der grĂ¶ĂŸte Erfolg", sagte Alonso: "City war letztes Jahr in so einer Situation. Aber das haben nur wenige." Manchester gewann im Vorjahr das Triple. Das kann nun Leverkusen wiederholen, wenn auch mit der Europa statt der Champions League. "Nach diesem großen Sieg ist es unser Ziel, drei Titel zu holen", sprach Alonso dann auch klar aus. Und appellierte an sein Team, jetzt durchzuziehen. "Wir wollen nicht stoppen. Es gibt noch ein Spiel und noch eins", sagte er. "Vielleicht sagen wir ja nach dem Pokalfinale, wir stoppen jetzt mal und gehen in Urlaub." Vielleicht.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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