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FC Bayern – Effenberg über Abwehrchef Alaba: Einen Abschied wird er nicht bereuen

MEINUNGWie weiter, FC Bayern?  

Alaba wird einen Abschied nicht bereuen

Eine Kolumne von Stefan Effenberg

08.07.2020, 21:25 Uhr
FC Bayern – Effenberg über Abwehrchef Alaba: Einen Abschied wird er nicht bereuen. Bayern-Trainer Hansi Flick (l.) würde David Alaba gerne halten. Stefan Effenberg dagegen rät zum Wechsel. (Quelle: Reuters/POOL)

Bayern-Trainer Hansi Flick (l.) würde David Alaba gerne halten. Stefan Effenberg dagegen rät zum Wechsel. (Quelle: POOL/Reuters)

Die Bayern dominieren die Liga wieder nach Belieben. Großen Anteil daran hat auch David Alaba. Der denkt offenbar über einen Wechsel nach. Das wäre keine schlechte Entscheidung.

Was war das für eine Saison von Werder Bremen – voller Sorgen und Druck. Herzlichen Glückwunsch zum Last-Minute-Klassenerhalt, der gleich zwei Dinge bewiesen hat. Erstens: Die Verantwortlichen haben die richtigen Entscheidungen getroffen, indem sie an Trainer Florian Kohfeldt festgehalten haben. Zweitens: Die Relegation ist ein megaspannendes Highlight nach den 34 Bundesliga-Spieltagen.

Vor sechs Jahren doppelt so viele Zuschauer 

Und umso wichtiger, wenn die Langeweile an der Spitze immer erdrückender wird, wie es leider derzeit der Fall ist. Der FC Bayern hat acht Meistertitel hintereinander gewonnen – das ist mit Juventus Turin in Italien die längste Serie aller Zeiten in einer der fünf Topligen Europas. Da spielt es auch keine Rolle, dass es im DFB-Pokal am Samstag "erst" der zweite Titel hintereinander war.

Die Dominanz führt offensichtlich dazu, dass das Interesse am deutschen Fußball sinkt. Im Schnitt verfolgten nur sieben Millionen Zuschauer das 4:2 von Bayern München gegen Bayer Leverkusen. Seit 2013 schalteten im Schnitt jeweils rund zehn Millionen Menschen oder mehr ein. 2014 waren es sogar 14,27 Mio. bei der Partie zwischen Bayern und Dortmund (2:0 n.V.). Im Vergleich dazu war es diesmal die Hälfte.

Bayern-Konkurrenz hisst schon die weiße Flagge

Das sind womöglich Auswirkungen der Corona-Krise – aber die Zahlen sollten auch eine Warnung sein. Sie passen gerade ins Bild der leeren Stadien aufgrund der Corona-Sicherheitsmaßnahmen. Und sie decken sich mit dem, was ich im Freundes- und Bekanntenkreis höre. Viele haben keine Lust mehr, weil sowieso immer Bayern gewinnt.

Und die Tendenz geht dahin, dass es in den nächsten Jahren so weiter geht. Bayern hat mit Leroy Sané den angekündigten internationalen Topstar verpflichtet und droht, auf Jahre hinaus uneinholbar zu sein. Die Konkurrenz hisst diesmal schon die weiße Flagge, bevor die Vorbereitung auf die neue Saison überhaupt begonnen hat.

Sorgen um die Bundesliga

So nennt Gladbachs Sportdirektor Max Eberl Titelträume "so realistisch, wie wenn ich Usain Bolt zum 100-Meter-Lauf herausfordere und glaube zu gewinnen." Borussia Dortmund will sich laut Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke gar keine Ziele mehr setzen. Und auch von den anderen Klubs wie Leipzig oder Leverkusen ist keine Attacke zu erwarten. Da darf man sich schon mal Sorgen um die Bundesliga machen.

Für mich ist ganz klar: Es muss neues Feuer rein, es muss wieder kribbeln. Aber wie? Ein Salary-Cap? Eine neue Verteilung der TV-Gelder? Ein Draft-Sytem für Jugendspieler? Punktabzug für den Meister? Am Ende ist das alles nicht fair.

Es hilft nur noch ein neuer Modus

Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, der Bundesliga wieder zu mehr Spannung zu verhelfen: ein neuer Modus. Im Februar 2018 habe ich an dieser Stelle in einer Kolumne bereits einen neuen Bundesliga-Modus vorgeschlagen (Details lesen Sie hier), auf den ich nun zurückkommen möchte. Damals stand Bayern vor dem sechsten Titel. Heute sind acht fix – und die Lage ist aufgrund der Corona-Krise noch dringlicher.

Die Kurzfassung des Modus: Zu Saisonbeginn werden zwei Neunergruppen ausgelost, die bis Dezember in Hin- und Rückspielen um die Qualifikation für die Meisterrunde spielen. Die besten Vier der beiden Gruppen sowie der bessere Gruppenfünfte spielen anschließend von Januar bis Mai in einer Neunergruppe den Deutschen Meister aus – die restlichen spielen um den Klassenerhalt. Es bleibt bei 18 Bundesligisten, es bleibt ungefähr beim Zeitplan und grob bei der Anzahl der Spiele. Der Vorteil: Alle Mannschaften starten Im Januar bei null Punkten und null Toren in die zweite Saisonhälfte. Es hat also niemand einen Vorsprung.

 (Quelle: t-online.de) (Quelle: t-online.de)

Sollten den Modus zumindest ausprobieren

Allein die Auslosung wäre ein Megaevent mit einer gigantischen Einschaltquote – und somit ein echtes Highlight im August. Man würde damit auch aus der Corona-Krise lernen, denn: Dass die Champions League ab den Achtelfinal-Rückspielen in diesem Jahr im August ausgetragen wird, führt dazu, dass es der spannendste August aller Zeiten wird. Während wir sonst in der Regel höchstens die erste Runde im DFB-Pokal haben.

Vielleicht gibt es auch andere Ideen oder Vorschläge – ich persönlich halte diese Variante für die fairste. Ich plädiere deshalb dafür, diesen Modus zumindest mal für eine Saison auszuprobieren.

Was soll sonst Hoffnung machen?

Ich sehe schon, dass es bei Bayern derzeit trotz Sané noch mehr Fragezeichen als Ausrufezeichen in Bezug auf den Kader gibt. Geht Javi Martinez? Was macht Thiago, der offensichtlich weg will, weil er sonst das Vertragsangebot von Bayern unterschrieben hätte? Wie geht es mit Jerome Boateng weiter, der zwar wieder starke Leistungen zeigt, aber auch nur einen Vertrag bis 2021 hat? Wie wird sich David Alaba entscheiden, der offenbar über einen Wechsel nachdenkt?

Ich kann ihn verstehen. Und ich sage sogar: Einen Abschied wird er nicht bereuen. Eine Auslandserfahrung hilft jedem in seiner Persönlichkeitsentwicklung. Ich habe in Florenz und Katar gespielt und diese Zeit gerade im Nachhinein als unfassbar lehrreich und definitiv die richtige Entscheidung empfunden. Die Sprache, die Kultur – es sind viele Eindrücke, die einen weiterbringen.

Stefan Effenberg (l.) und Brian Laudrup bei Florenz. (Quelle: imago images/Magic)Stefan Effenberg (l.) und Brian Laudrup bei Florenz. (Quelle: Magic/imago images)

Wählt Alaba das Modell Schweinsteiger?

Alaba kann diese Erfahrung natürlich auch noch mit 32, 33 Jahren machen und zum Ende seiner Karriere wechseln. So hat es Bastian Schweinsteiger gemacht, der sich mit Manchester United und auch Chicago Fire noch einen Traum erfüllt hat. Wählt Alaba das Modell Schweinsteiger, wird er aber voraussichtlich nicht mehr um den Champions-League-Titel spielen. Dafür müsste er diesen Sommer zu einem Verein der Top-Kategorie in Spanien oder Italien gehen.

Das neueste Gerücht: David Alaba soll mit Inter Mailand verhandeln. (Quelle: imago images/Sven Simon)Das neueste Gerücht: David Alaba soll mit Inter Mailand verhandeln. (Quelle: Sven Simon/imago images)

Thiago, Alaba oder Boateng, das wären schon schmerzhafte Abgänge, von denen abhängen wird, ob Bayern noch mal auf dem Transfermarkt tätig werden muss.

Was Bayern macht, ist eine hohe Kunst

Doch selbst wenn es so kommt, ist genug Zeit bis zum Ende der Transferphase. Bayern hat auch in den vergangenen Jahren immer wieder Abgänge von Leistungsträgern und ganz wichtigen Persönlichkeiten kompensiert bekommen: zunächst von Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger, dann zuletzt von Franck Ribéry, Arjen Robben und Mats Hummels.

Ich möchte deshalb auch noch mal ganz deutlich den Erfolg des FC Bayern würdigen: Das ist eine wirklich hohe Kunst, über einen so langen Zeitraum an der Spitze zu stehen. Karl-Heinz Rummenigge nannte die Meisterschaft mal den ehrlichsten Titel – und hat damit vollkommen recht. Es zählt eben nicht, dass man mal zwischendurch vorne liegt oder eine stärkere Phase hat. Es zählt, dass man am 34. Spieltag Erster ist.

Es muss etwas passieren

Und das hat Bayern achtmal hintereinander eindrucksvoll geschafft. Trotz eines Trainerwechsels. Trotz acht oder neun Punkten Rückstand. Allein in der abgelaufenen Saison hatte Bayern am 14. Spieltag acht Punkte weniger als der damalige Tabellenführer Gladbach, nach 34 Spielen 17 Punkte Vorsprung auf die Borussia. Sie haben also in 20 Spielen 25 Punkte gutgemacht – das ist Wahnsinn.

Aber leider ist das auch eine Gefahr für die Attraktivität der Liga. Zehn Meisterschaften in Folge darf kein Verein gewinnen – doch genau das droht. Wenn nichts passiert.

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